Archive for 2004

[ one-hand-solution ]

Dienstag, Dezember 7th, 2004

– oder – [ feuerwerk am platz des himmlischen friedens ]

mit verlaub, zahnkranke bademeisterin, diese art von ‚fanpost‘ eignet sich
– leider – nicht zur veröffentlichung, obwohl die zeichnung eigentlich lustig ist

lieber dies. keine fanpost; eher private nachhilfe in alltagsphilosophie:

will ich einen weihnachtsbaum oder nicht? silvester könnte der im weg stehen, aber falls wir das wie immer machen, muss einer dasein. außerdem sieht er ja auch schön aus und vor einem weihnachtsbaum haben viele ja sowas wie respekt. zumindest wird er großräumig umgangen

ich liebe deine salamandrische logik, habe ich dir das schon mal verraten, lachskopf?

mein vorschlag zur erleichterung deiner entscheidungskrise: die one-hand-solution am platz des himmlischen friedens. natürlich muss ein baum her, mitten hinein gestellt ins wohnzimmer, hübsch geschmückt mit ‚kanonenschlag‘ und ‚chinaböller’°. bis weihnachten wird ordentlich drum herum gegangen, dann wie gewohnt zur rechten zeit (und) falsch gesungen, dann endlich (endlich!) … sprengen, das teil, an silvester: ein feuerwerk der glückseligkeit. damit ist auch die gleichzeitige eliminierung von folgeproblematiken wie zunehmende kontamination des wohnzimmerteppichs durch trockene baumnadeln und die spätere entsorgung der peinlichen installation gesichert

brauchst du vielleicht noch tipps zum weihnachtsbraten? falls gewünscht, mache ich mir hierzu noch ein, zwei helfende gedanken. damit das lügenfest auch diesjahr wieder ein voller erfolg werden kann

° damit liegst du treffsicher im geschmack der zeit: seit obermichel schröders ungehemmtem reisen ist china wieder top en vogue, pekings ‚platz des himmlischen friedens‘ nicht mehr als eines der reiseziele des wachsenden westtourismus. brandaktuell, sozusagen: böller statt brot. ‚daimler-crysler‘ statt menschenrechte … hat da jemand ’siemens‘ gesagt? stimmt; wie konnte ich vergessen dies synonym für erfolgreichen deutschen neoliberalismus: menschenrechte? menschlichkeit? umweltschutz?

scheiss egal. frömmelnde weihenacht, allerorten

… kotzt da wer?


[ kein oktoberklub ]

Dienstag, November 30th, 2004

– oder – [ ganz toll goethe ]

im rahmen der soldatischen grundausbildung sollen in vier innerdeutschen kasernen rekruten bei fingierten geiselnahmen gequält worden sein – mit fesselung, zigarettenglut, mit stromstoss … wie ein bundeswehrsprecher gegenüber dem ’spiegel‘ angab, habe sich von den betroffenen rekruten keiner offiziell beschwert

verteidigungsminister struck, oberster ’staatsbürger in uniform‘, gibt sich sensibel und erschrocken. er denkt in uniform, also in schmaler kopfschublade, schiebt das übel ehemaligen afghanistankämpfern zu, die nun in deutschland … das böse kömmt immer von auslandshalb. der oberste stahlhelm wird die inspekteure der bundeswehr ‚einbestellen‘, dann weiterdenken über neue aufgaben für die ‚ksk – kommandospezialkräfte‘ und für den ‚bgs – bundesgrenzschutz‘. so richtig stört sich niemand dran. rechtfertigend: von den betroffenen rekruten hat sich keiner offiziell beschwert

soldaten sind mörder – das ist en vogue seit tucholsky. soldaten sind zum töten da und lernen töten. das ist bekannt. soldaten sind zum sterben da – drum lernen sie sterben. das ist normal. von den betroffenen rekruten hat sich keiner offiziell beschwert. normal. die bundeswehr ist kein oktoberklub; da wird nicht gesungen, da wird gequält. nicht ‚misshandelt‘, nein. gebt dem kind seinen richtigen namen: da wird gefoltert. das gehört dazu, zum echten mann: schmerzen geben, schmerzen nehmen. kein oktoberklub. von den betroffenen rekruten hat sich keiner offiziell beschwert

aber wo sind die frauen? keine schlacht wird ohne die frau geführt, die den krieger schickt – oder nicht zurückhält. ich vermisse immer noch die eine frau, die endlich und öffentlich ihre verweigerung kund tut: nein, männer, ich mache nicht mir. weder als soldatin, noch als sanitäterin, nicht als fahrerin oder frau, noch als geliebte. ich warte vergebens, seit den jahren meiner eigenen kriegsdienstverweigerung

von den betroffenen rekruten hat sich keiner offiziell beschwert. von den betroffenen frauen auch nicht. die kriegen nach der bundeswehrgrundausbildung einen kaputten typen zurück – und keine merkt was. aber wie kann das sein? vielleicht ist das überhaupt das schlimmste?

