{"id":11105,"date":"2009-09-11T00:01:29","date_gmt":"2009-09-10T22:01:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=11105"},"modified":"2009-09-10T21:24:36","modified_gmt":"2009-09-10T19:24:36","slug":"santiago-11-september-1973","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=11105","title":{"rendered":"[ santiago, 11. september 1973 ]"},"content":{"rendered":"<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\n&#8220; landsleute!<\/p>\n<p align=\"left\">\nes ist sicherlich das letzte mal, dass ich mich an<br \/>\nsie wende. die luftstreitkr\u00e4fte haben die sende-<br \/>\nanlagen von radio portales und radio corporation<br \/>\nbombardiert. meine worte sind nicht von bitternis<br \/>\ngepr\u00e4gt, sondern von der entt\u00e4uschung; sie sind<br \/>\nauch die moralische z\u00fcchtigung derjenigen, die<br \/>\nden eid, den sie geleistet haben, gebrochen ha-<br \/>\nben: soldaten chiles, amtierende oberbefehlsha-<br \/>\nber und admiral merino, der sich selbst ernannt<br \/>\nhat, der verachtungsw\u00fcrdige general mendoza<br \/>\nder noch gestern der regierung seine treue und<br \/>\nloyalit\u00e4t bezeugte und sich ebenfalls selbst zum<br \/>\ngeneraldirektor der carabinieros ernannt hat. an-<br \/>\ngesichts solcher tatsachen kann ich den werkt\u00e4-<br \/>\ntigen nur eines sagen: ich werde nicht zur\u00fcck-<br \/>\ntreten<\/p>\n<p align=\"left\">\nin eine historische situation gestellt, werde ich<br \/>\nmeine loyalit\u00e4t gegen\u00fcber dem volk mit meinem<br \/>\nleben bezahlen. und ich kann ihnen versichern<br \/>\ndass nichts verhindern kann, dass die von uns<br \/>\nin das edle gewissen von tausenden und aber-<br \/>\ntausenden chilenen ausgebrachte saat aufge-<br \/>\nhen wird. sie haben die gewalt, sie k\u00f6nnen zur<br \/>\nsklaverei zur\u00fcckkehren, aber man kann weder<br \/>\ndurch verbrechen, noch durch gewalt die gesell-<br \/>\nschaftlichen prozesse aufhalten. die geschichte<br \/>\ngeh\u00f6rt uns; es sind die v\u00f6lker die sie machen<\/p>\n<p align=\"left\">\nwerkt\u00e4tige meines vaterlandes! ich m\u00f6chte euch<br \/>\ndanken f\u00fcr die loyalit\u00e4t, die ihr immer bewiesen<br \/>\nhabt, f\u00fcr das vertrauen, das ihr in einen mann<br \/>\ngesetzt habt, der nur der dolmetscher der gros-<br \/>\nsen bestrebungen nach gerechtigkeit war, der<br \/>\nsich in seinen erkl\u00e4rungen verpflichtet hat, die<br \/>\nverfassung und das gesetz zu respektieren und<br \/>\nder seiner verpflichtung treu war. dies sind die<br \/>\nletzten augenblicke, in denen ich mich an sie<br \/>\nwenden kann, damit sie die lehren aus den er-<br \/>\neignissen ziehen k\u00f6nnen<\/p>\n<p align=\"left\">\ndas auslandskapital, der mit der reaktion ver-<br \/>\nb\u00fcndete imperialismus, haben ein solches kli-<br \/>\nma geschaffen, dass die streitkr\u00e4fte mit ihren<br \/>\ntraditionen brachen, mit den traditionen, die<br \/>\nihnen von general schneider gelehrt und von<br \/>\nkommandant araya bekr\u00e4ftigt wurden. beide<br \/>\nwurden opfer derselben gesellschaftsschicht<br \/>\nder gleichen leute, die heute zu hause sitzen<br \/>\nin der erwartung, durch mittelsm\u00e4nner die<br \/>\nmacht zur\u00fcckzuerobern, um weiterhin ihre pro-<br \/>\nfite und privilegien zu verteidigen. ich wende<br \/>\nmich vor allem an die bescheidene frau unserer<br \/>\nerde, an die b\u00e4uerin, die an uns glaubte, an<br \/>\ndie arbeiterin, die mehr arbeitete an die mut-<br \/>\nter, die unsere f\u00fcrsorge f\u00fcr die kinder kann-<br \/>\nte. ich wende mich an die angeh\u00f6rigen der<br \/>\nfreien