[ schneetreiben und abgeschmackte katastrophen ]

ihr wähnt mich noch im süden, dabei bin ich längst in
den norden geschliddert, auf umwegen. hatte meine
teilnahme auf dem jugendumweltkongress ‹jukss›
verweigert mit dem schlagenden argument, dass das
eine jugend- nicht aber eine seniorenveranstaltung sei
– und traf bei einem zwischenstop ihn; nein, anders
herum: er mich. doch nach zwei tassen kaffee musste
ich leider weiter

kaum angekommen, im norden, brach eine schnee-
flut übers land. ich wachte auf in grönland, quälte das
auto wenige meter durch hohen schnee bis an einen
kleinen hang … und dort rodelte es davon, ohne zö-
gern, ohne halt bis in ein weiter unten geparktes au-
to. beul, sagte das und der besitzer, der vielleicht den
schrei seines babys vernommen hatte und alsbald
erschien, mutierte – so schloss ich aus seiner mimik –
zu einem verfechter der todesstrafe (was natürlich
nicht stimmt, hier aber gut hingepasst hat)

das alles mag uns ärgerlich erscheinen, doch lange
nicht erreicht es den rang der ‹katastrophe›. zumal
du weisst: dem homo sapiens neuster zeit gelingt die
grösste katastrophe erst perfekt in selbstorganis-
ation. und weil er auf gewinn hin strebt, ist der erfolg
am schönsten, wenn er auf seine eigne seite fällt. was
kurz gefasst bedeutet, dass der beschissne wahrhaft
glücklich ist nur in der eignen scheisse

man kann über die aktivitäten der sekte ‹universelles
leben› nicht nur im deutschlandfunk hören; nein, ich
erfuhr gestern von einer art ‹ul-einsteige-seminar›
auf dem ‹jukss›. es macht mich wütend, weil und dass
es denen überhaupt gelingen konnte, dort ihr verloge-
nes zu wort zu erheben. ihr habt gelost, ihr nachwuchs-
linken! ihr habt versagt, die chance vertan, die neuen
grenzen dort zu setzen, wo sie gesetzt sein müssen

in meinen augen setzt ihr die tradition der alten fort
– und seid nicht besser. mein bittres kompliment!

ich frage mich, ob und wann das erfolgreiche ausbrei-
ten der anthroposophen, die länger etabliert, am öko-
markt erfolgreicher und in der gesellschaft besser ak-
zeptiert sind als ‹ul› – besonders in linksintellektuellen
kreisen – die marktmacht des (erklärtermassen nicht
veganen) anthroposophischen biolabels ‹demeter›
sowie die lüge von der freiheit ihrer waldorf-taliban-
schulen endlich ein thema zum diskurs wird und end-
lich angriffsziel zum handeln; aber wie das aktuelle ge-
haben auf dem ‹jukss› befürchten lässt, wird es wohl
nicht

wie einfach war es doch bisher: öko war bio und bio
war gut … vorbei. überall ist gabi. oder rudi. oder ein
neuer papst. was sollen sie jetzt noch fressen, die
veggies, die selbstbestimmten, die links-emanzipiert-
bewegten und woran sollen sie noch glauben?

das neue jahr erwischt die jungen kalt mit alten kata-
strophen

(prost!)
 

nachträge (aktualisiert am 11.04.2009) findet ihr
hier


11 Responses to “[ schneetreiben und abgeschmackte katastrophen ]”

  1. espi an peryton sagt:

    @peryton

    ja, ich stimme dir zu, dass die gegenwehr auf dem jukss einiges zu wünschen übrig lässt (darin schließe ich mich auch ein).

    und zeigt, dass ansätze offener räume nur sinn machen, wenn die darin agierenden leute entsprechend sensibel und handlungsfähig sind. genau diese auffälligen leerstellen will ich als anlass nehmen, solche experimente noch viel intensiver vorzubereiten – mehr trainings zu direkter intervention, aufklärung sofort usw.

    und nicht erst ein paar tage zusehen wie sich sektenanhänger ausbreiten, um dann ohnmächtig deren rauswurf zu fordern (das war ja schon ein sympton der handlungsunfähigkeit, die dann mit plena-strukturen überdeckt wird).

    aber ich ziehe daraus nicht den schluss, dass auch an den wenigen orten, wo notwendigerweise unperfekte experimente mit kontrollfreien räumen gewagt werden, die normale logik des kollektiven definierens von erlaubten und nicht erlaubten personen eingeführt wird.

    auf jeden fall glaube ich, dass deine kritik in die nachbereitung des jukss einfliesst und so.

