fangt mich ein
haltet fest meinen blick
: jetzt
unterwegs in berlin
im focus der kamera
suchen, vergessen, weitergehn
das eine oder andere
wird sicher
gelingen
berlin, 02. november 2004
– oder – [ die legende vom glück ohne ende ]°
betört von ‚paul und paula‘, vom roten wein und
dem zuckerrohrschnaps danach. sehnsucht nach …
taumelnde gedanken. das war so nicht vorgese-
hen: plagende sehnsucht. der tag begann wie er
endete. mit fragen. ich muss doch erst …
… vergessen?
° „die legende von paul und paula“
regie: heiner carow. ddr (1973)
nein, ich werde dich nicht zurückhalten – sorg dich nicht
sterbengehen ist das letzte bild; falls es gelang: kein
himmel, keine hölle, keine farben. du bestimmst
deine gefährten. ‚wir brauchen dich‘ zählt nicht mehr
traurig werd ich sein. von dir singen, vielleicht. vielleicht
verstehn. vielleicht vergessen. bleiben, getragen von
meiner hoffnung, ohne deinen grossen mut
nicht darauf mein wort: nein, ich verspreche
nichts, weil ich nicht wissen kann
nimm
spiel mit der alten lust wie mit der jungen
steig rippe auf um rippe, mit deinem heissen
atem, turm und türmer nehmend, im vorüberwehn
schlag takt mit meinem eignen herzen, singend
so meine augen noch verschlossen
sind von schlaf
der traum vergisst sich, wenn er
zersprochen, schrickt
frage nicht. frage nicht
sofern ich deinen wunsch
erspüren kann in meinem
solange gilt uns keine regel
foto: am cospudener see
leipzig, 28. oktober 2004
was heute steppe, war einst wald
nichts, das zu bedauern wäre
ausser: ein schmerz ist geblieben
eine unruhe. eine stete suche nach
dem steinigen grund des sees
spätherbstsonne. über dem fernen horizont
leuchten schneebedeckte gipfel
stein ohne grab: deine einsamkeit
manchmal bringe ich verdorrte blüten
manchmal eine erinnerung
manchmal eine melodie
voll sehnsucht
manchmal, sogar, vergesse ich
… und das: ein gruss an u. und die gespenster
– oder – [ leergutrückgabe ]
magdeburg, sonntagnacht; nein, eher
montagmorgen. hatte total vergessen, dass
ich diese email geschrieben hatte – eben
erreichte mich eine antwort: ach, verdammt
>—– Original Message Follows —–
>
> [ … ] so scheinen meine chansons doch irgendwann
> (bei wenigen) anzukommen
>
> tut gut vorallem nach so einem abend. gestern in
> tangermünde ein grandioses konzert. heute abend
> (im raum hinter mir) ein ganz schreckliches: so viele
> bierflaschen sind noch nie umgekippt worden; das
> klang eher nach leergutrückgabestelle
>
> peryton deprimiert. mit kopfweh. stimme will nicht
> mehr. und „abschied“ hab ich auch nicht gespielt
> – wozu, wenn das publikum sooo trollig ist? aaargh
>
> hoffentlich verpissen sich die leut bald, damit ich
> mich auf dem sofa zusammenrollen kann …
wer nun erwartet hat, ich würde hier a l l e s schrei-
ben, täuscht in erster linie sich selbst. um die täu-
schung der anderen bemühe an dieser stelle i c h
mich. redlich
auf den sofas blieben halbtote kids liegen und so-
mit übrig. warum mussten die ausgerechnet zu
m e i n e m konzert kommen? geht zusaufen nicht
auch irgendwo anders, bei weniger lärm? versteh ich
nicht. jedenfalls schlief ich im büro hinterm schreib-
tisch. vielen dank
wir sind vor uns geflohen, seit wir uns das erste
mal trafen. aus guten gründen. gestern abend
auf besuch beim freund, ist er noch nicht zu-
hause; verheerender zufall. ein arztroman würde
schliessen mit glücklichen turbulenzen: happy end
dem peryton gemäss müsste meine geschichte
etwa so weitertreiben: staatsschutztrottel
stürmen lärmend die gute stube, dem freunde
auf dem fusse folgend. sie blieben fern; vertane
chance und in meinem leben eine episode weniger
ich bin verwirrt. (quoi faire?)
foto: morgenfenster
heidelberg, 25. oktober 2004
eine herbstmorgensonne schien, zwang mich
erneut zum umweg: darmstadt. mathildenhö-
he. hochzeitsturm und platanenhain. mit fie-
ber und kamera und schwindel beim mauer-
balancieren. mit gegenlicht. mit starrblickenden
café-besucherInnen und in-der-herbstsonne-
sitzenden am luisenplatz: auf meine blossen
füsse und die kamera. fassungslosen blicken
zufolge passt so etwas nicht zusammen; nicht
in deren leben
foto: normale leute (I)
darmstadt, luisenplatz, 21. oktober 2004
To: info@peryton.de
Date: Sun, 17 Oct 2004 21:15:32
Subject: nachricht an peryton!
