wer weint mit mir
wenn ich müde bin
im schlaf?
wer weint mit mir
wenn ich müde bin
im schlaf?
es hat geklingelt. stimmen im flur. ich lausche über
die schulter zur tür: den kenne ich doch …? es ist der
schauspieler s., der damals am kieler schauspiel-
haus in harold pinters „bergsprache“ spielte und in
„noch einen letzten“
wie er kurz darauf bei einer tasse kaffee erzählt, ver-
liessen einige zuschauer die vorstellung türenschla-
gend. das war sicher nicht einfach für die darstellen-
den, denke ich, mich an jenen unvergesslichen thea-
terabend erinnernd
aber so ist das eben mit der kunst: nicht alle können
viel mit ihr anfangen, trotz ihrer kleinbürgerlichen be-
mühung
ich habe einen brief verlegt, einen wochenlang mit mir herum-
getragen, ohne die ruhe zu finden, ihn weiter zu lesen als den
freundlichen anfang; doch ich bin nicht einverstanden mit mir
so viel zeit müsste immer sein. immer. sage ich und weiss
um die verfallszeit von idealen, den rost auf unserer seele
(und das, lieber freund, war noch ein beitrag zum thema ‚altern‘)
foto: nach dem konzert
berlin, 07. oktober 2006
aufnahme: thomas vallentin
copyrights: peryton & thomas vallentin ©
einen herbsttag lang unterwegs auf alten
pfaden, fast vergessen. da waren wir und
dort, ein paar alte bäume glaubte ich zu
kennen und den ausblick nach südosten, ü-
ber die hügel hin, fast unvergessen
du bist nicht, nicht du und nicht du. auch
die wege sind nicht mehr die gleichen. ich:
alleine. so wenig einsam war ich nie
an das jobcenter heidelberg
– markt und integration –
speyerer strasse 6
69115 heidelberg
– per email –
das kunstprojekt peryton – perspektiven einer kunst
jenseits von verwertungslogik und vermarktung. ein
offener brief
der abschluss meiner deutschlandweiten konzertreise
im oktober 2006 ist ein geeigneter zeitpunkt, die vom
derzeitigen geldgeber, dem ‚jobcenter heidelberg‘, ge-
wünschte wirtschaftlichkeitsprognose im rahmen einer
wertenden betrachtung der künstlerischen konzeption
des projektes ‚peryton‘ vorzunehmen und daran an-
schliessend eine weitsichtige prognose zu wagen
in einem land, dessen bildungssystem über jahrzehn-
te hinweg bemüht scheint, schreibunfähigkeit zur all-
gemeinen norm zu befördern, einem land, in der die des
lesens (noch) befähigten seit herbst 1989 mehrheitlich
den konsumentInnen der tageszeitung ‚bild‘ zugerech-
net werden müssen, kann bereits das überaus positive
echo der zahlenmässig kleinen bis familiär zu nennen-
den zuhörerInnenschaft als erfolg gewertet werden
der versuch, unter dem titel ‚chanson und lyrik‘ lied-
und textbeiträge im wechsel zu präsentieren, die alle-
samt an einem autonomen künstlerischen ideal aus-
gerichtet sind, nicht am kunsthandwerklichen massen-
schnitt eines mainstreams, hat gegriffen, hat die zu-
hörerInnenschaft ergriffen. angesichts der inhalts-
’schwere‘ der lyrischen form sowie der den meisten
ungewohnten musikalischen form war dies die bestä-
tigung der künstlerischen konzeption sowie ihrer um-
setzung auf der bühne und lässt die prognose zu, da-
mit auch zukünftig erfolgreich zu sein, was heisst: ge-
sucht, verstanden und positiv aufgenommen zu wer-
den
vom standpunkt einer gewinn-verlust-rechnung aus
betrachtet war die konzertreise ein desaster. mit der
absage des abschlusskonzerts aufgrund technischer
probleme auf seiten der veranstalterInnen konnten
die gesamteinnahmen gerade einmal die reisekosten
ausgleichen, wobei die vorauslagungen für werbung
und organisation nicht berücksichtigt sind. wäre der
begleitende musiker nicht mit einem minimalen obu-
lus zufrieden gewesen …
dennoch
dieses land ist derzeit beteiligt an kriegen unterschied-
lichster fronten. es ist in der lage, ohne scham und oh-
ne nennenswerte oppositionelle kritik soldaten loszu-
schicken, ohne frage nach dem unausbleiblichen ge-
sellschaftlichen wertewandel hin zu allgemeiner akzep-
tanz von gewalt und – selbstverständlich – ohne eine
frage nach der wirtschaftlichkeit destruktiver militär-
politik und der ihr eigenen marschmusikkultur. dieses
faktum ist den uniformköpfen bekannt und – sage ich –
um von den inneren problemen abzulenken, nicht jenen
nur bequem: in deutschland bleibt kein hochgeriss’ner
rechter arm ohne verheerende folgen
historisch wie menschlich gesehen gibt es akuten be-
