{"id":10515,"date":"2009-04-08T22:24:51","date_gmt":"2009-04-08T20:24:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=10515"},"modified":"2009-04-09T15:13:25","modified_gmt":"2009-04-09T13:13:25","slug":"wo-rauch-ist-eine-heimatgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=10515","title":{"rendered":"[ wo rauch ist. eine heimatgeschichte ]"},"content":{"rendered":"<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\n<em>vorsatz<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">\nwenn es brennt, irgendwo, muss auch ein<br \/>\nfeuer sein. manchmal ist es ein akt der not-<br \/>\nwendigkeit, die flamme zum rauch zu tragen<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\n<em>kapitel eins<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">\ndie geschichte beginnt damit, dass in irgend-<br \/>\neinem restaurant der hauptstadt, allerdings<br \/>\neinem restaurant gehobenen niveaus, eine<br \/>\nzigarette verglomm. ein am nebentisch sitz-<br \/>\nender gast begann erst nach der ursache<br \/>\ndes rauchs zu schn\u00fcffeln, dann energisch<br \/>\nnach dem personal zu winken, damit dies \u00fc-<br \/>\nbel umgehend abgestellt werde. ein kellner<br \/>\nentfernte augenblicks die quelle der st\u00f6rung<\/p>\n<p align=\"left\">\ner war ein wenig irritiert, weil keiner seiner<br \/>\ng\u00e4ste jener einsam glimmenden zigarette<br \/>\nzuzuordnen und weil ein solch ungeh\u00f6riger<br \/>\nvorgang ihm bislang nicht untergekommen<br \/>\nwar. schliesslich galt ein per gesetz verord-<br \/>\nnetes rauchverbot zum schutz der volksge-<br \/>\nsundheit und der allgemeinen arbeitsf\u00e4hig-<br \/>\nkeit. doch war die glut bald gel\u00f6scht und<br \/>\nmit der zufriedenheit des gastes auch f\u00fcr<br \/>\nden kellner die ordnung wiederhergestellt<\/p>\n<p align=\"left\">\nerst als dieser vorfall sich andernorts wie-<br \/>\nderholte, als er wie ein ahnungsvolles glim-<br \/>\nmen um sich zu greifen, als kein ort \u00f6ffent-<br \/>\nlicher begegnung von jener unverfrorenen<br \/>\ngrenz\u00fcberschreitung mehr verschont zu blei-<br \/>\nben schien, da wuchs unsere geschichte<br \/>\nvom ger\u00fccht zur grellen schlagzeile heran<\/p>\n<p align=\"left\">\nals selbst gut gesicherte r\u00e4umlichkeiten wie<br \/>\nmuseen, kataster\u00e4mter, polizeistationen und<br \/>\n&#8211; gleichsam der gipfel an dreistigkeit &#8211; die<br \/>\nkantine des bundeskanzleramtes betroffen<br \/>\nwaren, ohne dass je eine verantwortliche<br \/>\nperson h\u00e4tte benannt werden k\u00f6nnen, be-<br \/>\ngann eine landesweite fahndung unter zu-<br \/>\nhilfenahme aller verf\u00fcgbaren sicherheits-<br \/>\nkr\u00e4fte und unter aussch\u00f6pfung s\u00e4mtlicher<br \/>\nrechtlichen m\u00f6glichkeiten. das staatliche<br \/>\nfernsehen brachte sondersendungen, zeit-<br \/>\ngleich \u00fcber den rundfunk ausgestrahlt, in<br \/>\ndenen zahllose experten gleichlautende<br \/>\nappelle an die rechtschaffene bev\u00f6lkerung<br \/>\nformulierten, sie forderten zur mithilfe auf<br \/>\nund die h\u00e4rteren strafen f\u00fcr den fall, dass<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\n<em>kapitel zwei<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">\nder innenminister erhob sich an jenem mor-<br \/>\ngen missgelaunt vom fr\u00fchst\u00fcckstisch, liess<br \/>\nsich st\u00f6hnend in seinen rollstuhl fallen, der<br \/>\nihm seit jahren ein ebenso bequemer wie<br \/>\nunangreifbarer verk\u00fcndungsort