{"id":796,"date":"2007-04-20T00:10:39","date_gmt":"2007-04-19T22:10:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=796"},"modified":"2007-04-22T14:24:41","modified_gmt":"2007-04-22T12:24:41","slug":"freispruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=796","title":{"rendered":"[ freispruch! ]"},"content":{"rendered":"<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\nes war ein prozess, der ungew\u00f6hnlich endete: mit einem<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=510\" target=\"_blank\">freispruch<\/a>. in seiner m\u00fcndlichen urteilsbegr\u00fcndung w\u00fcrdig-<br \/>\nte amtsrichter wolf mein verhalten als &#8222;lobenswert&#8220;, meine<br \/>\nmotive als &#8222;nachvollziehbar&#8220; und &#8222;glaubw\u00fcrdig&#8220; &#8211; hingegen<br \/>\ndie aussagen der gegen mich als zeugen aufgetretenen po-<br \/>\nlizisten als &#8222;widerspr\u00fcchlich&#8220; und &#8222;zweifelhaft&#8220;. gleichwohl<br \/>\nbewertete er den einsatz der polizisten als gerechtfertigt<br \/>\nund meine bef\u00fcrchtung eines gewaltt\u00e4tigen \u00fcbergriffs (der<br \/>\nim prozess allerdings un\u00fcberh\u00f6rbar best\u00e4tigt wurde) als<br \/>\nfehleinsch\u00e4tzung. er folgt meiner darstellung, eine verleum-<br \/>\ndung der polizisten habe nicht stattgefunden: &#8222;die aus-<br \/>\nsage, dass &#8218;die polizei schnell mal zuschlage&#8216; ist nicht zur<br \/>\nverleumdung einzelner personen geeignet, weil sie einen<br \/>\nviel zu grossen kreis umschreibt&#8220;<\/p>\n<p align=\"left\">\n&#8222;in dubio pro reo&#8220; begr\u00fcndete der richter abschliessend<br \/>\nseine entscheidung &#8211; und machte damit sein urteil gegen-<br \/>\n\u00fcber der staatsanwaltschaft nahezu unanfechtbar<\/p>\n<p align=\"left\">\nam ende hatten wir alles auf eine karte gesetzt. die zwei<br \/>\npolizisten hatten in der zeugenvernehmung ein j\u00e4mmer-<br \/>\nliches bild abgegeben, der vorwurf der verleumdung (&#8222;die<br \/>\nheidelberger polizei ist bekannt daf\u00fcr, dass sie gern zu-<br \/>\nschl\u00e4gt&#8220;) schien also vom tisch, aber es war unklar, wie<br \/>\nder richter meine \u00e4usserung &#8222;mir ist bekannt, dass die<br \/>\npolizei in solchen situationen gern mal zuschl\u00e4gt&#8220; bewer-<br \/>\nten w\u00fcrde; es blieb nur der weg nach vorn<\/p>\n<p align=\"left\">\ndas filmreife pl\u00e4doyer meines verteidigers<strong>\u00b0<\/strong> rief noch einmal<br \/>\ndie widerspr\u00fcche in den aussagen der polizeizeugen in er-<br \/>\ninnerung, beschrieb, wie eine bedr\u00e4ngungsituation erst<br \/>\ndurch das erscheinen der polizeikr\u00e4fte entstanden war und<br \/>\nwie sie eskalierte, schlug den bogen zur allt\u00e4glichkeit ge-<br \/>\nwaltt\u00e4tiger polizeilicher \u00fcbergriffe &#8211; insbesondere gegen<br \/>\nmitglieder sogenannter gesellschaftlicher randgruppen &#8211;<br \/>\nund leitete daraus eine rechtfertigung f\u00fcr mein handeln ab<\/p>\n<p align=\"left\">\nin meiner abschliessenden stellungnahme stellte ich die<br \/>\nnormalit\u00e4t allt\u00e4glicher polizei\u00fcbergriffe gegen die notwen-<br \/>\ndigkeit, hinzuschauen, einzugreifen, alltagsgewalt zu ver-<br \/>\nhindern &#8211; auch, um konsequenzen aus der deutschen ge-<br \/>\nschichte zu ziehen. ich beschrieb die notwendigkeit der<br \/>\nkontrolle staatlichen handelns, setzte soziales engagement<br \/>\nund zivilcourage gegen die versuche der einsch\u00fcchterung<br \/>\nund beharrte darauf, in vergleichbaren situationen erneut<br \/>\neinzugreifen, um meinen lebensidealen eines gewaltlosen<br \/>\nmiteinanders zu folgen: &#8222;ich lasse mich f\u00fcr das ideal von<br \/>\ngewaltlosigkeit nicht verurteilen&#8220;<\/p>\n<p align=\"right\">\n<em><strong>\u00b0<\/strong> <a href=\"mailto:ra.heiming@gmx.de\">martin heiming<\/a> (heidelberg)<\/em><\/p>\n<p><\/font><br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>es war ein prozess, der ungew\u00f6hnlich endete: mit einem freispruch. in seiner m\u00fcndlichen urteilsbegr\u00fcndung w\u00fcrdig- te amtsrichter wolf mein verhalten als &#8222;lobenswert&#8220;, meine motive als &#8222;nachvollziehbar&#8220; 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