des reisens müde und der entfernungen
steige ich aus dem raumanzug, lege die
mitgebrachten komentenschweife in mei-
ne sternensammlung. noch leuchten sie
des reisens müde und der entfernungen
steige ich aus dem raumanzug, lege die
mitgebrachten komentenschweife in mei-
ne sternensammlung. noch leuchten sie
„nach all dem, was wir gestern redeten: heisst lieben lei-
den?“
im prinzip ja; aber nur, wenn sich keine anderen lösung-
en anbieten
auch unabhängig einer erwartung dessen, was wir mor-
gen noch besprechen werden – wobei mit einiger sicher-
heit davon auszugehen ist, dass wir uns thematisch in
die selbe richtung begeben – kann nur dies die einzig
richtige antwort des in (und die) freiheit liebenden sein;
wobei dieses ‚ja‘ mit ‚unbedingt‘ zu attributieren ist, im
engsten wortsinn gefasst: ‚ohne jegliche bedingung‘
die bedingungslose und somit freie (auch: leidende) lie-
be muss als einzigartige lebensbeschäftigung betrach-
tet werden, die den verlust des zentrums seines emo-
tionalen interesses und den verzicht darauf als präsen-
te möglichkeit mit einschliesst; sie grenzt sich hierin
scharf vom erfolgs- und gewinngerichteten ansinnen
einer kapitalistisch orientierten beziehung ab
auch wenn – besser: weil – in der sozialen wie sprach-
lichen bewertung und in der lebenswirklichkeit dieser
gefühlsbelasteten ausgestaltung von beziehung un-
schärfen und überschneidungen zu bemerken sind, em-
pfehle ich insofern die orientierung am kulturellen zung-
enspiel, dass die heutige ‚liebe‘ in ihrer ursprachlichen
bedeutung auf ‚verlangen‘ und ‚begehren‘ fusst, das
‚leiden‘ jedoch im ‚gehen‘, ‚weggehen‘ und ‚vergehen‘
verwurzelt ist
dennoch: nicht einzig im leiden erfüllt sich eine freiheit-
liche liebe; der verzicht auf den verzicht kann liebevolle
variante, kann ebenso erfüllung wie auch erlösung sein
man kann es sehen, mit ein wenig phantasie: dort, zwi-
schen den breiigen wülsten treten heraus die sprache
und die musik. der quell des anhaltenden missklangs a-
ber bleibt doch unentdeckt; der tinnitus, der ungestüme
ohrwind, der kalte sturm im kopf lässt sich nicht fangen
scan: peryton, kommandozentrale
(kernspintomographische aufnahme)
heidelberg, 07. september 2007
ganz still lag ich in der röhre, augen fest zu, galoppierte
über waldwege fort, durchschwamm warme flüsse, auf-
tauchend, als der lärm endlich nachliess. in einem weiss
gekachelten toilettenraum zog ich bilder meines gehirns
aus einem riesigen umschlag und ein förmliches schrei-
ben, das nicht mir galt, obwohl es von mir sprach. ‚kein …‘
übersetzte ich laienblöd mit ‚kein tumor‘, war erstaunt
über mein tiefes atmenholen: mein tinnitus ist nicht das
geräusch des heranschwirrenden pfeils. doch in einem
zweiten satz lag der klang einer losschnellenden sehne
nun gilt es also doch, hirsch, schneller am ziel zu sein?
aber warum haben sie das, fragte die ärztin später; was
mich lachen liess: sie nehmen mir die worte glatt aus dem
mund. sie aber lachte nicht, kaute auf schmalen lippen
und wiegte bedächtig ihren kopf. behutsam fast liess sie
worte auf die vor uns liegenden fotos rollen, geführt von
einem sympathischen akzent. das müssen wir uns noch
einmal genauer anschauen, schloss sie, fortschickend
was heisst das für mich, fragte ich, als sie einer der assi-
stentinnen hinterm tresen murmelnd zauberformeln dik-
tierte. sie kaute auf den lippen, ihr kopf schwang hin und
her. sie sehen nicht gut. wir müssen weiter untersuchen
als ich vor die türen des glasbaus ins freie trete, regnet es
in grauen bändern herab. ich lache bis zum himmel hinauf
unablässig plappernd springen mir die worte von den lippen
wie forellen über die stromschnellen eines tauwasserschwer-
en baches; dabei schwiege ich besser, die brennende kehle
zu schonen. dass du hingegen schweigst, keine antwort aus-
formulierst, damit zu leben fällt leichter, als ich befürchtete:
du bist in meinem leben. so oder ähnlich habe ich eingestan-
den, dass ich verloren bin, habe mir das hemd von der brust
gerissen und auf mein herz gezeigt: hier zu treffen gilt es!!!
aber nein. kein theater, keine schmierigen gesten, kein kampf
und kein untergang. du bist in meinem leben. was ist gesagt?
