ich lache nicht gern, sagt sie
– zögern – es ist anstrengend
und sie lacht dabei ein wenig
ich lache nicht gern, sagt sie
– zögern – es ist anstrengend
und sie lacht dabei ein wenig
als ihre freundin, gegenüber, anfängt sich zu ereifern
über den unsinn einer schulaufgabe, sich heiss redet
im gefühl der machtlosigkeit, gegen alle disziplin rot
wird im gesicht, zu schreien anhebt, letztlich, da hat
sie zu lachen begonnen und hat ihre hände vor’s ge-
sicht gehoben, die wangen haltend, erschüttert von
einem krampfhaften beben. sie beruhigt sich erst all-
mählich, nachdem ich sie in meine arme genommen
habe, mit leisen worten tröstend, ihr gesicht in der
kuhle meines halses geborgen
du erwartest antworten auf deine sms, nicht wahr?
das liegt mir nicht; ich schweige. vielleicht ist das
eine frage der generationen, dass mir die stifte nä-
her liegen, die linien ziehen, wasseradern gleich ü-
ber das papier, flusslandschaft meiner gedanken. o-
der eine tastatur, tribut an deine laute zeit
du wartest und ich schweige … gern. träumend (so-
fern du das noch wissen willst) schweigend, wan-
dernd in den tälern
eine email-nachricht an mich, bericht von der ver-
suchten gewaltfreien blockade des castortransports
„So war das im Wald bei Schwetzingen. Wir wollten auf
die Fußgängerbrücke und waren drauf. von zwei Seiten
kamen wir, die Polizisten waren überrascht. Und sie
waren aggressiv. Aus einer Personalienkontrolle wur-
den 6 Ingewahrsamnahmen. Und eine Anzeige wegen
passiven Widerstands (ich finde das nicht im StGb es
wird also irgendein Spaß werden. Die Anzeige geht ge-
gen mich. Ich soll mich am Brückengeländer festgehal-
ten haben. Es wird lustig werden. Meine Schulter ist ge-
zerrt, weil ich mich hinsetzte und sie mich mit Gewalt
die Treppe runter brachten. Dann wurden wir nach
Mannheim gefahren und für eine Stunde in die Zellen
geschickt. Harte Holzbänke. Jetzt zu Hause, müde. K.
berichtete, habe jemand aus Dannenberg angerufen.
Vielleicht Du, vielleicht H. In jedem Fall Euch alles
Gute im Norden.
Hundemüdetraurigglücklich.
H.“
ergänzender link: ein nachtrag von vielen möglichen
für alle, die sich wundern, dass ich schon wieder keine
zeit zu finden scheine, auf emails zu antworten: ich bin
eingeladen, an den „9. liedertagen in boltenhagen“ teil-
zunehmen. titel: „poeten, proletarier, punks und pubs“
(veranstalter: liederleute e.v.)
der anblick des meeres lässt mich kalt. ein kanon wird
gesungen, zwei stimmen, der raum ist überheizt, mei-
ne gedanken tasten sich durch die strassen von l. gelbe
sonne fällt schräg über den augustusplatz, in meinen
lungen brennt der kohleatem dieser stadt eisig, in al-
lem bist du nah. und fern. graublau ist das meer, ohne
horizont. deprimierend
„Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat
einen weiteren Transport von 12 Behältern mit
HAW-Glaskokillen von der Cogema in La Hague
nach Gorleben genehmigt. Der Transport ist
vom 10. – 13. Nov. 2006 geplant“
quelle: www.widersetzen.de
aktuelle informationen über den verlauf / die reiseroute des
transportes, widerstandsaktionen, etc. findet ihr auch über
den castor-ticker
dann treffen wir uns also unterwegs oder dort, im wendland
ja?
das master der neuen cd ist fertig. ein verlag in bayern
erklärt sich bereit, die platte in sein programm zu neh-
men – unter einer bedingung: peryton soll mitglied der
gema werden
das hätte möglicherweise finanziell positive folgen für
mich, mit sicherheit aber negative folgen für meine ver-
ehrten ‚konsumentInnen‘: das freie kopieren und even-
tuell sogar das freie zur verfügung stellen von songs auf
meiner eigenen seite wäre (der unbegrenzte kostenlose
download für den privaten genuss) nicht mehr möglich
(aber ich suche nach alternativen)
aber meiner einschätzung nach wird die gema-debatte
in aller regel nicht in der form geführt, in der sie geführt
werden müsste: als eine politische. eine debatte über die
freie verfügbarkeit geistigen eigentums. dafür steht die
gema sicher nicht. auch nicht für die beförderung auto-
nomer (und) alternativer (und) kritischer kunst
nun seid ihr gefragt, meine kritischen konsumentInnen:
was tun?!?
ich bitte euch also um eure kommentare, tipps, ratschlä-
ge, meinungen. und zwar schnell!!!
