aus technischen gründen muss das für den 09. no-
vember 2007 angekündigte konzert im „café ge-
gendruck“ (heidelberg) leider abgesagt werden
aus technischen gründen muss das für den 09. no-
vember 2007 angekündigte konzert im „café ge-
gendruck“ (heidelberg) leider abgesagt werden
„du filterst ja immer sehr genau, was du wem aus
deinem leben preisgibst (na, das war doch echt noch
ganz schön nett formuliert. ich hätte ja auch sagen
können: du alter sack erzählst deinen freunden eh
immer nur, was dir passt)“
tatsächlich: genau so ist es. machen das nicht alle so??
ich bin in dich verknotet, sage ich. und sie: verknotet auf
den ersten blick. was, frage ich schwerhörig, auf den er-
sten fleck? blick, sagt sie. verknotet auf den ersten blick
nach diesem badewannenmorgen, an dem ich beschlos-
sen habe, die universale glaubensgemeinschaft der ba-
dewannenmenschen zu gründen – was ich ihr wortreich
erläutern musste – kann ich mit diesem gefühl nichts an-
fangen, am bahnsteig, in erwartung der s-bahn, die sie
weiterbringen wird. was denkst du schwerwiegendes, fra-
ge ich und weil sie schweigen will, drängend: du wolltest
gestern auch alles von mir wissen. wie es weitergeht? sie
sagt das so, dass es mehr nach einer frage klingt. ‚omm‘
brumme ich, sie stösst mich in die rippen und wir lachen
schweigend läuft die zeit. ich hasse abschiede, sage ich, o-
hne sie anzuschauen. dann winken wir uns durch die fen-
sterscheiben ein fremdes ‚lebewohl‘, der zug bescheunigt
nach westen hinaus, ich betrete eine rolltreppe. aufwärts
jacques derrida und hagalaz. poststrukturalismus und die
rune der elementaren zerstörung. da ist dieser herbst mit
seinem lichten grau vor schneebedeckten gipfeln, dort
die augenblicke gemeinsamer ruhe in einer unwirklichen
welt. es ist ein wenig wie früher; dass es mir gut tut, will
ich nicht eingestehen. das ist alles lang her. wohin, weiss
ich nicht, wann schon. (obwohl es mir leid tut: einige von
euch werden auf antworten warten müssen. nehmt es bit-
te nicht persönlich; auch mit mir selbst spreche ich kaum)
und wie geht es ihnen inzwischen, frage ich, beuge mich
bis zur schreibtischkante vor, was ihn veranlasst, weiter
ausgreifend vom verlauf seiner erkrankung zu berichten
wir sollten uns in die selbe klinik begeben, um uns bei
schachspiel, häkeln und gesang zu erholen, schlage ich
vor. später verabschieden wir uns – arzt und patient –
mit dem gegenseitigen wunsch zur ‚guten besserung‘
es ist ja so eine sache, sagt sie, mit den bildern, die einem
kommen – wie entstehen sie? kommen sie aus dem, was
sie erzählten, aus ihren worten oder aus mir selber? jeden-
falls habe ich das starke bild einer verwüstung vor augen
als ich die tür öffne, klingt von draussen das nachmittags-
spiel der spatzen herein, die unsichtbar verborgen im blät-
terwerk des efeus leben, der die mauer vor dem fenster
überwuchert. in diesem augenblick bin ich angekommen
„ich weiss, du mochtest meinen vater nicht und
vielleicht kannst es vielleicht jetzt nicht verste-
hen, aber er ist heute gestorben und ich habe
den kopf voll … donnerstag ist die beerdigung“
dass ich ihn „nicht mochte“ ist schon irgendwie
richtig – aber ich muss den mann, der sein kind
zur befriedigung seiner lust benutzte, auch nicht
‚mögen‘, oder? ich finde es unfair, dass er ein-
fach so abhauen konnte, bevor du ihm ins ge-
sicht gesagt hast, was er für ein widerlicher
mensch gewesen ist, auch wenn er in seiner
männlichkeit sich nicht von den meisten vätern
unterschied. ich musste ihn nicht mögen. dass
allerdings du noch glaubst, so etwas wie ‚liebe‘
für ihn empfinden zu müssen, nach all dem …
ich fände es durchaus angemessen, spucktest
du ihm hinterher, statt blumen, in sein grab. we-
nigstens diese geste. verstehst du? nur für dich
naturgemäss können wir unsere lösungen auch nicht in
der suche nach ihr finden, setze ich am ende einer un-
ruhigen nacht vergessener träume hinzu und mit der le-
bendigen erfahrung, dass dein einsames abendrot nicht
das ende aller tage sein kann, wohl aber … ein zuhause
eine spannende begegnung in kiel: murat müftüoglu. un-
bedingt anhören, lautet meine musikalische empfehlung
und was ist eigentlich ‚heimat‘, unterbricht er den rede-
fluss seines freundes. das, wovon wir fortgehen, oder
das, wo wir hinwollen, frage ich. wir finden keine lösung
„ich sitze im dachstübchen, es regnet, die berge
sind in den wolken verschwunden. alles ist gut“
lese ich, aber es ist bereits zu spät zum zurück-
schreiben. zumal ich noch auf der suche bin, mich
nicht festlegen kann. ich will sagen, dass es mir
gut tut, dich zu kennen und euch, will allgemein
sagen, dass es gut tut zu lieben ohne angst –
ja, inzwischen geht das; kommen, gehen, kein
festgehaltensein und keine sehnsucht über alle
wehre hinweg. ja. aber ‚gut‘ ist es … noch nicht
die türken behandeln mich noch schlimmer als die
deutschen, weisst du? (mit einer seiner beredten
gesten weist er irgendwohin.) mein bett, denke ich
die erkältung hat mich innerhalb eines halben ta-
ges von den füssen geholt. nach sechzehn stun-
den schlaf, einer heissen wanne, zwei tässchen
kaffee kreist in meinem kopf ein gedankenstrudel
die denken alle, ich bin blöd, weisst du? ich kann
das doch sehen. (mit seinem rechten zeigefinger
zieht er eine imaginäre linie zwischen seinen und
meinen augen, hin und zurück, damit ich verstehe.)