darf an konstruktiver kritik, an einer kultur der kritik, al-
so einen dringenden bedarf an kritischer kunst jenseits
von vermarktungsinteressen und wirtschaftlichkeit, jen-
seits aller ansprüche alltagsgewöhnlicher happyness-
events und vor allem jenseits politischer gefälligkeit:
eine kunst, die nicht politisch ist, ist keine kunst
– sie ist blosse dekoration, ist kunsthandwerk
und daraus folgt:
peryton ist und bleibt politisch, bleibt bitter, bleibt
süss, bleibt allseitig quer und bleibt gerade, bleibt
unmodern lyrisch und lyrisch brandaktuell. peryton
wird seinen beitrag zur kritischen kultur weiterhin
leisten, selbst wenn die lack und leder tragende
bezahlkunst stets den finanziellen erfolg im schun-
keln des politisch opportunen abgreifen wird
peryton ist auf dem richtigen weg – und bedankt sich
bei seinem ihm so herzlich gewogenen publikum für
die vielen unvergesslichen momente, begegnungen
und erfahrungen an den verschiedenen spielorten
deutschlands
dann werde ich singen (on a fait le compte)
wenn die nachbarskinder mit den flammen
spielen unter euern dächern, so wie wir damals
zündelten unter luftschutzdächern, unter rohem
holz im wald, in ruinenkellern, aber ohne arg
wenn sie gebrandmarkt haben, also
was euch wichtig schien
wenn sie den müttern gesagt haben, dass ihre
milch bitter schmeckte, niemals besser als die
schläge ihrer abendväter, wenn sie die schulen
besuchen, um fenster einzuwerfen mit büchern
in sprachen, die zu verstehen niemand sie
lehren wollte, wenn sie ausgespien haben
ihren zorn und fortgegangen sind, endlich
ohne traurigkeit
dann
werde ich meine lieder dazu singen, meine
brennenden lieder von der liebe und davon
dass der warnungen genug gewesen sind
seht ihr? seht ihr?
on a fait le compte
alle fotos lassen sich
– wie immer in diesem weblog –
durch anklicken vergrössern
fotos: daniel verdier (bass) & peryton (gesang/gitarre)
im ‚zimmer 16‘, berlin-pankow, am 07. oktober 2006
aufnahmen: thomas vallentin
copyrights: peryton & th. vallentin © (2006)
weil ich nur am wochenende kostenlos telefonieren kann, du
da aber ‚dein wochenende‘ hast, bleibt mir die bittere mög-
lichkeit, dich irgendwann in der woche anzurufen. wo ich meist
unterwegs bin – und wenn dann abends telefonierbereit, hast
du deinerseits bereits ‚feierabend‘. also: schwierig
ich werde es dennoch irgendwann hoffnungsvoll probieren
und hoffen, nicht wieder an deinen verkackten anrufentge-
gennehmer zu geraten, der dir meine anrufe zu verschweigen
scheint. ein anrufentgegennehmerundverschweiger
(entlassen, das scheissding!)
alle fotos lassen sich
– wie immer in diesem weblog –
durch anklicken vergrössern
fotos: daniel verdier (bass) & peryton (gesang/gitarre)
im ‚café brazil‘, lübeck, am 05. oktober 2006
aufnahmen: neoviel
copyrights: peryton & neoviel © (2006)
müde? ja
zufrieden? ja
sogar mein rastloser spott räkelt sich wohlig in gemütlichkeit
aber morgen, morgen …
„warstdudas,spurengeklautenlackstiftsne
benmeinertür? ; ) bewahresieinmirauf…“
ja
am rand des durchwanderten landes eine kühle
abendsonne, fast grau. alle jahre liegen in dieser
rückkehr, alle umarmung in der einen, jedes haar
und aller duft, die nacken zu breit, umfasst zu
werden, sinke ich schwerelos. (glück?)
dass sie mich vermisst haben, ist nicht gewiss
und nicht, dass sie sich sehnten, wohl aber, dass
sie sich meiner sicher sind. (glück?)
nachdem ich das konzert fortgesetzt hatte, kam einer
der bis zur stammelnden blödheit betrunkenen wie-
der herein, setzte sich geräuschvoll. in der pause zum
folgenden chanson stand er auf, ebenfalls geräusch-
voll, taumelte ein paar schritte und verharrte handlungs-
bereit neben dem ausgestellten gasbrenner. dann, laut
durch die stille des raumes: ist dir kalt? soll ich die hei-
zung anmachen?
ich, im freundlichsten ton, den ich finden konnte, jedes
wort betonend: dann bringe ich dich um
der weitere verlauf des konzerts blieb ohne störung
dann war die stille wiedergekommen. in den
fensterbänken brannten die letzten lichter ih-
rem ende entgegen. von draussen die stim-
men der gäste, die nicht fortgehen wollten. in
der kuppel klangen mir die lieder nach. ich lehn-
te rücklings an bröckelnden wänden, wünsch-
te, sie käme jetzt herein
und sie kam
wie … fast zweihundert tacken für die telefonrechnung?
