{"id":141,"date":"2005-01-07T19:29:31","date_gmt":"2005-01-07T17:29:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=141"},"modified":"2005-08-19T01:46:41","modified_gmt":"2005-08-18T23:46:41","slug":"vier-fragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=141","title":{"rendered":"[ vier fragen ]"},"content":{"rendered":"<p><font color=\"#404040\"><\/p>\n<p align=\"left\"><i>sie kamen per email und schienen mir beantwortenswerter als die in weblogs so beliebten &#8218;most urgent questions of the day&#8216; (sowas wie &#8222;wann hattest du zum letzten mal sex in der badewanne?&#8220; &#8230; g\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4hn &#8230; )<\/i><\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><strong><\/p>\n<p align=\"right\">\u2013 1 \u2013<br \/>\nwelche art mensch gibt es in 1000 jahren?<\/p>\n<p><\/strong><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">immer noch den &#8218;homo sapiens&#8216;. f\u00fcr die ausbildung neuer menschenarten sind tausend jahre ein zu kleiner zeitraum<\/p>\n<p align=\"left\">falls aber die frage nicht in wissenschaftlich-biologischem sinn, sondern philosophisch auszulegen war: heute mache ich mir vorrangig keine gedanken \u00fcber m\u00f6gliche tendenzen der menschheitsentwicklung \u2013 weder positiv noch negativ. in meinen augen ist es wesentlich dringlicher, an l\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten aktueller fragestellungen zu arbeiten, kultur und sozialleben <i> heute schon <\/i> in einer art mitzugestalten, die ich auch in der prognose einer m\u00f6glichen zukunft lebenswert finde<\/p>\n<p align=\"left\">allerdings hatte ich mich vor \u00fcber 10 jahren an einem ausschreiben zum thema &#8222;frieden in der welt im jahr 2010&#8220; (oder so \u00e4hnlich) beteiligt. irgendein &#8218;friedenskalender&#8216; hatte dieses ding veranstaltet &#8211; ich glaube mich auch noch zu erinnern, dass irgendein kieler verlag daran beteiligt war. mein beitrag, meine pers\u00f6nliche &#8218;weltbildprognose&#8216;, fiel w\u00fctend und d\u00fcster aus; damit war im vorfeld gesichert, dass dieser text keine pr\u00e4mierung erfahren konnte. allerdings entsprach meine prognostizierte wirklichkeit in etwa der heutigen situation. bei gelegenheit werde ich den text heraussuchen &#8211; vorausgesetzt, ich finde davon noch verwertbare reste<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"right\"><strong>\u2013 2 \u2013<br \/>\nwenn es sowas wie &#8218;gott&#8216; gibt, und du k\u00f6nntest es einige tage sein, was w\u00fcrdest du machen?<\/strong><\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">selbstverst\u00e4ndlich gibt es &#8218;g\u00f6tter&#8216; &#8211; allerdings nur in der phantasie der menschen. sie sind die bildgewordenen gedankengespinste ertr\u00e4umter sicherheit, phantasmata der sehnsucht nach geborgenheit, erkl\u00e4rung, antwort &#8230; und nach macht<\/p>\n<p align=\"left\">angesichts der unz\u00e4hligen erfahrungen menschlicher zivilisationsgeschichte ist schwer nachvollziehbar, warum menschen (dennoch) immer wieder gottbilder zu &#8218;ben\u00f6tigen&#8216; scheinen, sie konservieren und neu erschaffen. nach meiner einsch\u00e4tzung f\u00fchren derartige konstruktionen weder zu aufkl\u00e4rung noch zu freiheit, sondern stets (und) logischerweise zu unfreiheit, zwang (selbstzwang eingeschlossen) und unterdr\u00fcckung<\/p>\n<p align=\"left\">in einem meiner chansons (&#8222;da du gehen musst&#8220;) singe ich &#8222;wenn ich die zeiten lenkte \u2013 sie lenken w\u00fcrd ich nicht&#8220;; nein, ich habe kein interesse an macht \u2013 vielmehr interesse an einer dekonstruktion von strukturen, die macht, unfreiheit und leid erzeugen<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"right\"><strong>\u2013 3 \u2013<br \/>\n<i>(zu 2)<\/i> w\u00fcrdest du die welt zerst\u00f6ren um eine neue zu erschaffen? oder nur zerst\u00f6ren? oder sie \u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">die