{"id":222,"date":"2004-08-10T20:20:21","date_gmt":"2004-08-10T18:20:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=222"},"modified":"2005-08-20T02:30:57","modified_gmt":"2005-08-20T00:30:57","slug":"hirntod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=222","title":{"rendered":"[ hirntod ]"},"content":{"rendered":"<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"right\"><i>&#8211; oder &#8211; <\/i><b>[ wenn der kopf schon hin\u00fcber ist, der k\u00f6rper sich noch wehrt ]<\/b><\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">ist &#8222;schreibtod&#8220; ein angemessener begriff f\u00fcr jenen zustand der schreibblockade, der eintritt, wenn der wortgeb\u00e4rungszwang zu gross geworden ist? als wort f\u00fcr eine universale dimension des empfindens: dieses \u00fcberm\u00e4chtige schweigen. existentielle angst vor bleibender unfruchtbarkeit der sinne. die jedoch in aller regel endlich ist und nicht, wie im todesfalle, endg\u00fcltig. auch wenn immer noch wunder- und abergl\u00e4ubige \u2013 jeglicher evolution der rationalen vernunft zum trotz \u2013 bis heute behaupten, dass der tod gerade dies nicht sei. allerdings ist der einzig g\u00fcltige beweis stets und nur pers\u00f6nlich anzutreten. am ende, eben<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">der begriff &#8222;montagsdemonstrationen&#8220; kann schreibblockaden durchaus lockern. ersch\u00fcttern geradezu die reaktionen der aktuellen regierungsvertreter, von denen \u00e4usserungen vernehmbar werden, denen vor allem ihre pers\u00f6nliche betroffenheit zu entnehmen ist. doch: herzhaft b\u00f6ses lachen lockert ungemein<\/p>\n<p align=\"left\">aber was ist passiert?<\/p>\n<p align=\"left\">die staatstragenden parteien fast aller couleur m\u00fchten sich redlich, ein programm zum abbau letzter verbliebener reste von sozialstaatlichkeit zu entwickeln, damit es den armen endlich richtig scheisse gehe und den reichen \u2013 nicht. nun sind sie \u00fcberrascht, die um das wohl des staates bem\u00fchten \u2013 ja, geradezu emp\u00f6rt \u2013 \u00fcber reaktionen aus betroffenen teilen der bev\u00f6lkerung: die gehen n\u00e4mlich auf die strasse. und bezeichen diese aufz\u00fcge gemeinerweise als &#8222;montagsdemonstrationen&#8220; &#8230; was f\u00fcr eine respektlose frechheit. jaaaaa \u2013 fr\u00fcher, als montagsdemonstrationen noch gerechtfertigt waren, \u2013 damals und &#8222;dr\u00fcben&#8220; \u2013 ging es schliesslich gegen das regime, ging es um die freiheit &#8230;<\/p>\n<p align=\"left\">w\u00e4re es bei diesem <i>einen<\/i> aufschrei geblieben, w\u00e4re das lethargische hirn nach kurzem blinzeln, g\u00e4hnen und strecken wieder hinwegged\u00e4mmert. doch es folgte weitere unruhe: axel\u2013springer\u2013verlag und spiegel\u2013verlag treten gemeinsam gegen die neue deutsche rechtschreibung an. sie verk\u00fcnden, zur \u00abalten schreibweise\u00bb zur\u00fcckzukehren. was der gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der rechtschreibkommission, klaus heller, \u00abunmoralisch\u00bb findet. der vorsitzende der &#8222;zwischenstaatlichen kommission f\u00fcr deutsche rechtschreibung&#8220;, gerhard augst, warnt gar vor einer r\u00fccknahme der neuerungen. er h\u00e4lt es f\u00fcr \u00abunverantwortlich\u00bb, die rechtschreibreform noch zu kippen. im &#8222;deutschlandfunk&#8220; sagte er, er habe angesichts der diskussion den eindruck, dass es vielen nicht um die rechtschreibregeln gehe, sondern um einen allgemeinen reformunwillen. die meisten menschen w\u00fcssten gar nicht, was sich durch die reform \u00e4ndere<\/p>\n<p align=\"left\">aaah \u2013 ja. so haben wir ganz fix den weg zur\u00fcck zu den &#8222;montagsdemonstrationen&#8220; gefunden. denn das behaupten jene, die stets bem\u00fcht sind, ihren staat im sch\u00f6nsten glanz poliert erscheinen zu lassen, die &#8222;obersten staatswichser&#8220; also, auch: das gemeine &#8222;volk&#8220; ist zu bl\u00f6de. und zu frech<\/p>\n<p align=\"left\">ich war und bin ein gegner der aktuellen rechtschreibreform. einer meiner vielf\u00e4ltigen gr\u00fcnde ist der verlust von ursprungs- und entwicklungsbez\u00fcgen vieler worte oder redewendungen: ein erneuter, ein unverzeihlicher verlust von geschichte, von sprachlicher und kultureller identit\u00e4t<\/p>\n<p align=\"left\">der schulterschluss von &#8222;bildzeitung&#8220; und &#8222;spiegel&#8220; bedeutet keine hinwendung zu progressiver sprachlicher avantgarde. ganz im gegenteil: in krisenzeiten erbl\u00fcht die reaktion allerorten &#8211; auch auf diesem feld. \u00abaus verantwortung f\u00fcr die nachfolgenden generationen empfehlen wir auch anderen die beendigung der staatlich verordneten legasthenie und die r\u00fcckkehr zur klassischen deutschen rechtschreibung\u00bb, so der vorstandsvorsitzende der axel springer ag, mathias d\u00f6pfner und der chefredakteur des nachrichtenmagazins &#8222;der spiegel&#8220;, stefan aust<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"right\"><b><i>hirntod:  wenn der kopf schon hin\u00fcber ist, der k\u00f6rper aber das nicht merkt<\/i><\/b><\/p>\n<p><\/font><br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; oder &#8211; [ wenn der kopf schon hin\u00fcber ist, der k\u00f6rper sich noch wehrt ] ist &#8222;schreibtod&#8220; ein angemessener begriff f\u00fcr jenen zustand der schreibblockade, der eintritt, wenn der wortgeb\u00e4rungszwang zu gross geworden ist? als wort f\u00fcr eine universale dimension des empfindens: dieses \u00fcberm\u00e4chtige schweigen. existentielle angst vor bleibender unfruchtbarkeit der sinne. die jedoch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-222","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=222"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/222\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}