From: xxxx@gmx.de (grässi)
Reply-to: xxxx@gmx.de (grässi)
das ganze carpe diem team will sich an dieser Stelle für das Engagement von Georg für unseren Kulturclub und damit auch für unseren Verein „homegrown e.V.“ bedanken. Und nebenbei: loggt euch doch bei homegrownzone ein, es wird euch gefallen. nochmals danke…
was grässi und seine crew noch nicht wissen können
– wir haben in magdeburg bereits geprobt, für unsre
dezemberauftritte in magdeburg und tangermünde:
peryton goes rock
ja
sms. 03:15 uhr
„hey du – so schön, von dir zu hören! bin in magdeburg, hatte
hier 2 konzerte + bette mich gleich auf ein provisorisches
lager aus sofakissen zwischen wandregal + schreibtisch. alles
etwas wild, wie immer. aber gut. trotz beidseitigen stresses
mag ich dich mal wieder sehn; nur von dir zu singen reicht
doch nicht. gute nacht“
meine verblüffung, ein herzliches
‚dankeschön‘ und drei fazits
es gibt konzerte, die in erinnerung bleiben – das gestrige im carpe diem (tangermünde) wird sicher eines davon sein. meine anfangsmotivation hielt sich im keller: ich wusste nur, dass ich irgendwo am arsch der welt in einem unbekannten kleinen club spielen sollte (solo, weil ‚mein‘ gitarrist ausgefallen war), während ein fünf-sterne-koch einem ausgewählten publikum extravagante menues reichte. welch schreckliche vorstellung. peryton als hintergrundmukker. verdauungsmusik
aber es kam sehr anders: als ich nachmittags in magdeburg ankam warteten reiner trautmann (saxophon) und martin ‚malte‘ pelzer (bass) von der magdeburger ‚falkenband‘ bereits ungeduldig, um mit mir zu proben – sie wollten nämlich mitspielen
zwei stunden und vier gemeinsam durchprobte chansons später packten wir einen unglaublichen berg an pa-technik zusammen und fuhren quer durch die sachsen-anhaltinische pampa gen tangermünde. dann das konzert: es wurden drei grandiose stunden. bei „mein vater war ein nazi“ tumultige begeisterung … das hatte ich so nicht erwartet. mein kratzbückelndes kompliment an das beste publikum tangermündes und an dich, sven „grässi“ grasmann (carpe diem-organisator und ‚peryton-fan‘)
fazit I
wir spielen dort wieder, natürlich in der gleichen besetzung, zwischen weihnachten und silvester. der termin wird natürlich noch genauer und rechtzeitig angekündigt
in den pausen wurde speziell für mich ein veganes essen kredenzt: der vollschmaus für augen und maul. total verrückt. in der zweiten pause das hauptgericht: einfach verrückt. da die kochfraktion nicht nur kochen, sondern etwas von der musik mitbekommen sollte und wollte, spielte ich einen dritten konzertteil, speziell der küche gewidmet – als dank an das team mike dierlinger (koch), carolin schmidt & christian müller (assistenz)
fazit II
sofern wir mal eine cd-release-party veranstalten werden mike dierlinger & sein team für uns vegane leckereien herstellen. versprochen
fazit III
eine empfehlung: geht hin. dieser laden lohnt der näheren betrachtung. inmitten des deutschen sumpfs eine insel der kultur:
carpe diem (tangermünde)
es ist nicht zu sehen: bei tage ein
normaler ort. aus den zweigen tropfen
sonnenlicht, flügelsamen, eschenlaub, später
regen; endlich angekommen. so war es
immer. dem blättergrau, den durchgetrennten
schatten fall ich hinterher, zu spät
gekommen, wieder und wieder
foto: park rosenhöhe
darmstadt, 13. oktober 2004
letzte vorbereitungen für das kommende konzertwochenende
freitag, 28. 12. 2004
tangermünde – ‚carpe diem‘ (arneburger str. 57). ab 20 uhr
samstag, 29. 12. 2004
magdeburg – ‚caféte‘ (porsestrasse 17)