  2. espi @rehzi sagt:

    @rehzi

    hey, ich kann ja verstehen, dass du gänzlich anderer meinung bist und dich vorgänge auf dem jukss aufregen. und bin deine klaren worte gewöhnt und sehe die kritik dahinter.

    aber trotzdem finde ich, dass manche deiner formulierungen deutlich ins diskriminierende umschlagen und nicht dem gerecht werden, was du an sensibilität von anderen verlangst: begriffe wie offene-raum-„gespinne“, „wahnvorstellungen“ (der leute wie mich in die nähe des psychisch kranken rückt) oder „hippie“ empfinde ich als platte diffamierung – gerade so’n begriff wie „hippie“ macht es sich sehr einfach menschen in diese schublade einzusortieren anstatt zu schauen, wofür einzelne konkret stehen. sicher gibt es auf dem jukss auch hippies, die einfach nur platt toleranz für alles predigen.

    viele sympathisantinnen von offener raum-konzeptionen sind meines erachtens alles andere als hippies (und ehrlich gesagt glaube ich dass dir das auch klar ist) – und für mich ist offenheit genau etwas, was ich offensiv verteidigen will gegen diskriminierendes verhalten und damit verbundene weltanschauungen – dabei sind direkte intervention und aktion inbegriffen. und auch andere haben deutlich geäußert, dass es durchaus okay ist, in notfallsituationen auch zum rauswurf zu greifen … meine kritik bezieht sich nur darauf, dass ich dieses mittel nicht als standardoption inklusive gremien, die das durchsetzen, haben will, weil dann über andere umgangsweisen nicht mehr nachgedacht wird. und eben auch mal so leute wie ich gekickt werden, die anders denken – weil eben die möglichkeit dazu besteht.

    und trotz aller mängel hat sich für mich wenigestens angedeutet, dass das möglich ist, mit offenheit zu experimentieren (es geht nicht um etwas 100%iges). offener raum ist für mich kein zustand, sondern ein prozess. und aus gesprächen mit anderen leuten aus ähnlichen projekten weiß ich, dass es eigentlich niemensch gibt, der sagt „das hier ist der perfekte offene raum, alles läuft super“ – d.h. dass die ganzen probleme durch die rahmenbedingungen und so schon gesehen werden und zur debatte darum gehören. von den von dir benannten „wahnvorstellungen“ habe ich da nicht viel mitbekommen sehr nüchtern würde ich auch sagen, dass die offenen räume, an denen ich mich beteilige, in vieler hinsicht gescheitert sind (und das auch müssen) … aber das ist gerade das interssante, etwas am scheitern weiter zu entwickeln.

  3. peryton sagt:

    ach, jetzt machen wir schon lustige zahlenspiele auf … aber wir reden hier noch von einem workshop, ja?

    ich glaube, es war durchaus nicht schwer zu verstehen, woran die kritik sich festmacht. falls doch: bitte genauso sorgfältig nachlesen, wie ich (und andere) mit bedacht die worte gewählt habe(n)

    aber noch etwas zu den wohl gewogenen worten: es ist ein lange beobachtetes phänomen – und wir weisen immer und immer wieder darauf hin -, dass sich leute, die zu ul ‹gehören› oder sie unterstützen, ihre ‹zugehörigkeit› verschweigen oder gar dementieren. das macht meines wissens nach bis zum heutigen tag sogar der herausgeber des ‹brennglas›-verlags (german murer) – also quasi des ul-zentralorgans – ebenso wie der justitiar der organisation (christian sailer), der in diesem miesen stück die rolle eines «beelzebub gabis» besetzt

    (falls euch anders lautende informationen vorliegen, bitte ich um nachricht)

    also – wie war das nochmal mit dem pauschalisieren?