– schon, weil ich nicht aussehe wie ein deutscher
– wie, bitteschön, sieht denn ein deutscher aus?
– anders. anders als ich. jedenfalls nicht so wie du
– was’n glück! ehrlich gesagt, beruhigt mich das
zuhören. ausruhen. gleich noch ein wenig restsonne
geniessen. alle termine sind abgesagt, das handy
ist stummgeschaltet. in mir brennt der sommer nach
ich werde eine menge ändern müssen. wir sitzen auf der
veranda, rotes laub fällt aus den zweigen. ich bin in den
herbst gefallen, denke ich. über den steinernen tisch hin-
weg wird ein weisser plastikball geschlagen, später wer-
de ich mitspielen, als ob es ums leben ginge und mich zu-
hause fühlen. warum weiterreisen? wie ändern? wann?
das schwarze sweat-shirt werde ich überziehen, das mit
der flammenschrift auf dem brustschild: verlieb dich nicht
in mich. und werde ich mich wohler fühlen. letzter blick in
den eitlen spiegel: gut so. meine reise wird weitergehen
schmalblättriger rohrkolben, die früchte aufgeplatzt
und auseinanderquellend, kohldisteln stehen in typi-
schem gelbgrün, letzte sumpfweidenröschen blühen
und der kleine baldrian, beinah übersehen, am rand
man muss nicht mit jedem ins bett gehen, sagt sie. die
stille, die darauf folgt, ist kurz, ist wunderschön. dann
lachen wir uns entgegen, telefonwelten fern voneinan-
der und … irgendwie voreinander sicher. diesmal noch
foto: im grauweiden-sumpf (II)
siggenweiler, 14. september 2007
draussen: regen. im postkasten: werbung, kein brief
von der arbeitszwangsverwaltungseinrichtung – was
nicht wundert: ich habe geld gefordert, das macht die
sprachlos. seufzend schmeisse ich die werbung unge-
öffnet in den müll, stapfe die steintreppen hoch zurück
zu meinem kaffee, der inzwischen kalt geworden ist …
und während ich mich daran setze – weil versprochen –
alle hintergrundinformationen zu den tracks auf unse-
rem album „gestern war es“ sowie zur konzeption und
zur geschichte seiner entstehung zusammenzuschrei-
ben, gebe ich euch die möglichkeit zum entspannen-
den konsum einer klangkonserve: den gnadenschuss
„gnadenschuss. eine polemik“ (live, 04. august 2007)
(mp3; 4,5mb) (ogg; 3,7mb) (text)
toteissenke. weidensumpf. schwankend ein pfad auf
seggenbulten, übermannshohes rohr, ohne welle das
randlagg am moor; nur schritte entfernt lag eine welt
heute: die letzten hölzer in der schachtel sind abge-
brannt; natürlich. auf meiner ungeduldigen suche in
schubladen, in schächtelchen, auf regalen und abla-
gen, inzwischen fluchend, unter dem spanholz für den
ofen, rufe ich spätsommerabende zurück ins erinnern
foto: im grauweiden-sumpf (I)
siggenweiler, 14. september 2007
weil eine nachfrage kam, suchte ich meine aufzeichnungen
zu „um liebe weinend“ heraus und stellte fest, dass ich es
nicht mehr spielen kann. vergessen. so verschob ich eine
fahrt, einen termin und setzte mich hin, diesen chanson
nachzukomponieren, der von mir erzählt und von meinem
vater, davon, was er mir über beziehungen beibrachte; o-
der: was ich lernte ohne zu verstehen, so wie man einen
guten rat annimmt, ohne zu begreifen, dass er ein fluch
gewesen ist. gesang/gitarre/komposition/text: peryton;
arrangement: peryton & lisamarie tatz; flöte: julia m. borkert
„um liebe weinend“ (aus der cd „gestern war es“)
(mp3; 7,6mb) (ogg; 5,5mb)
selbst wenn mein kopf erneut durchleuchtet würde mit al-
chemistischen strahlen, durchquirlt, dass das aufstehen
schwer fällt und das atmen, danach, und das denken ins
träumen kippt: es wird nicht allzuviel mehr gefunden wer-
den als ein gehirn. das, allerdings, war dort zu vermuten
auch heute. ein hirn, walnussförmig und durchsaust. punkt
„mach’n punkt“ (live, 04. august 2007. premaster, 18-09-2007)
(mp3; 3,4mb) (ogg; 2,3mb)
ich sorge mich. dieser gedanke weckte mich auf, graues licht
vor den fenstern. im traum schenkte ich einem unbekannten
mädchen block und farben, damit es beschreiben möge, was
ihm wichtig ist. hinter den augen das dröhnen. ich sorge mich
und suche ein internetcafé, meinem traumwesen zu schreiben