mehr nicht als alles, ein postscriptum, zurück von einer reise:
der spiralnebel deines fernen lebens ist meiner welt die sonne
„concert for anarchy“ (peryton solo)
kulturhaus
dr.-wilhelm-külz-str. 4, 06420 könnern
beginn: 20:00 uhr
peryton spielt auf dem fest zum 35. jubiläum der „graswurzelrevolution“
„ich schreibe nur liebeslieder“, sagt er – und lügt. er stellt
die fettnäpfchen auf und springt hinein. er fordert werte
und spottet gegen sämtliche. er provoziert. er lacht an den
falschen stellen. er liebt es, ‚politisch unkorrekt‘ zu sein, ist
unmodern und hoffnungsvoll melancholisch: peryton mit
seinem programm „chanson und lyrik“
wegbeschreibung (google-maps): hier
‚wortkarg‘ ist eigentlich ein schönes wort. klangvoll. es sagt
nicht mehr, als dass wenig worte gemacht werden, es taugt
jedoch nicht als erläuterung. und weil dazu viele worte von-
nöten wären, bleibt die erklärung für meinen speziellen fall
an dieser stelle kurz: feuer und rauch … ich bin unterwegs
„feuer und rauch“ (solo, live, 04. august 2007)
(mp3; 4,6mb) (ogg; 3,1mb)
(aufnahme vom 04. august 2007 im „café medusa“)
gesagt ist: eingestanden, aufgeschrieben und heraus. im
innern, der vulkan, brennt immer noch, die ascheninsel ist
den anderen kein ziel, der wind bläst treu, trägt ohne unter-
lass geschichten zu und lieder, die mir unverständlich sind
im weggehn noch einmal umgedreht: es ist klasse mit euch
er: mit dir auch
breit grinsend, ein mondbär, auf einer imaginären mittellinie
die strasse hoch, nach hause. oben: die sterne, blinkend
weil ich noch immer keine zeit für neue worte finde, greife
ich zum altbewährten mittel und (somit) auf altes zurück:
‚mach’n punkt‘, live am 04. august 2007. viel vergnügen
„mach’n punkt“ (live, 04. august 2007)
(mp3; 2,8mb) (ogg; 2,3mb)
wenn mein kopfschütteln nachgelassen hat über dieses phä-
nomen, sollte ich mich daran machen, einen satirischen text
zu verfassen über „die aktive opferrolle, ihr tarnkappenverhal-
ten und ihr unaufhaltsamer weg zur macht“. danach beschrei-
be ich, warum ich den ‚menschen‘ vom ‚tier‘ begrifflich trenne
keine zeit für viele worte: ‚manicalea‘, live. viel vergnügen
„manicalea“ (live, 04. august 2007)
(mp3; 5,4mb) (ogg; 4,3mb)
(aufnahme vom 04. august 2007 im „café medusa“)
„chanson & lyrik“ (peryton solo)
café medusa
medusastrasse 16 (hinterhof), kiel
beginn: 20:00 uhr
„ich schreibe nur liebeslieder“, sagt er – und lügt. er stellt
die fettnäpfchen auf und springt hinein. er fordert werte
und spottet gegen sämtliche. er provoziert. er lacht an den
falschen stellen. er liebt es, ‚politisch unkorrekt‘ zu sein, ist
unmodern und hoffnungsvoll melancholisch: peryton mit
seinem programm „chanson und lyrik“
das konzert wird für eine live-produktion aufgezeichnet
wegbeschreibung (google-maps): hier
„Peryton! You may think your English sucks but since
your address has „chanced“ I would have to say that
your ability to use poetic devices to convey meaning
remains very much intact (…) Besides, don’t feel bad
… my Deutch ist scheit!“
„i was glad to read such compliments. i love, i need
words like this. but … i plead you to look deeper. a
friendly face, a gentle voice … that’s only a little bit
of stuff, a little bit of color, tint, trying to cover the
ugly traces of getting older. my lyrics, the words –
there you can find me, parts of me, between the to-
nes, in silence. thoughtfully: peryton“
tropfen trommelten ein lied, gesang der nacht. dann ein
klavier. ein schwarzer adler schwingt sich auf, ein flügel-
schlag nur bis zum himmel und barbara erzählt vom tod
ihres vaters: il pleut sur nantes. kühl war der morgen, noch
immer strömte der regen. dis l’oiseau, ô dis, emmène-moi
retournons au pays d’autrefois, comme avant, dans mes
rêves d’enfant, pour cueillir en tremblant des étoiles, des
da. gelb steigt der mond und rund hinter den wolken
(jetzt solltest du hier sein) ihr haar riecht nach meer
hörst du? haare wie das meer, ein voller wolkenmond;
vielleicht zählt wirklich nur, was zwischen dingen wohnt
gelb zieht der mond am himmel, der wind legt sich
nieder im schilf. wir stehen beisammen, schweigen
am horizont steht ein rotes herz. mit trunkenen worten
trommelst du einen falschen takt. ich hätte mich gern
länger darüber unterhalten, wirst du mir am folgenden
morgen schreiben; dabei kennst du meine alte meinung
längst: lass sein, wo freiheit ist! mehr ist nicht zu sagen
rotes herz am schwarzen horizont: bei anruf porno. de-
primierend wie pubertäre liebesideale, kniestrümpfe, le-
derhosen, radetzky-marsch. rock’n roll ist was anderes
ein chanson mit einem herbstmonat im titel passt zum
juli etwa genauso gut wie … eine hartnäckige kehlkopf-
entzündung in die vorbereitungszeit für die nächsten
konzerte. doch beim kramen in meinem umfangreichen
(vor allem unübersichtlichen) archiv fiel mir die folgen-
de aufnahme in die hände. kann ich derzeit nur krähen-
gleich krächzen, bleibt euch – mein wohlverehrtes publi-
kum! – kaum mehr als der sehnsuchtsvolle blick, besser:
das lauschen in die schmalzpappende vergangenheit
(aufnahme vom 05. oktober 2002 im „lutterbeker“)
„novemberlied“ (live, 2002)
(mp3; 5,7mb) (ogg; 3,7mb)
„folgende formulierung find ich hart: ‚peryton weiss kunst
von dreck auch akustisch zu unterscheiden‘. haettest du
sanfter ausdruecken können„
ich finde, dass es sogar sehr sanft formuliert war, gerade-
zu fromm angesichts des gefühls, das mich beim durch-
stöbern dieses ‘kulturellen angebots’ ansprang: fahrrad-
pumpen aller couleur gerieren sich als presslufthämmer