{"id":83,"date":"2005-03-30T20:44:44","date_gmt":"2005-03-30T18:44:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=83"},"modified":"2009-08-13T20:37:16","modified_gmt":"2009-08-13T18:37:16","slug":"valparaiso","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/?p=83","title":{"rendered":"[ valparaiso ]"},"content":{"rendered":"<p><font color=\"#000010\"><\/p>\n<p align=\"left\">\nwo bist du, was machst du, was l\u00e4hmt, was liegt, was<br \/>\ngilt, was h\u00e4lt, was qu\u00e4lt sich und was treibt dich um?<br \/>\ndie fragen wiegen schwerer, da du schweigst, seit ta-<br \/>\ngen schweigst und zeigst nicht, schweigst dich stumm<\/p>\n<p align=\"left\">\nlass mich dir vom traum dieser nacht berichten, schweig-<br \/>\nsame, als das kanonenboot zeigte auf unseren garten an<br \/>\nden h\u00e4ngen, hoch \u00fcber dem meer, hoch \u00fcber dem hafen<br \/>\ndieser stadt, wo die sonne ohne unterlass scheint f\u00fcr alle<br \/>\nund f\u00fcr die armen mehr, sie scheint also f\u00fcr uns, sie scheint<br \/>\nauf valparaiso, wo die menschen \u00fcber treppen zueinander<br \/>\nsteigen, die gepflastert sind mit den r\u00fccken farbiger mu-<br \/>\nscheln, lebendig singend unter den sohlen, wie orgeln aus<br \/>\nviktorianischer zeit, die in der hitze des sonntags durch die<br \/>\nschmalschattigen gassen obsz\u00f6ne chor\u00e4le r\u00f6hren, wie an-<br \/>\ngetrunken &#8211; me caga la puta! angetrunken schon im<br \/>\nmittagslicht! &#8211; trotz des kanonenauges haben wir gelacht<br \/>\nuns zugelacht, z\u00e4hnezeigend, helles z\u00fcngeln zwischen<br \/>\nflaumigen lippen, gl\u00e4nzend wie von imperialer zahnpasta<br \/>\ngemacht, die hier verwendung findet, um das silber rein<br \/>\nzu halten vom teer der zeit, jener, die im hafen lauert<br \/>\njener, die am tage ruht, die nachts die aufz\u00fcge herauf-<br \/>\nknarrt, unabweisbar wie der geruch des tangs, die durch<br \/>\nmauerfugen kriecht, wie der beissende rauch von wein-<br \/>\nstockst\u00fcmpfen: trunken machendes leben, im sterben<br \/>\ngift f\u00fcr alle, die durchflossen &#8211; so lachten wir auf unserem<br \/>\nst\u00fcck garten \u00fcber dem meer, hoch \u00fcber dem hafen von<br \/>\nvalparaiso<\/p>\n<p align=\"left\">\nich wusste deinen namen nicht, vergessen war er, doch<br \/>\nso sicher war, dass dieses lachen dir geh\u00f6rte, da ich dei-<br \/>\nnen geruch kenne, von zitronen und pfeffer, so gut kenne<br \/>\nich ihn, aufgesogen in tausend n\u00e4chten der liebe, an tau-<br \/>\nsend tagen des schmerzes, aufgesogen, fortgek\u00fcsst im<br \/>\nschweiss auf deiner stirn, wenn tr\u00e4ume dich rufen liessen<br \/>\nnach mir, dass dein ruf mir folgte, schneller als mein blut<br \/>\nmein herz erreichte, immer, auch an den entferntesten<br \/>\npolen und mich weckte; immer war ich im allern\u00e4chsten<br \/>\naugenblick bei dir, ich k\u00fcsste deine augen bis sie ruhiger<br \/>\nwanderten, k\u00fcsste die nelken auf deiner brust, bis dein<br \/>\natem zur\u00fcckfloss wie das meer bei flut, dass du zur\u00fcck-<br \/>\nkamst zu mir, jedes mal, m\u00fcde und nackt lagst du, hin-<br \/>\ngesp\u00fclt vom traum, verwirbelt, verwirrt, verlassen, liegen-<br \/>\ngelassen, hingegeben, wie die welle den sand verl\u00e4sst<br \/>\nbei ebbe nicht ohne ein geschenk &#8211; so hast du dagelegen<br \/>\nviele male; von daher kenne ich deinen geruch<\/p>\n<p align=\"left\">\nund so lachten wir unser lachen von frischen kartoffeln<br \/>\nund tomaten \u00fcber den hafen von valparaiso hinweg, an-<br \/>\ngesichtig eines kanonenbootes, das eine welt bedrohen<br \/>\nkann, aber nicht die unsere, nicht die geckos auf den<br \/>\nfenstersteinen, nicht unsere liebe im traum, nicht dein<br \/>\nlachen und nicht meines, und als ich dich in den schatten<br \/>\nziehen wollte &#8211; puta madre! &#8211; angeschwollen von lust, wie<br \/>\nes am sonntag \u00fcblich ist, bist du entschwunden, entglitten<br \/>\nin fremde schatten, einen traum vielleicht, zerflossen wie<br \/>\neine fatamorgana des nichts, wie zucker im kaffee: fort<br \/>\nund nicht fort &#8211; hast mich sitzengelassen, elegant und<br \/>\nverschwitzt wie ich war, ein echter macho, ein gaucho<br \/>\nheiss wie ein stier oder ehrlicher gesagt: wie eine schild-<br \/>\nkr\u00f6te im angesicht ihres endes, zwischen z\u00e4hnenbespick-<br \/>\nten kiefern eines hungrigen katers, entschlossen zu \u00fcber-<br \/>\ndauern, dort, zwischen \u00f6ligen f\u00e4ssern, dort, zwischen<br \/>\nkisten und ballen, dort, zwischen stein und schuppen und<br \/>\nsalz, dort, im hafen von valparaiso<\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p><font color=\"#404040\"><\/p>\n<p align=\"right\"><i><br \/>\nf\u00fcr pablo, f\u00fcr julia, f\u00fcr katja und<br \/>\nf\u00fcr co, die liebe meiner tr\u00e4ume &#8211;<br \/>\nder tr\u00e4ume und der liebe wegen<\/i><\/p>\n<p><\/font><br \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>wo bist du, was machst du, was l\u00e4hmt, was liegt, was gilt, was h\u00e4lt, was qu\u00e4lt sich und was treibt dich um? die fragen wiegen schwerer, da du schweigst, seit ta- gen schweigst und zeigst nicht, schweigst dich stumm lass mich dir vom traum dieser nacht berichten, schweig- same, als das kanonenboot zeigte auf unseren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-83","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=83"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11089,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/83\/revisions\/11089"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=83"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=83"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.peryton.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=83"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}