[ auf halbmast. berlin ]

aus. jetzt wohnt die stille in der stadt. ton-
los starrt der handymann zur seite, hand am
ohr. ampeln stehn auf rot. selbstvergessen
popeln wartende in graumelierten nasen, ein
strichbaby macht gähnend feierabend: wei-
nerliche ficker sind die schlimmsten. wortlos
schiebt man currywürste übern tresen: keine
eile mehr. die totenstille nach den grossen
gesten

selbst der heisse wind scheint zu flüstern. er
schraubt sich in spiralen auf, packt erschöpfte
siegeswimpel, die gestern steif und strotzend
schwarzrotgoldne hahnenkämme waren, an-
geschwollen vor dem grossen kampf – aus. ‹wir›
sind verloren. ‹wir› ham verspielt. ‹wir› lassen
aufgereckte arme wieder sinken: geschla-
gen. geohrfeigt. gemeuchelt. totgeschossen. ein
volk schleppt sich in trauer

und was in jämmerlichen resten sackt, herab-
hängt, nachschleift, in den gossen staubt, sieht
heute mehr denn gestern aus wie windeln, aus-
gebrauchte: der deutsche arsch hat blutig aus-
geschissen seinen stolz


4 Responses to “[ auf halbmast. berlin ]”

  1. ts sagt:

    Schade!

    Der ganze weggeknickte Patrioten(und Patriotinnen-)stolz, an dessen Fehlen «ich» «mich» nicht sattsehen und -lauschen konnte, kam gestern umso geballter zurück. «Wir» glauben wieder, wer zu sein, weil 14 Menschen sich beim sportlichen Gerangel beglotzen liessen! Nachdem «die Portugiesen» fachgerecht aus dem Weg geräumt waren, hatten «wir» wieder Mut zu herablassenden Äusserungen über die «Scheiß-Italiener», deren «Land und Essen ja ganz gut» sei, «die» aber «vom Fußball her scheiße» seien. Vergessen war scheinbar die Schmach… Konnten «Sie» «uns» also nur «besiegen», weil «wir» eine noch braunere Scheiße sind?

    mit lieben Grüßen von «mir» an «Euch» alle

  2. z sagt:

    lieber hend ich finde diese formulilerung toll – wenn nur die leute nicht waeren – muss jedoch gestehen dass ich perys enschränkung meinungstechnisch teile, jedoch denke ich – ich darf mich nicht beschweren, bin ich doch selbst ein leut geworden, so wie ich nie sein wollte, by z

  3. peryton sagt:

    lieber hend

    ich muss indiskret sein. du wirst es mir sicher verzeihen, auch wenn ich aus einer privaten mail zitiere, die du mir nach deinem kommentar geschickt hast . aber das gehört, finde ich, noch hierher, (d)ein nachsatz, sozusagen:

    «Ja, es passte nur zu gut zu Deinem Blog. Dieser Patriotismus (ein
    sehr lieber Freund meinte gestern: «Patriotismus! Dass ich nicht lache!
    Fähnchen ans Auto hängen macht noch lange keinen Patrioten! Wenn sie
    Patrioten wären, würden sie pünktlich ihre Steuern zahlen!» – wie recht
    er hat.) steht in keinem Verhältniss mehr zu den Missständen.

    Das Land, ja, das Land mag ich sehr! Ich liebe die Berge, allen voran
    natürlich zu Hause, der Odenwald, aber Schwarzwald, Rheintal, das «alte
    Land», Nordsee, Kieler Förde, Alpen und auch Niederbayern – das Land ist
    wunderwunderschön. Wenn nur die Leute nicht wären.»

    ja, hend. auch wenn ich einschränken will: wenn nur bestimmte leute nicht wären …

  4. hend sagt:

    Ich sollte eigentlich arbeiten. Mich vorbereiten auf die Schulung morgen früh, nachher (Schüler dürfen schlafen, Lehrer nicht). Aber in Frankfurt wurden heute Abend 250 demonstrierende Studierende festgenommen. Ihnen wird u.a. Landfriedensbruch vorgeworfen (StGb §125).
    Jetzt mache ich unerwarteterweise den EA für die lieben Freunde da, die vergangene Woche noch beim Theaterfestival auf Bühnen spielten, Scheinwerfer aufhingen, Kaffee kochten, sangen, tanzten, frühstückten, dannlieberdochnichtandenSeefuhren. Ich bin hier wirklich nicht mehr zu Hause.

    Richtig müde: Hend.


    – nachtrag von peryton an alle, denen diese materie fremd ist:
    «ea» ist die abkürzung für «ermittlungsausschuss» – das ist eine
    anlaufstelle für menschen, die bei politischen aktionen von polizei-
    kräften festgenommen wurden, auch vermittlungsstelle für rechts-
    anwaltliche unterstützung und gegebenenfalls pressestelle

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