hatten wir alle farben des lebens ausgespielt?
deine familie wartet, vermisst dich. rituale des
winters im schnee; unser kreis schliesst nicht
hörst du? träumst du? (vielleicht ist es einfach)
foto: kiel, 06.02.2009
hatten wir alle farben des lebens ausgespielt?
deine familie wartet, vermisst dich. rituale des
winters im schnee; unser kreis schliesst nicht
hörst du? träumst du? (vielleicht ist es einfach)
foto: kiel, 06.02.2009
zugegeben, dieser titel klingt fies; hat aber auch
was nettes, finde ich … und bleibt. eigentlich (und
freundlich) gemeint ist, dass ein alter aktivist sich
auf neue, sehr künstlerische (eis-) bahnen begibt
das tut mein freund h., wovon ihr euch in diesem
video überzeugen könnt, auf sympatischste weise
hier anschauen: feine sahne fischfilet ‚mit dir‘ (3:24)
foto: heinz wittmer & peryton
aufnahme + ©: thomas vallentin (berlin, 08.10.2006)
da fährt doch eben eine person auf’m fahrrad
vorbei, trägt einen windschnittigen helm auf’m
kopf, der wiederum trägt einen tuchüberzug
uiii, denke ich. ich bin verwirrt, nicht zu sagen
erschüttert: ein mützchen fürs helmchen! wa-
rum nur? damit helmchen nicht friert? mütz-
chen auf helmchen auf köpfchen – köpfchen
kann nicht frieren, da hirnchen … aushäusig?
‚eine person‘, habe ich gesagt, geschlechtslos
formuliert, um nicht das klischee zu bedienen
männer seien kopfmässig … äääh … weicheier
aber mützchen auf helmchen …? das hat so-
was von klorolle mit häkelhäubchenüberzug in
der rückwärtigen autofensterablage neben
dem mercedesdeutschen wackeldackel. aua!
da rast die kopfmaschine: unauslöschliche tra-
ditionen wehren sich generationenübergrei-
fend gegen als links verkannte bekehrungsver-
suche. keine experimente! (konrad adenauer,
1957.) freiheit statt sozialismus! (alfred dreg-
ger, 1976.) zieht mit, wählt schmidt! (helmut
schmidt, 1980). der letzte slogan sprang zu-
gegebenerweise ein wenig aus der rille, war
aber sprachlich wie inhaltlich schlicht genug
– also volksnah – gehalten, um erfolgreich zu
sein. wie das elend ausging ist bekannt: am
ende gewinnt immer ein kohl. drall, direkt und
durchsetzungsfähig. ach ja, und dialekt sprach
er auch noch. das hatte einfach was ehrliches
ja, doch, hier sind wir: deutschland. hier wählt
das arschgesicht allabendlich sich selbst zum
superstar. helm auf zum gebet! häkeldeckchen
drüber und rauf auf’s rad! auf, ihr stromspar-
helden, -heldinnen, der nächsten nachzahlung
entgegen! (seid ihr nicht auf hartz IV, könnt
ihr’s vielleicht sogar bezahlen. glück gehabt.)
und in den abendnachrichten berichten unsere
staatlichen verlautbarungsmedien (denen kein
mensch, der sich nicht augenblicks und endgül-
tig zum deppen erklären lassen will, unterstellen
kann, dass sie gleichgeschaltet wären, weil wir
uns heute – und das ist sowas von heilig, dass
gar nie nicht niemand mehr daran zweifel äus-
sern darf – in demokratischen zuständen be-
finden, die ein gleichschalten quasi unmöglich
machen) löblichstes von den neusten, deutsch-
französischen, humanitären kollateralnotwen-
digkeiten auf dem gebiet der alten kolonien
irgendwer muss ja die interessen der multi-
nationalen agrarkonzerne schützen, die ihre
genmanipulierten nahrungsmittel grossflächig
in mali freisetzen. da stören ‚rebellen‘ gewaltig
wie wären – kopf ohne helm vorausgesetzt –
mal solche parolen, bloss zum ausprobieren?
denken statt glauben!
handeln statt wählen!
burn monsanto!