einen halben tag später sassen sie noch immer
dort, am rande der wellen einer sanften bran-
dung und frühstückten, schienen die zeit ver-
gessen zu haben und die eiligere welt um sie
könnten sie ein foto von uns machen?, hatten
sie gefragt, als ich mit m. ans ufer gekommen
war, um diesen besonderen platz zu zeigen:
hier, schau einmal, früher …
so erfuhr ich ihre namen und so kamen wir in
ein gespräch und so freute ich mich an ihrer
ungewöhnlichen beharrung, ihrem genuss, an
ihrer jugendlichen schamlosigkeit, das lust-
volle in tiefen zügen gemeinsam zu geniessen
und – was alles mehrt – einander mitzuteilen
foto: frühstück am see
friedrichshafen, 09. oktober 2006
angelegentlich der tatsache, dass beide töchter
krank geworden sind im laufe ihres heranwach-
sens, dass um ihr leben zu fürchten alltag wurde
und um ihren verstand, angelegentlich der tatsa-
che, dass noch immer gerungen werden muss um
ein geringstes mass an normalität, möchte ich ih-
nen die frage stellen, frau xx, ob die frage nach
den ihnen bekanntermassen kenntlichen gründen
für diese speziellen formen der lebensuntüchtig-
keit jemals an sie gestellt wurde
und weiter: wie würde ihre antwort gelautet ha-
ben?
angelegentlich der situation, dass sie nicht mehr
davon laufen können, herr xx, würde ich sie ger-
ne fragen, wie es sich anfühlt, nicht mehr davon-
laufen zu können. wenn die fragen vor ihnen ste-
hen, hungernd, hand in hand, wenn die fragen-
den ihnen die augenlieder aufziehen und sagen:
schau. schau genau hin. wir können sehen, jetzt;
wir können reden, jetzt. wir können zur sprache
bringen, was geschehen ist
angesichts dieser situation, herr xx, würde ich
gerne von ihnen erfahren, ob sie noch ein wenig
appetit verspüren
nachtrag (07.11.2006): [ angelegentlich. die mutter ]
und wie gehts dir sonst? (im hörer schweigt die stille kalt)
njaaa. ich weiss nicht. gut. nein. ich will nicht lügen, sagt
sie, zögert. ich will nicht lügen. (die stille. zum sterben still)
das wort heisst abschied, denke ich. mein herz schweigt
sechshundert kilometer weiter steige ich ins
bad, tauche zentimeter um zentimeter tiefer
in die heisse flut, öl treibt duftend um das mü-
de schiff, leckgeschlagen am vulkan, wo die
haare frisch rasiert sind, spriessen rote punk-
te, luftblasen perlen auf, dann bin ich einge-
sunken. angekommen, denke ich, müde wer-
den
da ist ein wunsch, den ich
nicht verstehe: ihr gegen-
über zu sitzen, während sie
von sich erzählt. wir kennen
uns nicht. wir kennen uns
nur über die worte, lesend
ich muss ihr das schreiben
die böe ist warm, wie sommerabendwind, drei
sterne, himmel schwarz, den mond ha’m sie
geklaut (ach nein, wir sind im osten: abgebaut)
die zigarettenspitze ist ein komet im tiefflug
und bleibt schweben über ihren knien. ich bin
geliebt
dass die sonne schien, als ob ein wenig sommer
vergessen worden wäre, dort, liess uns übermü-
tig werden und ins wasser laufen, als ob es sei:
sommer. wir schrien und wir lachten, der wind
roch bereits ein wenig nach schnee, er machte
gänsepickel auf der haut; aber wir taten, als ob
alles genau so sein müsste
der in eine jener orange-farbenen uniformen ein-
gepackte ich-bin-ein-wichtiger-umweltsauberhal-
ter-fuzzi kam vermutlich nur zu uns herüber, um
nackte brüste zu sehen. dass sich das bei mir
nicht lohnt, merkte er schnell und auch, dass es
nicht allzu erquicklich ist, mich anzumeckern
aber es ist diese gegend: der erste anschein
lässt glauben, dass alles genau so sein muss
foto: mischa-minolta
friedrichshafen, 09. oktober 2006
nein, für mich bist du nicht krank. du bist kein krankheits-
bild. sind nicht wichtigsten fragen, wohin dich dein weg
geführt hat? was du erlebt hast, unterwegs, erlitten? ob
wir noch platz finden, füreinander? oder nein, das ist nicht
wichtig, letzten endes nicht. ich bin aufgewacht mit dem
gefühl, dass mir deine fragen, deine zweifel, die wichtig-
sten geblieben sind, neben meinen eigenen. (wo bist du?)
mein nacken schmerzt im
schlaf. lärm ist meine stille
du, ich bin müde geworden
über’s suchen alt. komm, lass
uns ein wenig ausruhen
magst du anhalten, für einen
moment, zurückschauen, wo
ich geblieben bin?
und könntest du – bitte – einen
zweiten moment lang auf mich
warten?
selbst wenn unsere wege die
gleichen wären – die berge
sind unterschiedlich hoch
im fensterspiegel lässt sich der anblick dieser stadt er-
tragen. der anschein des maroden hat etwas hoffnungs-
volles. wie das gewürz, das einer suppe den brechreiz
des billigen nimmt, sofern du dich betrügen lässt; du
kennst inzwischen ihre tricks, du grüsst, du lächelst artig
foto: neubau
friedrichshafen, 01. august 2006