  4. Treehugger sagt:

    hallo leute, es ist von einem einzigen die rede … ein einziger (jonny) hat nach eigenen aussagen mit dem wissensgut des universellen lebens zu tun, nicht aber enger mit der gemeinschaft…die zwei anderen waren aus einer völlig anderen gegend angereist und haben sich nicht zu der gemeinschaft oder ihren glaubensinhalten bekannt… vorsicht beim pauschalisieren…da kann es leute treffen die nichts mit der thematik zu tun haben…

  5. peryton sagt:

    «wenn es um das jeweilige lieblingsthema geht – wahlweise nazis, sexismus oder ul – werden selbst herrschaftskritische geister zu anhängern autoritärer umgangsformen»

    vielleicht empfiehlt es sich manchmal, doch genauer zu lesen, bevor derartiges mit dem anspruch auf ernsthafte würdigung als erwiderung auf meine satirische kritik gebracht wird

    ich habe eine in meinen augen berechtigte kritik von aussen in den jukss hineingetragen, die mit weitaus mehr informationen unterlegt war, als mir von verschiedensten seiten unterstellt wurde. interessant fand ich die versuche, meine kritik abzuwehren als ’nicht berechtigt›, ’nicht ausreichend fundiert›, ‹alt-links› – ja, so kann mensch kritik natürlich von sich weisen …

    die tatsache, dass ‹ul›-leuten bewusst ein forum geboten wurde, in dem sie sich präsentieren konnten (anfangs sogar relativ ungestört), ist ein vorgang, der allerdings zu kritik berechtigt

    nach meinen informationen hätte es ausreichend vorbereitungszeit gegeben, adäquate gegenwehr zu organisieren, was in meinen augen vollkommen gescheitert ist. dabei waren auf dem jukss mehrere leute, die erfahrung haben im umgang mit gewaltfreier direkter aktion …

    was auf dem jukss geschehen ist – geschehen konnte! – finde ich daher nach wie vor unakzeptabel, was an ‹widerstand› gelaufen ist nicht ausreichend. da scheint mir die abwehr meiner kritik auffallend stärker; jedenfalls waren die direkten oder mir zugetragenen reaktionen auf meine anmerkungen zumeist unangemessen bis peinlich. die bewertung der geschehnisse durch die jukss-leute ist in meinen augen in höchstem masse naiv

    aber ich freue mich, dass es überhaupt noch reaktionen gab (spät, aber immerhin), dass eine diskussion zustande kam, dass sie aus dem jukss hinausgetragen werden konnte und dass somit leute einbezogen wurden/werden, die nicht dabei waren

    dass teile der organisation ‹ul› zunehmend präsent sind und sich immer weiter vorwagen können, zeigt nach meiner einschätzung, dass die akzeptanz für sektiererische lehren anwächst, dass die dimension dieser problematik noch immer nicht klar geworden ist und dass der bisherige widerstand lange nicht ausreicht. das, was auf dem jukss praktiziert wurde, kann nicht ernsthaft als ‹widerstand› bezeichnet werden

    ich werde ich mich immer wieder streitbar äussern, sobald sich mir die (manchmal traurige) gelegenheit dazu bietet. und dabei zielt meine kritik stets besonders auf jene, die mir am nächsten stehen, mich – selbstverständlich – eingeschlossen

  6. Lars Strojny sagt:

    Auch wenn ich ja sonst nicht allzu oft mit deinen politischen Bermerkungen überein stimme, hier ist dem so, Rhezi. Dem ist einfach mal nix hinzuzufügen und meine Erachtens gibt’s keine bessere Lösung als eben »Grenzen der Offenheit« zu definieren.

  7. rehzi sagt:

    Nein, ich finde nicht, dass es etwas mit Herrschaftsfreiheit zu tun hat, anderen Menschen die Anwesenheit von Arschlöchern zuzumuten. Wohin dieses «Offene Räume»-Gespinne führt, haben wir vielfach gesehen: in Marburg, wo aus dem besetzten Haus nach 1,5 Jahren «offenem Konzept» alle emanzipatorischen Menschen wegen völliger Erschöpfung ausgezogen sind und das Haus den Spinnern, Esoterikern, Autoritären und anderen Wixern überlassen haben, gegen die sie immer weniger angekommen waren; in Pingutopia in Köln, wo sich die Gruppe ausserstande sah, einen gewalttätigen Sexisten und Homophoben vom Gelände zu werfen, obwohl sich einige massiv bedroht fühlten und danach die Hälfte der Gruppe auszog; das sind nur zwei illustrierende Beispiele.
    Ja, ich bin für Herrschaftsfreiheit, aber es gibt Grenzen, und das sind die der persönlichen Bedürfnisse und Boundaries – ein Wort das viel angenehmer ist als Grenze, die immer nach Stacheldraht klingt.
    Es ist nicht herrschaftsfrei, anderen Leuten die Möglichkeit zu geben, Herrschaft auszuüben oder ihre Machtspiele zu veranstalten oder die Unterdrückung anderer zu propagieren. Ich kann nicht erkennen, was daran emanzipatorisch ist.
    Ich weiss, dass auch Zensur nicht emanzipatorisch ist, aber ich weigere mich, Nazis, Antisemiten oder Vergewaltigern ein Forum zu geben. Wieso in dreiteufels Namen ist denn dann das Verhindern von Nazisdemos in Ordnung? Das ist doch total herrschaftsförmig, denen die Straße zu nehmen, die Straße sollte doch ein «offener Raum» sein. Ich schlage vor, wir machen das nächste Mal eine Diskussionsrunde mit Axel Reitz zum Thema «Umweltschutz ist Heimatschutz» auf dem JUKSS und laden die Nazis bei der nächsten Demo zum Kaffekränzchen ein. Herrschaftsfreiheit ist doch was anderes als «wir können (und müssen) doch über alles reden». Wo sind wir denn? Bei den Hippies? Na meinetwegen, aber dann nennt es auch so! Dass sog. Hippies keine Berührungsängste mit allem möglichen Wahnsinn haben, den es auf der Welt so gibt von Lichtnahrung bis «Wir machen einen Kreis und senden den G8 eine spirituelle Nachricht» (so geschehen auf dem Anti G8 Camp in Gleneagles), ist ja nix Neues. Bisher machte der JUKKS aber immer sonen «radikalpolitischen Anspruch» Eindruck.
    Und dass manche Projekte, die sich offen nennen, dies mehr als Illusion und Wahnvorstellung der BewohnerInnen sind, denn wirklich herrschaftsfrei, ist mal zu analysieren. Allerdings wenig verwunderlich – wie KANN es in dieser Welt, deren Produkte wir alle sind, wirkliche Herrschaftsfreiheit geben? Kann es nicht. Wir können nur Bedürfnisse aushandeln, wofür Verhältnisse nötig sind, in denen alle sich trauen, diese Bedürfnisse zu sagen. Und ein offener Raum, in dem willkürlich alle möglichen Leute sich bewegen können ist das nicht, denn ein offener Raum, in dem alle sein dürfen ist ganz schnell nichts als ein Spiegelbild der Normalgesellschaft und schlimmer: Macker, Sexisten, Antisemiten, Machtstrategen, Populisten, Rassisten, Faschisten, Religionsfanatiker und andere können sich breit machen, denn für sie sind Dominanz, Unterdrückung und eine miese Stimmung kein Problem, sondern gehören zum Geschäft. Und die Linke ist meist zu lieb um solchen Leuten die Tür zu weisen (oder ihnen wenigstens einen Raum zuzuteilen, in dem sie mit geneigten Diskussionspartnern die Absurdität ihres Denkens vorgeführt bekommen). Bessere Lösungsvorschläge sind immer willkommen.

    Aber ich würde sicherlich keinen Raum betreten, in dem ein Anhänger von irgendeinem Gottesclub über die Legitimität von Vergewaltigung spricht. Wen solch ein Vorgang alles ausschlösse – unglaublich! Aber das ist dann «herrschaftsfrei» nehme ich an?! no way!

  8. yetzt sagt:

    der eine nennt sich simson hipp oder auch baldur ragnarök, veroeffentlicht krude dinge unter der bezeichnung «kontra magazin». der aufgewachsene nannte sich nur jonny (oder jonathan), der dritte blieb namenlos.