von mir verwandte formulierung &#8218;dekonstruktion von macht&#8216; impliziert die zerst\u00f6rung von machtstrukturen \u2013 also ihren abbau, gegebenenfalls auch mit militanten mitteln. ich bin ein verfechter <b>gewaltfreier<\/b>  aktionsformen und bef\u00fcrworte durchaus (zum beispiel) das einreissen von gef\u00e4ngnismauern, falls eine direkte aktion dies n\u00f6tig machte. und sofern keine lebewesen dadurch gef\u00e4hrdet oder besch\u00e4digt w\u00fcrden<\/p>\n<p align=\"left\">sanfter formuliert: ich habe schon vielfach jagdhochsitze <a href=\"http:\/\/www.anti-jagd-kampagne.de\/\" target=\"_blank\">abges\u00e4gt<\/a> und die folgen juristisch durchstritten, da ich diskussion \u00fcber &#8218;zivilen ungehorsam&#8216;, &#8218;anarchie im alltag&#8216; und das positive bild einer anti-hierarchisch libert\u00e4ren lebensalternative aktiv bef\u00f6rdern will<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"right\"><strong>\u2013 4 \u2013<br \/>\nkann man menschen wie tiere halten?<\/strong><\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">als ich anfing politisch wacher zu werden und zum ersten mal bilder von gefangenen in konzentrationslagern sah, menschenleiberhaufen, fotos von erschossenen soldaten der weltkriege und sp\u00e4ter (ich glaube ende der siebziger jahre) von noch existenter sklavenhaltung im s\u00fcden nordamerikas erfuhr, habe ich einfach nicht verstehen k\u00f6nnen. habe ich mich geweigert zu verstehen<\/p>\n<p align=\"left\">w\u00e4hrend meiner ersten eigenst\u00e4ndigen auslandsreise, im alter von 16 jahren, mit einem freund durch frankreich trampend, wurden wir wiederholt als &#8222;boche&#8220; beschimpft \u2013 ich war verletzt, weil ich nicht begriff, warum wir junge menschen &#8230; der zweite weltkrieg war doch schliesslich nicht &#8218;unser&#8216; krieg gewesen, sondern der unserer eltern und grosseltern. in paris fand ich in einem antiquariat einen fotoband \u00fcber deutsche konzentrationslager \u2013 mit fotos, die schrecklicher waren als alles, was ich bis dahin gesehen hatte. mir fehlte der mut, das buch zu kaufen. aber ich glaubte zum ersten mal, etwas verstanden zu haben<\/p>\n<p align=\"left\">nein, niemand hat das recht, menschen zu &#8218;halten&#8216;. kein mensch, niemand. in einer gerechten welt kann es kein oben und unten geben, keine macht und keine abh\u00e4ngigkeit<\/p>\n<p align=\"left\">nach meinem empfinden hat auch kein mensch das recht, tiere zu &#8218;halten&#8216;, da ich die spezisitische trennung von &#8218;mensch versus tier&#8216; ablehne und bek\u00e4mpfe: kein oben, kein unten, keine abh\u00e4ngigkeit. aus diesem grunde begreife ich mich heute als aktiven teil der linken autonomen tierrechtsbewegung<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#404040\"><\/p>\n<p align=\"right\"><i>danke, z., deine fragen haben mich sehr zum nachdenken gebracht. du wirst nun verstehen, was ich damit meinte, als ich dir schrieb, ich br\u00e4uchte f\u00fcr die antworten doch <\/i> etwas <i> mehr zeit &#8230;<\/i><\/p>\n<p><\/font><br \/>\n <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>sie kamen per email und schienen mir beantwortenswerter als die in weblogs so beliebten &#8218;most urgent questions of the day&#8216; (sowas wie &#8222;wann hattest du zum letzten mal sex in der badewanne?&#8220; &#8230; g\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4hn &#8230; ) \u2013 1 \u2013 welche art mensch gibt es in 1000 jahren? immer noch den &#8218;homo sapiens&#8216;. f\u00fcr die ausbildung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-141","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=141"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/141\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=141"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=141"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=141"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}