[ mondfinsternis ]

über die art der leute, zu tanzen, würde ich gern einen film dre-
hen. es sieht so … krank aus. das hinschauen machte genau-
so müde wie die musik. buntes licht, ja, ein wenig künstlicher
nebel, und das seltsam anmutende publikum klatschte und es
… zuckte. meine musik ist nicht zum tanzen gemacht. ich wä-
re irritiert. aber meist kommt das licht so prall von vorne, dass
du die leute nicht anschauen musst – ich hoffe nicht, dass sich
sowas zu einer anhaltenden paranoia auswächst, irgendeiner
könne zu tanzen beginnen, da draussen hinter dem licht. wäre
h. nicht dabei gewesen wäre, der sich gleichfalls fremd zu füh-
len schien, ich hätte mich einsam gefühlt, zweifelnd an meiner
wirklichkeitswahrnehmung, nein, an meiner ’normalität‘ sogar

als wir endlich aufbrachen, hatte der mond angefangen, sich
aus dem rötlichen schatten zu befreien. die wolkendecke war
aufgerissen zu weisslichen schleiern, bitterkalt war es gewor-
den. einen pastis später sangen amseln ‚in the dead of night‘
und nach einem rollenden geräusch schlug mit dumpfem knall
ein stein neben mir auf den asphalt, der sich aus einer mor-
schen hausmauer gelöst hatte. ich hatte ihr versprochen, sie
zurückzurufen, dachte ich im selben moment, morgen früh
mach ich’s, sobald ich aufgestanden bin. drei treppenstufen
oder vier, dann stiess ich die haustüre auf, die wie immer
klemmte, und ihr knirschen hallte in der dunkelheit der flure
nach wie ein leerer schrei


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