dass in der teutschen linken zumeist nicht kapiert
wird, wie das ist mit den fronten und den freunden
und mit der historie und mit ‚links‘ und ‚rechts‘ und
so … sie haben halt allgemein schwierigkeiten mit
der theorie. was ja nicht schlimm wär‘, eigentlich;
würde das mit der praxis nur besser funktionieren
und würden sie nicht manchmal ganz fürchterlich
mit dem ‚freund und feind‘ durcheinander kommen
‚antideutsche‘ stehen nicht ‚links‘. sie werden von
denen, die sich selber gern ‚links‘ sehen, allzu gern
dort hingeliebt: ‚antideutsche‘ haben wenigstens
eine heimat, wo ‚uns linken‘ jegliche heimat aus-
getrieben wurde, damals – also im faschistischen
vorläufer dieser postfaschistischen republik. sie
wurde uns ersetzt durch ein anhaltendes, ein ver-
dammendes gefühl der schuld, einer verschwiegen-
en, unstillbaren sehnsucht nach räumlicher, sozia-
ler und gesellschaftlicher zugehörigkeit; aber eben
auch einer tiefen scham für das unfassbare han-
deln derer, zu denen wir uns nicht mehr zugehörig
fühlen können, fühlen dürfen: auf ewig heimatlos
die scham ist nach meiner einschätzung heute
noch angemessen und politische verpflichtung –
die schuldige sehnsucht aber ohne perspektive
meine heimat ist für mich gefühl. ist ein ort, an
dem ich bleiben will. meine heimat ist an vielen
orten. sie ist gefunden in menschen und gebun-
den an landschaften. heimat ist für mich kein
staat, ist keine schuld und keine übertragung
meine heimat hat keine grenzen, ist nicht gren-
zenlos. ganz sicher liegt meine heimat nicht im
deutschen, auch wenn ich meist in deutscher
sprache träume, spreche, denke. meine heimat
ist ein ort, der kritik verträgt und selber kritisiert
meine heimat ist liebe. ist unbequem. wünscht
und entzieht sich. heimat ist fern. heimat trägt
und erträgt. die heimat ist unbequem. heimat
kennt keller und schächte, kz und befreiung, ar-
beit, genuss, musse und drückende klebrigkeit
heimat spricht sich selbst. heimat nimmt auf, hei-
mat bleibt. heimat ist dort, wo ich nicht bin. hei-
mat liebt, blickt zurück, schickt fort. heimat ist
bedroht und bedrohlich. heimat ist süss, ist sper-
rig. entzieht sich. heimat kennt demut. heimat
ist herkunft und abgang. fluch, verfolgung, die
einzige liebe, letzte hoffnung, der grosse verrat
manchem ist sie alles, manchmal ist sie nichts
davon. heimat ist unbequem, immer wieder. ist
unfassbar, unbeschreibbar. ist zwang und opf-
ergabe. immer wieder krieg und flucht und fluch
heimat ist pathetisch, gefährlich pathetisch. ist
ein gegenstand. ein postkartenmotiv, aus dem
sperrmüllhaufen über die strasse geweht: deja
vu; nie wirklich gekannt und doch nie vergessen
meine heimat liegt weder im richtigen, noch im
besseren. meine heimat ist frei von religion, hat
manchmal ein geschlecht, lebt stets in den kul-
turen. sie ist erforscht und erfunden, erlogen
und erträumt, und einen moment lang fand ich
sie tatsächlich mittags in sommerhitze vor dem
centre pompidou, paris. so ist heimat immer per-
sönlich. und fremdbestimmt gibt es sie nirgends
foto: antideutsche müssen draussen bleiben?
31. oktober 2012
peryton, der morsche hirsch, hat heut den ganzen
tag bei ärzten verbracht, ist jetzt radioaktiv und
wird sich daher um ein baldiges endlager in gorle-
ben bemühen. wo sonst. schliesslich wird dort in
zukunft die alte, lauschige zonenrandruhe einkeh-
ren wie vor dem atomlagerrummel. die pilotkondi-
tionierungsanlage interessiert ja seit eh und je kein
schwein; und wovon nicht gesprochen wird, das
gibts auch nicht, in deutschland. also kein wider-
ständiges getrommel mehr, in der ‚freien republik‘
cool: grabesruhe über sand und endmoränen
aber ist dieser kampf jetzt gewonnen oder ver-
loren oder … verschwiegen und vergessen?
peryton, der fragile hirsch, hat nach etwa zwei jahren
schreib-, knochen- und denklähme das dringende be-
dürfnis mehr zu tun, als zu schweigen. aufmerksam
beobachtende konnten feststellen, dass die webseite
aktualisiert wurde und fehler, die ich schon beinahe
lieb gewonnen habe, stück für stück beseitigt werden
beim auswählen eines fotos für die veraltete „aktuell“-
seite fiel einerseits der eklatante mangel an aktuellen
fotos auf und – vor allem – andererseits: hat der typ
da an der ampel nicht wundervoll rotes zottelhaar?
ja, das da war mal der peryton. im frühjahr 2006…
daher jetzt zu euch: baut euren peryton neu. baut ihn
um. haare rot? haare rot und blau? haare rot und blau
und grün? sonstige wünsche, ideen, vorstellungen –
vom haupthaar mal abgesehen? … weihnachtswünsche?
