Archive for Januar, 2007

[ l‘ illusion de vivre ]

Sonntag, Januar 28th, 2007

ein kaltes echo schlägt herab von deinen bergen
ein gletscherbach schleppt holz und grauen stein
die wasser, die wir weinten, waren salz-
beladen und jene, die wir liebten waren heiss

ein türenschlagen im theater ‚einsamkeit‘
die garderobe ist verwaist, der staub verschweigt
die langeweile ebenso wie unser herzensglück
man lacht, man weint und nasepopeln über
dreissig ist nicht fein – man macht es heimlich
… die wasser, die wir liebten, waren heiss

écoutes-moi, mon amour, écoutes-moi
c’est toi, la raison de survivre
ma chère n’existe-pas, c’est toi
ma mélodie douleur, mon illusion de vivre
oui, c’est toi

nicht eines meiner lieder hat dein herz erweicht
das ist kein selbstmitleid, nur lahmes résumé
mit meinen liedern kann man zwischen tönen treiben
den alltag denen bunter machen, die sich quäl’n
doch hilft es jenen nicht, die sich von müll ernähr’n
… nur int’ressiert das keinen

ich bitte dich, écoutes-moi, zu bleiben
ich bitte dich zu warten, einen augenblick
ich bitte dich, écoutes-moi
ich bitte dich, j’appele à toi
ich bitte dich, rappeles-toi … zu sein

das kaltes echo schlägt also von deinen bergen
das holz der wurzeln und die steine schleppt dein fluss
die wasser, die wir weinten, waren salz-
beladen und jene, die wir liebten, waren heiss

hör mich an, meine liebe, höre mich
in deinem bahnhof hielten meine züge
die reise ist zuende, wenn du weinst und
wenn du lachst … fällt jedes abendrot ins
meer; nur weiss das keiner

écoutes-moi, mon amour, écoutes-moi
c’est toi, la raison de survivre
ma chère n’existe-pas, c’est toi
la mélodie douleur, l‘ illusion de vivre
c’est toi


[ attached: myself ]

Samstag, Januar 27th, 2007

unsicher war ich, ob meine post das ’nirgendwo‘
erreichen könne. verzweifelt genug war ich, sie
zu senden. gestern. tränen, fortgewischt, spä-
ter. und alkohol liess lachen, brachte schlaf

blanke angst, als ich erwache, vor einer antwort

kopf an. ton im ohr. draussen vor dem fenster
müssen vögel sein, spatzen im morgenstreit

letter to nowhere, im anhang ein ganzes leben


[ ich lege auf ]

Freitag, Januar 26th, 2007

dann beugte er sich nach vorne, seine mine noch immer faltig
angespannt, als ob es ihm mühe bereitete, seine augen abzu-
wenden von meinen lippen, von meinen augen, um einen stift
heranzufingern und ein kleines stück papier von anderer stelle
und während ich mich im reden gestört fühlte durch sein han-
deln, zögerte, schob er das blättchen zu mir herüber und sank
augenblicks (erleichtert?) zurück ins polsterplüsch der sessel-
lehne, wobei sein schmaler körper – soweit er über die schreib-
tischtiefe hin zu sehen war – ins wippen kam, vorwärts, rück-
wärts, vorwärts. ich gebe ihnen diese nummer, sagte er – ein
schneller blick von meinen augen zum papier, zurück zu mei-
nen augen -, da schick ich alle meine schweren fälle hin. das
gefühl verstärkt sich, er habe mir nicht zugehört, am ende

und dann? dann sitze ich vor einem telefon. irgendwann ge-
lingt es mir, der hörer ist aufgehoben und die nummer ge-
wählt. eine automatische ansage fordert zum sprechen auf

wie – aber – formuliert ein mensch, dem die worte abhanden
gekommen sind, dass ihm die worte fehlen und die träume
(oder nicht?), dass alles fehlt, verloren ging, es schweigt, wo-
von endlich zu reden wäre und dass das so auch wieder nicht
gesagt sein kann, weil ruhe das nicht ist, dies durcheinander-
schreien

ich lege auf


[ sackgasse ]

Donnerstag, Januar 25th, 2007

’nein, ich weiss nicht, was ich will; aber du, weisst du es?‘

darauf habe ich nicht mehr geantwortet. weder machte mein
wissen mich glücklich, noch meine antwort sie. wozu also


[ ps: goodbye, my love ]

Sonntag, Januar 21st, 2007

bis hier gekommen und
nicht weiter. von jetzt an
geht der weg zurück bis dort-
hin, wo ich das wesentliche
– unachtsam –
verlor

du hattest recht, dass irgend-
wann die letzte kraft verbraucht
ist und der fall beginnt

jetzt, haltlos
stürze ich dir hinterher:
hello, goodbye, my love


[ ankündigung von schweigen II ]