eine schöne stange geld ist das. bei 345 eus sozi-kohle
bleibt nicht mehr viel fürs futter und fürs benzin
aber immerhin: du hast eine menge anrufbeantworter
glücklich und anderen leuten ihre probleme mit leeren
handyakkus deutlich gemacht
…
in zukunft, leute, ruft ihr zurück
was für einen unfug träume ich da, denke ich und
wache auf, erzähle ich. ich weiss nur noch, dass ich
von dir geträumt habe, etwas ziemlich verrücktes
ich hab auch irgendwas von dir geträumt, aber, sagt
er, auch ich kann mich nicht mehr erinnern
wir lachen. und am telefon klingt ein lachen hunder-
te von kilometern weit entfernt
und da ist noch, dass ich ein alter sack bin
für mich war das immer ein problem (die
verdammte geschichte mit den hierarchien)
– und für dich ja auch. lüg jetzt nicht wieder
aber heute weiss ich das zu schätzen
03. 10. 2006: ‚café balthes‘, ravensburg (marktstr. 31)
05. 10. 2006: café brasil, 23554 lübeck (willy-brandt-allee 9)
06. 10. 2006: sankt gertraud hospital, 39576 stendal (scharnhorststr. 2)
07. 10. 2006: ‚zimmer 16‘, 13187 berlin (florastr. 16)
08. 10. 2006: ‚gesinndehaus‘, 88048 friedrichshafen-ittenhausen (rotachweg 1)
beginn jeweils pünktlich (!) um 20:30 uhr
ausnahme: ‚café balthes‘ (ravensburg), 21:30!
foto: berlin, 17. september 2006
n. veres © 2006
„abhaun löst das problem nicht“ (gottfried
schlögl) … weisst du noch?
es ist mir egal, ob du schwul wirst, ob du eine
geschlechtsumwandlung machst, deine haut-
farbe wechselst. alles egal. es beantwortete
allerdings einige der zentralen fragen, setzte
dein ‚du verstehst mich nicht‘ in anderes licht
und stellte die schuldfrage neu; aber anders
das wäre mir alles egal, verstehst du?
dass ich mich entschied, allein zu bleiben ist
eines meiner probleme. deine liegen nach wie
vor woanders; abhaun löst eben gar nichts
bitte, sag jetzt nicht, ich könne dich einfach
nicht verstehen. bitte. b-i-t-t-e sag es nicht
etwa zwei wochen lang habe ich nichts ande-
res gemacht, als unter oder in oder auf jenem
auto zu liegen, das daniel und mich mitsamt
aller audiotechnik zu den konzerten tragen
soll. schrauben, schweissen, sägen … eigent-
lich können meine finger sowas nicht. wäre
er nicht gewesen, hätte der tüv auch beim
zweiten anlauf keine gnade gekannt
die erste jungfern-test-fahrt, gestern, war ein
teilerfolg: die zum glück anscheinend notwen-
dige panne ereignete sich wenige kilometer
vor dem ziel. das abgestorbene teil wurde er-
satzlos entfernt. angesichts der bevorstehen-
den aufgabe wird ein kühlerthermostat zur
vernachlässigbaren lappalie
rechnet nicht damit, dass ich in der nächsten
zeit hier schreibe. mit schmerzenden händen
spiele ich die gitarre für die letzten proben
und bin dann singend unterwegs zu euch
die ausstellwürdige polemik des ‚detlef a.‘, ge-
funden bei veganismus-blog. viel vergnügen!
„Wer noch irgend einen Zweifel hatte, dass
es sich bei Tom Falkner um einen faschisti-
schen Sektierer handelt, der sollte wohl lang-
sam eines besseren belehrt sein. Dieser heuch-
lerische, schulbubenhafte Spinner ist noch
nie Antispeziesist, noch Antifaschist gewe-
sen, wohl aber schon oftmals Nazimitläu-
fer. Aber Fragen dazu werden so und so
kommentarlos gelöscht. Gut zu diesem an-
geblichen Faschoaussteiger Falkner passt
auch Georg Hemprich, der ja immer noch
mit Leuten leiert ist, die offen im Netz da-
rüber fantasieren, wie man Tierrechtlern
die Schnauze einschlägt oder sie mit Benzin
übergisst, um sie abzufackeln. Aber was
stört so etwas Braunarsch Hemprich, der
gegen Faschos singt und mit seinem Arsch
aber permanent bei ihnen hockt. Ihr seid
doch genau die Faschos, vor dem das Tier-
recht bewahrt werden muss, Nichtvegane
Speziesisten, die das Tierrecht nur für ihre
egomanen Zwecke missbrauchen.“
genau, herr ‚a.‘!. reintreten in den spezisi-
stischen braunarsch. aber so rrrrichtig!!!