(ist das nicht ein verlockendes angebot: ändere einen
anderen an deiner statt und bleib selber, wie du bist?)
lasst es mich wissen, via blog-comment, email oder
schneckenpost. ich warte und bin sehr gespannt
peryton, der debile hirsch, hat nach etwa zwei jahren
spielpause die arrangements vieler chansons schlicht
vergessen. das heisst nachkomponieren und … proben
`nie mehr live´, sagt er. seine hände sagen das auch
`hab gerade in deinen blog geschaut. da tut sich ja kaum
noch was´, schreibt sie. ja. schade. und ich habe im archiv
gekramt, um wenigstens mit alten klamotten zu schmücken
„lass deinen mund“ (live am 22.08.2008; 4:41min)
(livetechnik & aufnahme: markus aschenbrenner)
(mp3; 6,3mb) (ogg; 4,4mb)
wie der morgen, der über den feldern
liegt wie nebel, über äcker ziehend
wie ackerfurchen, in denen arbeit liegen
blieb, vergessen, verloren, liegen
gelassen, abgelegt wie dieser morgen
—
und als die nacht mit ihrer schwärze
mond hinter — auch die wolken schwarz
da hatte ich längst an dich gedacht
da habe ich, wie in den ackerfurchen
die arbeit losgelassen, abgelegt
niedergeworfen — und nach hause
—
wie morgen über den feldern
der nebel, irgendwo
foto: mond
februar 2012
glückwunsch, heinz: das schleudern von kartoffeln zu
sabotagezwecken gegen gentechnologie ist laut neu-
stem gerichtsbeschluss keine strafbewehrte handlung
„das verfahren gegen anti-gentechnik-aktivisten ging
am 3.2.2012 in neubrandenburg in die zweite instanz
die kritisierten amflora-kartoffeln der basf werden trotz
der eu-zulassung im jahr 2010 für freilandanbau derzeit
nur noch auf wenigen bewachten Feldern angebaut
am 4.5.2009, einen tag vor der geplanten aussaat der
amflora-kartoffeln verteilten einige aktivist_innen bio-
kartoffeln auf dem vorgesehenen acker, teilweise mit
einer schleuder“ (textauszug: heinz wittmer)
business as usual: mit dem alljährlichen castor-
transport nach gorleben bricht der staat mit
gewohnter gewalt alle rechte, deren er habhaft
werden kann. die staatspresse polemisiert, ver-
harmlost oder schweigt sich aus. abseits der
oftmals abgedrängten kameras werden demon-
strierende bedroht, geschlagen, festgenommen
nachdem der bisher längste atommüll-trans-
port auf der schienenstrecke durch zahlreiche
blockaden erfolgreich gestört wurde, geht die
polizei auf den letzten kilometern der strassen-
strecke vor gorleben mit grösster brutalität ge-
gen demonstrierende vor: business as usual
doch der widerstand hat gelernt, ist strate-
gischer geworden. eine der geglückten aktio-
nen: zwei anti-atom-aktivistInnen entern bei
grippel, etwa 7,5 km vor dem geplanten zwi-
schenlager gorleben, das dach des führerhaus-
es der vordersten zugmaschine und beweisen
so, dass auch der teuerste und bestbewach-
te atommülltransport gestürmt werden kann
wendland-net.de/castor-ticker-2011, 20:17:
„die beiden personen sitzen auf dem führer-
haus des ersten castorfahrzeuges, das sich
kurz vor grippel befindet. wie dies angesichts
der massiven polizeipräsenz passieren konnte
kann sich die polizei-pressestelle in lüneburg
nicht erklären. ‚wir waren hier auch sehr
erstaunt‘, so die erste reaktion eines polizei-
sprechers.“
nachfolgend links für all jene, die nicht vorort
widerständig aktiv und solidarisch sein können:
castor radio freies wendland – aktionsradio
castortv live-stream
wendland-net: castor-ticker 2011
graswurzel-tv: castor-dokumentationen 2011
n24 live-stream
ndr castor-ticker 2011
zdf mediathek
wendland-net: Nach 125 Stunden erreicht
der Castortransport 2011 das Zwischenlager
nachdem der castor-transport das zwischen-
lager erreicht hat, geht die polizei noch ein-
mal mit grösster gewalt gegen noch in laase
(etwa 4 km vor gorleben) befindliche ver-
anstaltungsteilnehmerInnen vor. auch ein
lautsprecherwagen und das sanitätszelt
wird ohne erkennbaren grund gestürmt. be-
obachter sprechen von „kriegsähnlichen zu-
ständen“ und davon, dass dieser gewaltex-
zess, dieses „nachtreten“ der polizei bisher
nach jedem castortransport in laase erfolgt
sei. die kameras der öffentlich-rechtlichen
medien zeigen auch heute davon nichts
mit einem mal alles auslöschen, was dich an mich
erinnerte; wie leicht ginge das heute: klick und weg
.
