{"id":640,"date":"2006-10-18T00:10:31","date_gmt":"2006-10-17T22:10:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=640"},"modified":"2007-01-06T22:09:58","modified_gmt":"2007-01-06T21:09:58","slug":"peryton-verkauft-sich-nicht-oder-jenseits-von-wirtschaftlichkeit-ein-offener-brief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=640","title":{"rendered":"[ peryton verkauft sich nicht &#8211; oder: jenseits von wirtschaftlichkeit. ein offener brief ]"},"content":{"rendered":"<p><strong><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\nan das jobcenter heidelberg<br \/>\n&#8211; markt und integration &#8211;<br \/>\nspeyerer strasse 6<br \/>\n69115 heidelberg<\/p>\n<p><\/font><\/strong><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\n&#8211; per email &#8211;<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><strong><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\ndas kunstprojekt peryton &#8211; perspektiven einer  kunst<br \/>\njenseits von verwertungslogik und vermarktung. ein<br \/>\noffener brief<\/p>\n<p><\/font><\/strong><\/p>\n<p><em><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"right\">\nder abschluss meiner deutschlandweiten konzertreise<br \/>\nim oktober 2006 ist ein geeigneter zeitpunkt, die vom<br \/>\nderzeitigen geldgeber, dem &#8218;jobcenter heidelberg&#8216;, ge-<br \/>\nw\u00fcnschte wirtschaftlichkeitsprognose im rahmen einer<br \/>\nwertenden betrachtung der k\u00fcnstlerischen konzeption<br \/>\ndes projektes &#8218;peryton&#8216; vorzunehmen und daran an-<br \/>\nschliessend eine weitsichtige prognose zu wagen<\/p>\n<p><\/font><\/em><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\nin einem land, dessen bildungssystem \u00fcber jahrzehn-<br \/>\nte hinweg bem\u00fcht scheint, schreibunf\u00e4higkeit zur all-<br \/>\ngemeinen norm zu bef\u00f6rdern, einem land, in der die des<br \/>\nlesens (noch) bef\u00e4higten seit herbst 1989 mehrheitlich<br \/>\nden konsumentInnen der tageszeitung &#8218;bild&#8216; zugerech-<br \/>\nnet werden m\u00fcssen, kann bereits das \u00fcberaus positive<br \/>\necho der zahlenm\u00e4ssig kleinen bis famili\u00e4r zu nennen-<br \/>\nden zuh\u00f6rerInnenschaft als erfolg gewertet werden<\/p>\n<p align=\"left\">\nder versuch, unter dem titel &#8218;chanson und lyrik&#8216; lied-<br \/>\nund textbeitr\u00e4ge im wechsel zu pr\u00e4sentieren, die alle-<br \/>\nsamt an einem autonomen k\u00fcnstlerischen ideal aus-<br \/>\ngerichtet sind, nicht am kunsthandwerklichen massen-<br \/>\nschnitt eines mainstreams, hat gegriffen, hat die zu-<br \/>\nh\u00f6rerInnenschaft <em>er<\/em>griffen. angesichts der inhalts-<br \/>\n&#8217;schwere&#8216; der lyrischen form sowie der den meisten<br \/>\nungewohnten musikalischen form war dies die best\u00e4-<br \/>\ntigung der k\u00fcnstlerischen konzeption sowie ihrer um-<br \/>\nsetzung auf der b\u00fchne und l\u00e4sst die prognose zu, da-<br \/>\nmit auch zuk\u00fcnftig erfolgreich zu sein, was heisst: ge-<br \/>\nsucht, verstanden und positiv aufgenommen zu wer-<br \/>\nden<\/p>\n<p align=\"left\">\nvom standpunkt einer gewinn-verlust-rechnung aus<br \/>\nbetrachtet war die konzertreise ein desaster. mit der<br \/>\nabsage des abschlusskonzerts aufgrund technischer<br \/>\nprobleme auf seiten der veranstalterInnen konnten<br \/>\ndie gesamteinnahmen gerade einmal die reisekosten<br \/>\nausgleichen, wobei die vorauslagungen f\u00fcr werbung<br \/>\nund organisation nicht ber\u00fccksichtigt sind. w\u00e4re der<br \/>\nbegleitende musiker nicht mit einem minimalen obu-<br \/>\nlus zufrieden gewesen &#8230;<\/p>\n<p align=\"left\">\ndennoch<\/p>\n<p align=\"left\">\ndieses land ist derzeit beteiligt an kriegen unterschied-<br \/>\nlichster fronten. es ist in der lage, ohne scham und oh-<br \/>\nne nennenswerte oppositionelle kritik soldaten loszu-<br \/>\nschicken, ohne frage nach dem unausbleiblichen ge-<br \/>\nsellschaftlichen wertewandel hin zu allgemeiner akzep-<br \/>\ntanz von gewalt und &#8211; selbstverst\u00e4ndlich &#8211; ohne eine<br \/>\nfrage nach der wirtschaftlichkeit destruktiver milit\u00e4r-<br \/>\npolitik und der ihr eigenen marschmusikkultur. dieses<br \/>\nfaktum ist den uniformk\u00f6pfen bekannt und &#8211; sage ich &#8211;<br \/>\num von den inneren problemen abzulenken, nicht jenen<br \/>\nnur bequem: in deutschland bleibt kein hochgeriss&#8217;ner<br \/>\nrechter arm ohne verheerende folgen<\/p>\n<p align=\"left\">\nhistorisch wie menschlich gesehen gibt es akuten be-<br \/>\ndarf an konstruktiver kritik, an einer kultur der kritik, al-<br \/>\nso einen dringenden bedarf an kritischer kunst jenseits<br \/>\nvon vermarktungsinteressen und wirtschaftlichkeit, jen-<br \/>\nseits aller anspr\u00fcche alltagsgew\u00f6hnlicher happyness-<br \/>\nevents und vor allem jenseits politischer gef\u00e4lligkeit:<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><br \/>\neine kunst, die nicht politisch ist, ist keine kunst<br \/>\n&#8211; sie ist blosse dekoration, ist kunsthandwerk<\/strong><\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\nund daraus folgt:<\/p>\n<p><strong><\/p>\n<p align=\"left\">\nperyton ist und bleibt politisch, bleibt bitter, bleibt<br \/>\ns\u00fcss, bleibt allseitig quer und bleibt gerade, bleibt<br \/>\nunmodern lyrisch und lyrisch brandaktuell. peryton<br \/>\nwird seinen beitrag zur kritischen kultur weiterhin<br \/>\nleisten, selbst wenn die lack und leder tragende<br \/>\nbezahlkunst stets den finanziellen erfolg im schun-<br \/>\nkeln des politisch opportunen abgreifen wird<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">\nperyton ist auf dem richtigen weg &#8211; und bedankt sich<br \/>\nbei seinem ihm so herzlich gewogenen publikum f\u00fcr<br \/>\ndie vielen unvergesslichen momente, begegnungen<br \/>\nund erfahrungen an den verschiedenen spielorten<br \/>\ndeutschlands<\/p>\n<p><\/font><br \/>\n<\/p>\n<p><strong><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"center\">\n<a href=\"http:\/\/www.peryton.de\/dann_werde_ich_singen.html\" target=\"_blank\">dann werde ich singen (on a fait le compte)<\/a><\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><\/strong><strong><font color=\"#000080\"><\/p>\n<p align=\"center\">\nwenn die nachbarskinder mit den flammen<br \/>\nspielen unter euern d\u00e4chern, so wie wir damals<br \/>\nz\u00fcndelten unter luftschutzd\u00e4chern, unter rohem<br \/>\nholz im wald, in ruinenkellern, aber ohne arg<\/p>\n<p align=\"center\">\nwenn sie gebrandmarkt haben, also<br \/>\nwas euch wichtig schien<\/p>\n<p align=\"center\">\nwenn sie den m\u00fcttern gesagt haben, dass ihre<br \/>\nmilch bitter schmeckte, niemals besser als die<br \/>\nschl\u00e4ge ihrer abendv\u00e4ter, wenn sie die schulen<br \/>\nbesuchen, um fenster einzuwerfen mit b\u00fcchern<br \/>\nin sprachen, die zu verstehen niemand sie<br \/>\nlehren wollte, wenn sie ausgespien haben<br \/>\nihren zorn und fortgegangen sind, endlich<br \/>\nohne traurigkeit<\/p>\n<p align=\"center\">\ndann<\/p>\n<p align=\"center\">\nwerde ich meine lieder dazu singen, meine<br \/>\nbrennenden lieder von der liebe und davon<br \/>\ndass der warnungen genug gewesen sind<\/p>\n<p align=\"center\">\nseht ihr? seht ihr?<br \/>\non a fait le compte<\/p>\n<p><\/font><\/strong><br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>an das jobcenter heidelberg &#8211; 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