{"id":132,"date":"2005-01-21T22:55:03","date_gmt":"2005-01-21T20:55:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=132"},"modified":"2005-08-18T23:46:06","modified_gmt":"2005-08-18T21:46:06","slug":"drucker-schwindler-schornsteinfeger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=132","title":{"rendered":"[ dr\u00fccker, schwindler, schornsteinfeger ]"},"content":{"rendered":"<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"center\"><i> &#8211; oder &#8211; <\/i><b>[ menschen taumeln. mukka pazza. befreite adler ]<\/b><\/p>\n<p align=\"right\"><i> &#8211; oder &#8211; <\/i><b>[ pisa II und deutschlands dumme kinder ]<\/b><\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">ich erwache. es klingelt zum zweiten mal. ich schiesse delphinengleich in die h\u00f6he, taumle zur wohnungst\u00fcr: zu sp\u00e4t: die zimmert\u00fcr nebenan hat sich bereits ge\u00f6ffnet, der dr\u00fccker ist gedr\u00fcckt, das schloss entriegelt, das &#8222;kommen sie hoch, hinterhaus, zweiter stock, links&#8220; ist l\u00e4ngst gesprochen. was bleibt ist ein taumeln, ein kreiseln, ein gegeneinandertreiben der kopfschalen auf dem hirnenrund<\/p>\n<p align=\"left\">warum sind schornsteinfegermeister stets mittleren alters, stets blond, stets von wohl gen\u00e4hrter erscheinung? es muss eintr\u00e4glich laufen, das gesch\u00e4ft der letzten ihres umtriebigen gewerbes. warum werden schornsteinfegermeister stets von glutohrigen assistenten begleitet, die stets bl\u00f6de nebenbei stehen, glotzend bestaunen alles, was in ihr gesichtsfeld f\u00e4llt? an diesem morgen: drei unausgeschlafene zeitgenossen (plus grossem &#8218;i&#8216;), mehr oder weniger oder eher noch mehr weniger, also sp\u00e4rlicher bekleidet, unterschiedlichen geschlechts, wie schon gesagt, unterschiedlichen gesundheitszustands in einer wohnung, die f\u00fcr den nachbarshund alleine schon zu kleine (letzteres nur um des wortreims willen). dennoch; wirklich geschehen war: drei verschlafene, die ihre verschlafenheit mit einem zettel angek\u00fcndigt hatten (&#8222;nicht vor neun uhr dreissig!!&#8220;) \u2013 was gab es da also zu glotzen? \u2013 und zwei schwarzbekittelte versammelt in einer k\u00fcche, die allein schon f\u00fcr den nachbarshund &#8230; der assistent glotzt. hat der noch nie eine zahnb\u00fcrste gesehen? in einem <i>mund<\/i>? oder <i>solche<\/i> haare? an <i>dieser<\/i> stelle? junge, lass dir das gesagt sein: ich weiss, dass ich sch\u00f6n bin!<\/p>\n<p align=\"left\">sie sind bereits nach drei minuten wieder aus der h\u00fctte \u2013 und daf\u00fcr waren wir alle aufgestanden; das hatte dieses aufwands wahrlich nicht bedurft. &#8222;der abend ist kl\u00fcger als der morgen&#8220;. eben. falls der nochmal was von uns will, der schwarze feger, wird er dreimal klingeln m\u00fcssen &#8230;<\/p>\n<p align=\"left\">was blieb: der schwindel. beharrlich. selbst im liegen ein taumelndes kreisen, ein wendeln, ein strudeln. und &#8218;kopf an&#8216; war trumpf, kein weiterschlafen m\u00f6glich; wie auch: zahnb\u00fcrste im maul ist mein startsignal f\u00fcr den t\u00e4glichen &#8230; &#8218;kampf&#8216;, wollte ich schreiben. &#8218;lampf&#8216; kam dabei heraus. beim korrekturversuch entstand ein &#8218;ampf&#8216; und damit bin ich endlich beim thema, das mich so sehr besch\u00e4ftigte, dass ich mich gegen den schwindel, gegen die sehns\u00fcchtige bettlust an den schreibtisch zwang: was mit den worten so passiert, und \u2013 wie oder \u2013 mit <i>uns<\/i> passiert, wenn wir das eine oder andere verlegen, verlieren, vergessen, verschieben, vers\u00e4umen &#8230; genau dies: es entsteht neues, das nah beim nahen liegen kann, oder \u2013 wie der nie zitierte apfel aus s\u00fcdafrika \u2013 eben doch sehr weit vom stamm zu