  9. ul-gefahr sagt:

    wer waren denn die «3 ulanhänger», wer war der «bei ul aufgewachsene mensch» @espi

  10. yetzt sagt:

    erst fernbleiben, dann aus der ferne heraus analysieren, nein, das birgt keine neuen impulse.

    http://veg.gs/de/blog/view/104

  11. espi sagt:

    vorweg zu den ‹fakten›: es waren drei junge ul-anhänger auf dem jukss. mindestens eine person hat das auch vorher angekündigt. von ihnen wurden zwei filme gezeigt sowie der versuch gestartet, unterschriften gegen tierschutz zu sammeln. der kritische umgang damit kam viel zu schleppend in gang, d.h. beim ersten film, nach dem anschließend über karma-lehren geredet wurde, gab es meines erachtens eher schlechte pöbeleien seitens der UL-kritikerinnen.

    danach fanden sich allerdings schon plakate und texte mit ul-kritik auf dem jukss, z.B. auch direkt auf den wänden, wo workshops angekündigt wurden. der zweite film der ul-ler wurde durch zwischenrufe und das tragen von spiralen-brillen gestört. auch der versuch der UL-leute, unterschriften für tierschutz zu sammeln, wurde mindestens teilweise sabotiert. auch später wurde ein von den UL-Personen angekündigter AK zu Vegetarismus und Religion abgesagt und in Religionskritik umgeändert. nach diesen deutlichen interventionen gab es keine versuche der UL-menschen mehr, weitere veranstaltungen zu starten.

    eine UL-einführung hat es in dem sinne nie gegeben. sondern: ein bei UL aufgewachsener mensch hat nach einigen tagen von sich aus eine klärung eingefordert und zu einem AK eingeladen. dort wurden auszüge aus UL-schriften verlesen, um die idologie transparent zu machen. danach folgte eine lange auseinandersetzung um die karma-lehre von UL und deren antisemitischen auslegungen (die juden seien selbst schuld am holocaust), zu der sich die person im verlauf der debatte auch offen bekannte. was auch klare, heftige kritik stieß – einige personen formulierten auch, dass sie wollen, dass er geht. was dann er und die anderen beiden am nächsten morgen gemacht haben.

    insgesamt würde ich sagen: der kritische umgang mit UL war anfangs zu lahm und hat deutliche mängel in der interventionsfähigkeit auf dem jukss offen gelegt. nach diesen anlaufschwierigkeiten haben die verschiedenen sabotageakte und thematisierungen, wofür ul steht meines erachtens dazu geführt, dass die UL-leute sich zurück gezogen haben. und ich glaube, dass einige leute über die sekte informiert werden konnten – gerade auch angesichts der krassen aussagen. wichtig erscheint mir viel stärker daran zu «arbeiten», dass tatsächlich viele menschen inhaltlich und mental so fit sind, dass rechte denkmuster immer die intervention vieler hervor rufen. wären die UL-leute strategisch geschickter vorgegangen, hätte das ergebnis angesichts ja auch anders ausfallen können. aber statt deshalb den versuch herrschaftsfreier räume, in denen es keine ausgrenzung gibt, aufzugeben will ich intensiver darüber nachdenken, wie eine praktische verteidigung der offenheit aussehen kann, so dass unterwanderungen nicht möglich sind.

    leider schreibst du nur vage, was der konkrete umgang mit UL aus deiner sicht hätte sein sollen – aber folgender absatz hört sich sehr stark nach zensur-wünschen an:

    «es macht mich wütend, weil und dass es denen überhaupt gelingen konnte, dort ihr verlogenes zu wort zu erheben. ihr habt gelost, ihr nachwuchslinken! ihr habt versagt, die chance vertan, die neuen grenzen dort zu setzen, wo sie gesetzt sein müssen.»

    dazu würde ich mal ganz polemisch einsteigen: wenn es um das jeweilige lieblingsthema geht – wahlweise Nazis, Sexismus oder UL – werden selbst herrschaftskritische geister zu anhängern autoritärer umgangsformen.

    der jukss ist für mich ein offener raum – einer, in dem erstmal alle menschen – ja, auch die mit menschenverachtenden ideologien – sein können. linke räume, in denen ausgrenzung fest installiert ist, gibt es genug – und in den wenigsten von diesen werden nur UL-leute raus geworfen, sondern gerade auch intere abweichlerinnen. das ist kein zufall sondern logische folge davon, dass auch in linken kreisen fast immer die normalen gesellschaftlichen strukturen übernommen werden. und dort, wo an einem punkt zensur etabliert wird, diese immer wieder eingesetzt wird – anstatt über wege direkter intervention nachzudenken und strukturen zu schaffen, in dem rechte denkmuster und totalitäre sekten keine chance haben, weil es eine hohe sensibilität und handlungsfähigkeit gibt, um sich kommunikativ mit diesem schrott auseiander zu setzen.

Leave a Reply