hasserf\u00fcll-<br \/>\nter reden war, zum wohle des volkes und<br \/>\nzu seiner allumfassenden sicherheit. er griff<\/p>\n<p align=\"left\">\nzum telefon. wenige stunden sp\u00e4ter sass<br \/>\nder innenminister in gemeinsamer runde<br \/>\nmit dem bundespr\u00e4sidenten, der kanzler-<br \/>\nin, dem verteidigungsminister, f\u00fchrenden<br \/>\nk\u00f6pfen aus regierung und opposition, so-<br \/>\nwie ausgew\u00e4hlten vertretern von staats-<br \/>\nsicherheit und bundesnachrichtendienst<br \/>\nin einem abh\u00f6rsicheren konferenzraum im<br \/>\nkunstlichtgebleichten keller des regierungs-<br \/>\nbunkers: eine sonderkommission hatte ihre<br \/>\narbeit aufgenommen, den widerstand ge-<br \/>\ngen die grundfesten des demokratischen<br \/>\nmiteinanders zu bannen und zu brechen<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\n<em>kapitel drei<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">\nacht tage danach schl\u00e4gt eine afghanische<br \/>\nwiderstandsrakete russischer bauart mitten<br \/>\nhinein in ein kleineres armeelager, am rand<br \/>\neines baumwollfeldes gelegen, irgendwo<br \/>\nim fruchtbaren grenzland zu tadschikistan<\/p>\n<p align=\"left\">\ndie handvoll staubgrauer zelte verdampft<br \/>\nbinnen augenblicken; der explosionsl\u00e4rm<br \/>\nist leiser, als der tiefe krater, der danach<br \/>\nzu bestaunen ist, vermuten l\u00e4sst, werden<br \/>\nsp\u00e4ter einheimische bauern berichten, die<br \/>\nin gr\u00f6sserer entfernung augenzeugen des<br \/>\ngeschehens waren und \u00fcberlebt hatten<\/p>\n<p align=\"left\">\ndie bundeskanzlerin und der kriegsminister<br \/>\nwaren zu einem \u00fcberraschenden besuch an<br \/>\ndie front geflogen und hatten zum zeitpunkt<br \/>\ndes raketenanflugs staubige reihen schwitz-<br \/>\nender soldaten abgeschritten zum zeichen<br \/>\npatriotischer wertsch\u00e4tzung und zur ehre<\/p>\n<p align=\"left\">\nder grosse blitz aber verschlingt alles, l\u00e4sst<br \/>\nnichts \u00fcbrig, nichts von wert, jedenfalls, was<br \/>\nzu sch\u00e4tzen gewesen w\u00e4re, ausser weni-<br \/>\ngen metern verwackelten films, aus gr\u00f6sse-<br \/>\nrer entfernung aufgenommen, versteht sich<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\n<em>nachsatz<\/em>\n<\/p>\n<p align=\"left\">\ndie geheimnisvollen rauchanschl\u00e4ge sollen<br \/>\nseitdem aufgeh\u00f6rt haben, erz\u00e4hlt man sich<\/p>\n<p align=\"left\">\naber ich z\u00f6gere, dies zu glauben; vermut-<br \/>\nlich wird einfach nicht mehr davon berichtet<\/p>\n<p><\/font><br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>vorsatz wenn es brennt, irgendwo, muss auch ein feuer sein. manchmal ist es ein akt der not- wendigkeit, die flamme zum rauch zu tragen &nbsp; kapitel eins die geschichte beginnt damit, dass in irgend- einem restaurant der hauptstadt, allerdings einem restaurant gehobenen niveaus, eine zigarette verglomm. ein am nebentisch sitz- ender gast begann erst nach [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-10515","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10515","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10515"}],"version-history":[{"count":34,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10515\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10550,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10515\/revisions\/10550"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10515"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}