peryton spielt anlässlich der 100-jahr-feier der sozialistischen jugend deutschlands sjd „die falken“. 19:30: die „falkenband“ (magdeburg). ab 20:30: peryton. mit einem speziell für diesen anlass zusammengestellten programm. und mit nagelneuen chansons
peryton diesmal in folgender besetzung: georg hemprich (gesang, gitarre) & arthur braitsch (gitarre)
so war´s alles gedacht. aber arthur, der weltwundergitarrist, ist bös erkrankt. na suuuper. ich wünsch ihm die allerbeste besserung – klar – und spiele – ebenso klar – solo
… und weil ich eh schon in magdeburg bin, hänge ich sonntag, montag, dienstag dran und mache für die „falkenband“ einen workshop ‚texten, arrangieren, präsentieren‘. bei interesse infos unter 0391-6221540 (caféte magdeburg)
lasst mich in ruh
bewahrt eure geheimnisse
vor mir; ich bin nicht
zuhause. nirgendwo
korsakow; oder: besuch bei volker bradke
rotz kriecht ihm aus der nase. ein husten, atemneh-
mend. er liest mir aus „der dichter knurrt manchmal“
er ist brilliant in momenten
“ Bis auf mich selbst
geht es mir eigentlich
ziemlich gut. „
(„Befindlichkeit“ – v.b.)
ich: du hast noch zwei jahre, wenn du so weitersäufst
er: so´n quatsch. mit hundertachtundzwanzig jahren, al-
so in exakt siebzig jahren, werd ich ins kloster gehen. da
bist du schon lange beerdigt
“ Wir erinnern uns an nichts.
Aber wir schweigen thematisch (und beharrlich). „
(„Blödmann“ – v.b.)
“ Wir erinnern uns an alles.
Aber wir schweigen thematisch (und beharrlich)! „
(„Blödmann II“ – v.b.)
müde greift er an seine stirn
ich: es ist schön, dich zu kennen, volker
er winkt mir zu, von seiner bank aus, über den tisch hin-
weg, weit fort
foto: volker bradke
marburg, 29. september 2004
° der titel ist dem werk volker bradkes entnommen
es hat mich hergetrieben: über die deutzer
brücke dem abend zu, der stadt, bis an die
sockel des kölner doms
menschenwellen branden über den zwielichti-
gen platz. hier und da menschenmuscheln, die
ins auge fallen. der rest geht unter in der
gischt, im reklamenlicht, im gleichmütigen
wehen von werbewimpeln und fahnen, im
grinsen und stammeln der wahlplakate aus
einem gestern. abendstadt. vergebliche blitz-
lichter sollen die türme erhellen in sekunden-
bruchteilen uninteressierter schliessmomente:
alltagstölpel auf reisen
foto: blick auf die deutzer brücke
köln, 28. september 2004
post für mich
„hey, war schön, dass du da warst. wenn du das
nächste mal schlechte laune aufgrund deines alters
hast, nenn ich dir zwei schätzungen. ich schein mich
doch am schnupfen angesteckt zu haben. bäh. muss
flüchten“
ja, heute habe ich schlechte laune. also her damit
(allerdings nicht des alters wegen. gilt das trotzdem?)
an diesem schnupfen musstest du dich gar nicht
anstecken: ich habe ihn dir einfach da gelassen. fühlt
sich, ehrlich gesagt, angenehm an, ohne
berlin, 14. september 2004
warmer schmierregen, irgendwie eklig, irgendwie schön. abendgrau. warmer sand-auf-nassem-asphalt-geruch. der espresso schmeckt erstaunlich gut, auch wenn dies café nicht in le vigan, an der ecke gegenüber der sous-préfecture steht. die tresenfrau trägt ein piercing an der linken augenbraue, lacht ein seltsam erwachsnes lächeln
wat – noch’n zucker?? det passt doch jaanich rinne
und ein piercing trägt sie mittig unter der unterlippe. selbstsicher lächelt sie. wie ein schneesturm bricht der zucker die glatte oberfläche des kaffees und versinkt unsichtbar unter seinem wellenschaum. draussen, an der bushaltestelle, werde ich gleich abgeholt. schade, fast: hinaus in den abend