vielleicht ist das überhaupt das schlimmste: dass kein mensch irgendetwas merkt. vorgeblich. normaliteutsch ist: kein mensch merkt nix

das oberste stahlhirn wird also die inspekteure der bundeswehr ‚einbestellen‘. dann wird er weiterdenken über neue aufgaben für seine sondergeschulte mördertruppe ‚kommandospezialkräfte‘: deutsche ledernacken warten auf heldentaten in der ferne. neue aufgaben für den ‚bundesgrenzschutz‘ – jene quasimilitärische einheit, die derzeit noch die polizei verstärkt – aufgaben im ausland, selbstverständlich. und die bundeswehr muss endlich, endlich geleitschutzdienste leisten für die nächsten atomtransporte

warte, warte nur ein weilchen, dann … ist erstmal weihenacht. deutsche spielzeugpanzer überrollen unter dem lichterbaume das weite kurdistan, speien knatternd spielzeugfeuer in den weihnachtshimmel, kinderaugen leuchten stahlblau, sehnsuchtsvoll, kometengleich

ihr seid schwer kaputt. alle. kaputtland, aber ganz toll goethe


[ trost ]

Montag, November 22nd, 2004


unaufhaltsam steigst du zu meiner favoritin auf für
den preis ‚liebster trost des jahres‘

„warum vergessen das schönste gefühl, das ein mensch
haben kann. was wird sonst aus deiner musik … bis dahin
laß es liebe sein“

merci …
vielleicht schreibst besser du in zukunft die texte für
mich. der anfang, jedenfalls, war schon bravourös


[ normaltag, weiter ]

Samstag, November 20th, 2004

ein tag, der sich normal gebart
ich spiele mit und scheine so, als ob

scheinwelt, normal

offenbach, voice-redaktion


[ verzeih mir, zitronenwal ]

Freitag, November 19th, 2004

eingestiegen durch das offne fenster, um
einen blick auf deine zurückgehaltnen farben
zu stehlen, gleich dem dieb

ich konnte nicht ertragen, was ich sah: die
spur des erinnerns war nicht zu verwischen. so
nahm mich meine sehnsucht an der hand und
hiess mich fliehn

wie ein dieb


[ unter der asche ]

Donnerstag, November 18th, 2004

noch immer liegt die glut unter der asche
ich atme ein, ich atme aus
der herbstwind kratzt mit fingern an der scheibe
es ist morgen, es ist kalt, es regnet grau
im traum mit dir gesungen und gespielt
sie flohen mir, die töne, mit dem licht der nacht
– da bin ich aufgewacht

ich bin hässlich, meine schöne, ich bin schön
ich atme ein, ich atme aus
ich hab schrunden, ich hab wunden
(du hast sie gesehn)
ich habe niemals nie genug gekriegt, ich weiss
der herbstwind kratzt mir wimmernd an der seele
ich atme ein, ich atme aus, ich bin doch nicht
– so lang schon gibt es dich

ich bin hässlich, meine schöne, ich bin alt
und du bist jung
hab drei augen, hab zwei zungen, einen
liebestollen mund
ja, ich bin grässlich, meine schöne, ich bin so jung
du bist so alt
hab viele namen längst vergessen, doch
deiner ist ein halt
ach, der herbstwind schlägt mit meisseln
an die fresse, wie ihr seht
ich atme ein, ich atme aus, ich bin
vor liebe schön

noch immer liegt die glut unter der asche
ich atme ein, ich atme aus
noch immer auf der suche nach der
stummen nachtigall
dem blinden mond, nach dem zitronenwal
die seele weint, sie ist verirrt – sei leise, sie verweht
ich träum noch, oder träum ich nicht … was geht?

noch immer liegt die glut unter der asche
ich atme ein, ich atme aus
der herbstwind pfeift auf fingern, ich verfluche ihn
es ist morgen, es ist kalt, es regnet in berlin
im traum bei dir gelegen, deinen schlaf bewacht
es schwieg mir jede frage vor dem bild der nacht

noch immer liegt die glut unter der asche
ich atme ein, ich atme aus
der herbstwind kratzt mit fingern an der scheibe
es ist morgen, es ist kalt, es regnet rosagrau
– da bin ich aufgewacht


leipzig; davonlaufen will ich, wie im traum
gebannt von einer erinnerung. zeit steht

nachtrag vom 11. april 2006: (ogg; 6,8mb) (mp3; 12,8mb)


[ und ich gab dir namen ]

Sonntag, November 14th, 2004

ich gab dir die namen der
lüsternen schatten hinter dem kirchturm
hoch über dem orb
unten am fluss sammelst du schwemmholz
mit dem eifer des kindes, das nie wachsen will
holz für unser feuer

(aus: ‚monolog der erinnerung‘)

davonlaufen will ich, wie im traum
gebannt von einer erinnerung. zeit steht


[ jahrestag ]

Sonntag, November 14th, 2004


sonnchen, schick deine traurigkeit mir. los, weg
damit, gib sie mir. gibst du sie mir?