Donnerstag, Januar 18th, 2007

um einen abschiedsbrief an euch zu schreiben, bin ich hierher
gekommen, um zu erklären, dass ich ruhen muss, dass auch
mein kopf die pause machen muss, die nötig ist, schon lang

ich muss – ich will – ein wenig schweigen


[ peryton special: live-mitschnitt VI ]

Mittwoch, Januar 17th, 2007

ein vorerst letzter höreindruck vom mitschnitt des konzerts
am 08. oktober 2006. die qualität ist, wie bei den vorherigen
ausschnitten eher bescheiden; aber das liegt in erster linie
daran, dass ich die stücke ganz fix am untauglichen rechner
zusammengepopelt habe … einzig, damit ihr möglichst schnell
noch etwas zu hören kriegt, bevor die grosse stille anbricht

„als ich bei dir war“, live am 08. oktober 2006
(mp3; 3,7mb) (ogg; 4,5mb)

–> live-mitschnitt I
–> live-mitschnitt II
–> live-mitschnitt III
–> live-mitschnitt IV
–> live-mitschnitt V


[ still ist die nacht ]

Dienstag, Januar 16th, 2007

das schleifgeräusch des zündholzköpfchens, bevor es funken-
spuckend eine flamme aufwirft, der kerzendocht verglimmt zu
einem stummel, fängt endlich feuer. vier uhr sechs. die nacht
ist ungewöhnlich still. in einer ferne rauscht die autobahn, der
sturm der letzten nacht scheint auszuruhn, an einer strassen-
ampel fährt ein auto an. wenn eine dieser polizistenkisten nä-
her kommt, beobachtend verzögert, einparkt; das klingt immer
gleich und lässt sofort erwachen. das ist es heute nicht

die nächte sind zu warm in diesem winter; nein, das ist nicht
angenehm, trotzdem ich wärme liebe: die klimakatastrophe lä-
chelt, sie ist ‚an‘. und du? mein abschied, gestern, war ein griff
ins fell, ein weicher, die wehmut zu beherrschen ist trainiert;
das fehlt dir vielleicht noch

der becher mit der kerze kippt, der docht taucht unter einem
wachs-tsunami ab: das licht ist abgesoffen. ob sie auf antwort
wartet? da: das kopfgeräusch ist plötzlich laut, ein ampelauto
bremst, an einer haltestelle stoppt ein linienbus … ausserge-
wöhnlich still ist diese nacht


[ (über-) lebenshilfe ]

Montag, Januar 15th, 2007

kommst du alleine wieder raus, aus deinem liebessumpf?

falls du beim weg zurück ins kahle leben unterstützung
brauchst: ich reichte dir glatt eine hand______voll spott

alors … wenn’s denn gefällig ist, madame …


[ traumbaum ]

Sonntag, Januar 14th, 2007

am stamme meines traumbaums lehnte ich
und sehnte mich in den sommerschatten

die wünsche fielen von den kahlen zweigen
ab, gleich schnee, dem winterlaub

ich frage: ist es wirklich gut?
fragst du: riskieren wir’s?

am stamme meines traumbaumes lehne ich
und lerne … schweigen


[ changé ]

Samstag, Januar 13th, 2007


 

weisst du, ich habe mich sehr verändert. pause. glaube ich

dass ich derartiges von mir gebe, ist eigentlich nicht erwäh-
nenswert; dass ich spreche, trotzdem keine weitere person
in der nähe ist, schon

aber nun schau doch mal: ich habe mich wirklich verändert:
alt und wunderlich bin ich geworden
 

foto: boltenhagen, 11. november 2006
pernille & peryton © 2006


[ guggs du gästebuch: bullenstaat & tippelei ]

Freitag, Januar 12th, 2007

damit sie dort nicht ungelesen verborgen bleiben, verweise
ich die werte leserInnenschaft auf herzhafte polemik zu den
themen ‚bullenstaat‘ und ‚autoritäre traditionsfetischisten / wandergesellen‘

damit die zusammenhänge leichter verständlich sind, habe
ich ganz eigenmächtig in diese fremd-beiträge links gesetzt
zu vorher erschienenen artikeln der selben autorInnen


[ madita julie ]

Donnerstag, Januar 11th, 2007

irgendwann wird’s sicher ganz ansehnlich sein, sage ich, schie-
be testweise einen zeigefinger unter die herabhängenden finger
der hand, die sich sofort schliesst, feucht-kühle klammer, leise
ahnung zupackender kraft unter einer zu weit scheinenden hülle
schrumpeliger haut

irgendwann wird’s ein richtiger mensch, ganz sicher, sage ich
wieder, immerhin hat sie schon eine wunderhübsche nase

und ihr vater lacht, wiegt sie vorsichtig auf seinen armen, ein
wenig unbeholfen, ein meer an zärtlichkeit im blick und … stolz


[ das war’s. oder? ]

Mittwoch, Januar 10th, 2007

ich melde mich wieder bei dir, sagte sie. und das war’s. ich
melde mich nicht mehr bei dir, hätte es wohl heissen sollen
und das wäre ehrlicher gewesen. wartenlassen ist … unfair

aber um fairness geht es in solchen situationen eher selten

(das war’s also, oder? umblättern, zuklappen, weglegen. hm?)