.
.
ich bin raus, sagt er. erst den toten gönnen die
kritisierten wortreich ihre zu lebzeiten vermiedene
zuneigung. also ich, sagt er, ich könnte ebenso
ausgiebig drauf pissen wie auf das grab der eltern
feuer gegen bahnanlagen sind angemessen und
steine fliegen gegen polizisten, die einen castor–
transport begleiten, ganz zurecht, sagt er im fort-
gehen. es wird sowieso zurückgeschossen, selbst
wenn du wieder nur gesungen hättest, du trottel
foto: hamburg, juni 2010
totgesagte kratzen sich das winterfell im morgen-
nebel, bleiben auf krummen beinen stehn, glotzen
zu mir her. die mag ich grundsätzlich lieber als
menschen, schon ihres duftenden haares wegen
in solchen augenblicken weiss ich um den luxus
meiner ausgewählten einsamkeit und ihrer stille
foto: 20. november 2011
an der wasserscheide angekommen
gilt entscheiden. entweder oder, vor-
oder fortwärts, alt- oder unbekannt
topographie blau. bergab ist prinzip
hier macht sich der reine tisch
wie von selbst
au bout de l’arc en ciel, il y a une maison
pfützen glänzen auf dem parkett, nach
dem grossen regen. x nimmt ihr bündel
auf, schaut prüfend zum dach, sagt:
es muss kaputt sein, schliesst sorgsam
die türe, wirft den schlüssel hinter sich
x geht fort
au bout de l’arc se trouve une maison
dem sänd‘ bandscheiba nausgschbiggt, sagt
der eine. nausgschbiggt?, fragt der andere
nausgeschbiggd, irgendwie, sagt der eine
eine pause entsteht
und nochot?, fragt der andere. reha, sagt der
eine
ree-haa? fragt der andere. glinnick, sagt der
eine. auuuuu, sagt der andere und zieht hör-
bar luft zwischen den gebleckten zähnen ein
wird scho it so schlemm werra, sagt der eine
und schliesst eine tür
peryton eilt davon, seine koffer zu packen
nachts hauen sie mir die tage schmerz-
voll um die ohren: da hast du’s, kind!
am morgen aber tun meine hände sich
gut und dir und ich weiss, dass wir sie-
gen werden, trotz alledem: unsere zeit
ausser manchmal. dann sage ich, im win-
ter wüchsen keine kirschen, sage, dass
unterm verfluchten schnee keine wege
zu sehen seien, sage, dass ich diese weis-
se pisse nicht mehr ertragen könne und
keine menschen, nein, niemanden mehr
höre ich, dass du weinst, ist es zum auf-
hören zu spät: zu weit. über die grenzen
den anfang wiederzufinden hiesse zurück-
zugehen, weiss ich wohl. die angst vorm
ersten schritt ist schwerer, als ihn zu tun
ja? ja. aber vielleicht ist es sogar einfach
aber du und ich, sage ich, das ist doch wie …
wir beide (im traum nenne ich unsere namen)
… wir beide, das ist wie paul und paula
da schaut sie mich an und schaut irgendwie
durch mich hindurch. ich bin mir nicht sicher
sagt sie. und: du verstehst mich nicht
„Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich würde sehr gerne, gratis ein Gedicht über
die Liebe bei Ihnen veröffentlichen.:
Liebe
Liebe ist ein Geschenk des Himm(…)“
surely not!!!
davon wird mir bloss schlecht, herr g.w. aus
m.; billige wortschlampereien kann ich eben-
sowenig ertragen wie bauchnabelüberwal-
lungen, arschspalteneinsichten, privatsen-
dernachrichten, poetryslam oder die allge-
genwärtige radiokaufhausmilitärhiphopsuper-
starreimschleimwearethewhiteworld-musik!
sie haben ganz bestimmt mehr erfolg und
zuspruch bei unempfindlicheren kulturbe-
stattern via myspace, twitter oder facebook