berufe, die eine patriotische verhaltens-<br \/>\nweise zeigten, an diejenigen, die vor einigen<br \/>\ntagen gegen den aufstand k\u00e4mpften, der von<br \/>\nden berufsvereinigungen, den klassenvereini-<br \/>\ngungen angef\u00fchrt wurde. auch hierbei ging es<br \/>\ndarum, die vorteile zu verteidigen, die die ka-<br \/>\npitalistische gesellschaft einer kleiner anzahl<br \/>\nder ihrigen bietet. ich wende mich an die ju-<br \/>\ngend, an diejenigen die gesungen haben, die<br \/>\nihre freude und ihren kampfgeist zum ausdruck<br \/>\nbrachten. ich wende mich an den chilenischen<br \/>\nmann, an den arbeiter, an den bauern, an den<br \/>\nintellektuellen, an diejenigen, die verfolgt wer-<br \/>\nden, denn der faschismus zeit sich bereits seit<br \/>\nvielen stunden in unserem land: in den terror-<br \/>\nattentaten, in den sprengungen von br\u00fccken<br \/>\nund eisenbahnen, in der zerst\u00f6rung von \u00f6l-<br \/>\nund gasleitungen. angesichts des schweigens<br \/>\n&#8230; <em>(der mittlere satzteil wurde von bombende-<br \/>\ntonationen \u00fcbert\u00f6nt)<\/em> &#8230; dem sie unterworfen<br \/>\nwaren. die geschichte wird \u00fcber sie richten<\/p>\n<p align=\"left\">\nradio magallanes wird sicherlich zum schweigen<br \/>\ngebracht werden und der ruhige ton meiner<br \/>\nstimme wird sie nicht mehr erreichen. das macht<br \/>\nnichts. sie werden sie weiterh\u00f6ren, ich werde<br \/>\nimmer mit ihnen sein und ich werde zumindest<br \/>\ndie erinnerung an einen w\u00fcrdigen menschen<br \/>\nhinterlassen, der loyal war hinsichtlich der loya-<br \/>\nlit\u00e4t zu den werkt\u00e4tigen<\/p>\n<p align=\"left\">\ndas volk muss sich verteidigen, aber nicht op-<br \/>\nfern. das volk darf sich nicht unterkriegen oder<br \/>\nvernichten lassen, es darf sich nicht dem\u00fctigen<br \/>\nlassen<\/p>\n<p align=\"left\">\nwerkt\u00e4tige meines vaterlandes! ich glaube an<br \/>\nchile und sein schicksal. es werden andere chi-<br \/>\nlenen kommen. in diesen d\u00fcsteren und bitteren<br \/>\naugenblicken, in denen sich der verrat durch-<br \/>\nsetzt, sollen sie wissen, dass sich fr\u00fcher oder<br \/>\nsp\u00e4ter, sehr bald, erneut die grossen strassen<br \/>\nauftun werden, auf denen der w\u00fcrdige mensch<br \/>\ndem aufbau einer besseren gesellschaft entge-<br \/>\ngengeht. es lebe chile! es lebe das volk! es le-<br \/>\nben die werkt\u00e4tigen! dies sind meine letzten<br \/>\nworte und ich habe die gewissheit, dass mein<br \/>\nopfer nicht vergeblich sein wird. ich habe die<br \/>\ngewissheit, dass es zumindest eine moralische<br \/>\nlektion sein wird, die den treuebruch, die feig-<br \/>\nheit und den verrat verurteilt&#8220;<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#404040\"><\/p>\n<p align=right><i><br \/>\nletzte rede des pr\u00e4sidenten dr. salvador allende<br \/>\nvom 11. september 1973, 11 uhr vormittags, ge-<br \/>\nhalten im unter beschuss liegenden pr\u00e4sidenten-<br \/>\npalais &#8222;la moneda&#8220; (santiago de chile), zeitweilig<br \/>\nnoch von radio magallan \u00fcbertragen. &#8211; quelle:<br \/>\n&#8222;bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale politik&#8220;<br \/>\nnr. 11\/1973<\/i><\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#404040\"><\/p>\n<p align=right><i><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.webstreams.de\/~peryton\/allende_11-september-1973.mp3\">originalton (mp3, 1,4 mb)<\/a><\/i><\/p>\n<p><\/font><br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220; landsleute! 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