liegen kommt<\/p>\n<p align=\"left\">der schwindel, zur\u00fcck zum thema, endlich: der kreisende. der kreiselnde. der schwindelnd schwindende \u2013 und: zack! daneben. wobei es doch so gleich klingt, klingte. kl\u00e4nge. aber so nah liegt die l\u00fcge eben dem verfall: der schwindel dem schwindeln wie dem schwund<\/p>\n<p align=\"left\">womit wir bei &#8218;pisa zwei&#8216; angelangt w\u00e4ren, dem wiedergekehrten postulat f\u00fcr deutschlands bl\u00f6de kinder: nein, sie sind nicht schuld, die kleinen, die dummchen. ihr m\u00fcsst \u2013 immer noch \u2013 die alten pr\u00fcgeln; und genau: <i>so<\/i> wird es euch nicht gelingen. ob es gew\u00fcnscht sei, ist die ganz andre frage, die ich gerne \u2013 wiederholt \u2013 berede: sicher nicht. denn gef\u00e4hrlich sind sie, die mit worten klingelnd spielen k\u00f6nnen, wie mit den perlen, die ihr den s\u00e4uen vorgeblich zum speisen reicht. l\u00fcsterne zungen spielen frech mit worten: sprachlust, libido gelallt (da worte st\u00f6ren, wo die zunge spielt) \u2013 es liegt beinander, eng; was uns verbindet, ist was mich so freut und euch so schmerzt, ihr armen kinder dummer<\/p>\n<p align=\"left\">was schon die dritte br\u00fccke war zur kuh, die bl\u00f6kt, mit schmerzendem gehirne: mukka pazza\u00b0, das verr\u00fcckte hornvieh, das ich erhebe, hiermit vorgeschlagen als neues deutsches wappentier: weg mit dem adler, her mit dem huftier, rauf die kuh aufs banner<\/p>\n<p align=\"left\">ein gar malerisches bild: allg\u00e4uer h\u00f6henvieh mit bl\u00f6de verdrehtem auge (zunge muss raush\u00e4ngen und triefen). da w\u00fcrde sich so manche, mancher wiederfinden. und &#8211; ach! &#8211; erinnere ich mich des jungen schornsteinfegerburschen von heut morgen, mit dem wunderlichen blick: nichtverstehen auf zu weitem felde<\/p>\n<p align=\"left\">womit wir ein sch\u00f6nes ende gefunden h\u00e4tten: wir liegen beieinand vereint, im abschlussbild, arm in armen auf der heimatscholle, die nicht nach alten fischen riecht, nein, stinkt nach kommunalem schlamm vom kl\u00e4rwerk nebenan, die mukka muht und pazzt und stirbt, drei schornsteinfeger ziehn vorbei am rand und winken treulich, am himmel kreist ein adler schwarz, gezaust, aber befreit, er schwingt sich hoch und h\u00f6her im aufwind \u00fcber kraftwerkst\u00fcrmen \u2013 biblis, scheint\u00b4s mir, ist nicht am dichtesten? \u2013 ich tr\u00e4llere ein liedelein, ein altes: &#8222;tsen brider sajnen mir gewesn hob&#8217;n mir gehandelt mit lajn, ejner is von uns gestorb&#8217;n, is geblib&#8217;n najn&#8220;, auf jiddisch, ja, bis zur letzten strophe. &#8222;ejn bruder bin ich mir gewesen, hob ich mir gehandelt mit licht, schterb&#8217;n tu ich jeden tog, weil tsu esn hob ich nit.&#8220;<\/p>\n<p align=\"left\">damit h\u00e4tten wir das mit der faschistenhymne auch gekl\u00e4rt, ein f\u00fcr alle mal. oder?<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#404040\"><\/p>\n<p align=\"left\"><i>\u00b0 mucca pazza  (italienisch) &#8211; verr\u00fcckte kuh<\/i><\/p>\n<p><\/font><br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; oder &#8211; [ menschen taumeln. mukka pazza. befreite adler ] &#8211; oder &#8211; [ pisa II und deutschlands dumme kinder ] ich erwache. es klingelt zum zweiten mal. ich schiesse delphinengleich in die h\u00f6he, taumle zur wohnungst\u00fcr: zu sp\u00e4t: die zimmert\u00fcr nebenan hat sich bereits ge\u00f6ffnet, der dr\u00fccker ist gedr\u00fcckt, das schloss entriegelt, das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-132","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=132"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/132\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=132"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}