(14. november 2002, 12:50. sms)

gestern im studio. ‚lass vorüberziehn‘ aufgenommen. eine
verrückte version … danke, honky , für diesen produktiven
tag. nun muss ich eilen – meine sachen zusammenpacken
die bücher, das laptop. türenschlagen, treppentrampeln
über die autobahn … davon


[ unbemerkt. ein suchbild ]

Freitag, November 12th, 2004

– strassenmusik –
 

und dies kam per sms:


„ich singe für dich dir zu sagen wie sehr du mir
fehlst. der gitarrenheini hat überwiesen, ich sauf
mich tot und kotz später ins trauma – aufs hemd
der traumfrau“

 

nein, auf solche freunde will ich nicht verzichten:
die auch in den übelsten seinszuständen an mich
denken. (gleich gings mir besser. ich hoffe, dir
inzwischen auch?) das ‚trauma‘ ist ein laden in
marburg. vollgekotzt nicht zu empfehlen. den
namen des vaganten lasse ich besser unerwähnt
 

foto: leipzig, 28. oktober 2004


[ … ]

Donnerstag, November 11th, 2004

– jet lag –
 

foto: leipzig, 28. oktober 2004


[ open source . over the oceans ]

Donnerstag, November 11th, 2004

Thu, 11 Nov 2004 04:00:14 +0100
From: georg@peryton.de
To: rrrr@xxx.net

bevor du, herzallerliebste …

… sowas beschissenes wie sehnsucht nach der heimat kriegst: post von mir

keine guten politnachrichten aus d, haste ja schon mitgekriegt: castor durch und ein blockierer zerschnippelt. ich glaube nicht an die unfallversion, dazu gab’s „bei uns“ schon zu oft „heisse“ situationen

auch ich hab mich ein bisschen verliebt und gräme mich darum: wat soll sowat. ruhe will und kann ich mir in meinem leben nicht einrichten … trotzdem isses schön, wilde nächte zu haben und tags den einen oder andren sehnsüchtigen gedanken, ein „hach“, das zwischendrin so herausfällt, gar nicht sein soll und – im falschen moment passiert – erstaunen weckt, vor allem bei mir selbst

das fotographieren klappt und das schreiben auch

und das mukken sowieso und ich war wieder im studio – noch mehr prahlen? reicht doch: morgen werd ich ein punkstar und dann kaufen wir uns die regierung, genauso wie’s die andern machen und es gibt endlich freibier in den kindergärten. (oder was wollte rio reiser damals?)

ich bin kackenmüde, muss den rechner aus und die augen zumachen. vergiss nicht, dass du nicht vergessen wirst. neeee, da sorg dich mal nicht drum: fühl dich gedrückt und geknuddelt. ich freu mich sogar drauf, dich wieder zu sehen – war schön beim letzten mal. (sooooo schön, dass wir’s überlebt ha’m…)

genug jetzt. knuuutsch und tschüss

mein mailserver bringt nur fehlermeldungen. daher auf diesem weg an dich – eine leicht zensierte version


[ am see ]

Mittwoch, November 10th, 2004

– am see (2) –
 

foto: am cospudener see, leipzig, 28. oktober 2004


[ ‚toter durch atommülltransport‘ – news ]

Montag, November 8th, 2004

13:30 uhr. der castorzug rollt in norddeutschland
auf der letzten schienenstrecke zwischen lüne-
burg und der verladestation in dannenberg

noch einmal der link zu den aktuellen meldungen
über den laufenden atomtransport und über ak-
tionen des anti-atom-widerstands: castor-ticker

während der castorzug von protesten behindert
richtung zwischenlager rollt, polizei und paramili-
tärischer bundesgrenzschutz in gewohnter ma-
nier mit aller gewalt gegen die protestierenden
vorgehen, läuft im deutschlandradio berlin absur-
derweise ab 14:05 uhr der beitrag < 'Protest' - Songs of Struggle and Resistance> … selbstver-
ständlich ohne einen hinweis auf die aktuellen ge-
schehnisse in deutschland: protest ist anderorts

deutschland stilles sauberland


[ nach(t)sicht ]

Sonntag, November 7th, 2004


 

heute in den raisdorfer honky studios die gitarren-
und gesangsspuren für zwei neue titel eingespielt:
’nimm‘ und ‚kinderficker‘. doch, ich bin zufrieden
 

foto: thomas vallentin
berlin, 02. november 2004


[ stadtflucht ]

Samstag, November 6th, 2004

– invalidenstrasse –
 

foto: berlin, 02. november 2004