[ botanische exkursionen: nachschau & ausblick ]

Dienstag, Januar 9th, 2007


 

dieses foto musste noch nachgereicht werden: vielleicht macht’s
ja lust auf die nächste runde: geobotanische exkursion in den
treptower park (berlin), am 04. februar 2007, ab 10:00 uhr ct

weitere informationen / anmeldung: hier
 

foto: exkursion ins ’nsg gleistalhänge‘
01. dezember 2006


[ das. vielleicht ]

Montag, Januar 8th, 2007

das lachen ist es, an das ich mich erinnert fühle. vielleicht
daher das träumen. vielleicht. ich sagte schon, dass ich in
mancher antwort unkonkret bleibe, inzwischen. die hecken
sind hochgewachsen, der brunnen speit staub: ich bin ein
gärtner, der verdorrte rosenstöcke hegt, winter zu winter


[ rollende kanonenfresse – oder: grüsse nach wien ]

Sonntag, Januar 7th, 2007

„Nun weiß ich nicht, wie Du zu Neujahrswünschen stehst.
Ich bin ja nun nicht so esoterisch veranlagt, denke aber,
dass es besser ist, Dir so alles Gute zu wünschen, als es
an Burzeltagen zu tun, an denen man sich sowieso saualt
fühlt. (…) Ich bin in Wien. Und es ist nicht ganz so toll, wie
ich erwartet hatte.“

geburtstage ignoriere ich aus gründen, die zu wiederholen
ich vermeiden muss, um nicht mit einem einleitenden satz
schon langweilig zu sein – das kommt dann später, mit den
jahren der vergesslichkeit gewiss. und neujahrsgrüsse sind

… von deiner wiener warte aus mit einer ordentlichen por-
tion nachsicht zu verstehen, nachzusehen und kommen-
tarlos – nahezu – entschuldigt, dir, dem heimwehschwang-
ren reisenden

doch denkst du eigentlich an jene, die im schäuble-siechen
deutschland bleiben mussten??? das nenn ich herzlos; min-
destens aber unsensibel

dass du in deiner traurig-engen seelen-öde allerdings an
mich
denkst, macht fast alles wieder wett. unter dem wert-
losen siegel der verschwiegenheit verrate ich dir deshalb
ein geheimnis, das gar keines ist: wien ist nach kurzer zeit
der trunkenheit genauso scheisse wie jede traditionsbe-
hängte stadt, die, narzistisch, sich in ich-sucht allzu häufig
selbst den walzer gibt

vertrautheit vermisst du dort? ich hier auch – doch nein: vor
wenigen tagen winkte eine polizistenkelle mein auto an den
strassenrand. ein arschlochgrinsen beugte sich zum fenster-
spalt hinab – glaube mir: ich fühlte mich direkt … zuhause

mit strammen wintergrüssen aus dem land, das den vertei-
digungsfall „leben gegen leben“ nicht gar so ungeil findet –
sonst würde ein gerechter mob die rollende kanonenfresse
… kippen


[ was soll das? ]

Samstag, Januar 6th, 2007

ist es nicht ehrlicher, ein projekt gescheitert zu nennen, das
sich fruchtlos über die monate schleppte? so viel ideenvolle
zeit ist kaputt gegangen … irgendwann gibt es für’s verzö-
gern keine erklärungen mehr, nur noch ausreden. sag doch:
ich kriege das nicht hin. dann lassen wir los, tun so, als ob
nichts verloren wäre, gehen getrennter wege weiter. immer-
hin sind es meine nerven, auf denen deine selbstdarstellung
zu balancieren suchte

genug. ich habe kein verständnis mehr, keine lust mehr auf
hingehaltenwerden, keine kraft mehr zu grossherzigem ver-
zeihen und – ja: ich fühle mich getäuscht

[ winterprofile. zwei ]

Freitag, Januar 5th, 2007


 

foto: winterprofile. zwei
friedrichshafen, 11. dezember 2006


[ werwino vollmondkind ]

Donnerstag, Januar 4th, 2007

„oha und wenn’s heut nacht kommt wird’s ’n werwino“

sagt h., nein, schreibt er. dann: nein, aber man müs-
se sich doch mal wieder sehen. weil ich gefragt hatte
ob er noch fit sei, so spät abends, weil er erst sehr
spät zurück kommt von der „zertifizierten ausbildung“
zu der ihn die arge (agentur für arbeit) überredet hat
irgendwie, gegen alle vernunft und wirklichkeit, ein-
hundert kilometer entfernt. macht insgesamt zwölf-
einhalb stunden

sofern der zug nicht verspätung hat, sagt er