offline. out of time. not available. ab zehnten
dezember stationäres leben. to reset. to re-
boot. endlich vernünftig gegen alle vernunft
[ einer fliegt über das kuckucksnest ]
Dezember 6th, 2007[ who is who ]
Dezember 5th, 2007
was kannst du sagen, über dich, beim morgend-
lichen who is who, wenn dir der regen spiegel ist
und auch die pfützen, wenn dir die seele aus dem
leib zwischen die himmel-hölle-pflastertritte rinnt
ich schreibe mir das leben hin und in die lücken
lügen. ich weiss es – oder besser – nicht. ihr auch
[ nachbarschaften ]
Dezember 4th, 2007
„… und ich bin so nervös, wenn ich mir vorstelle
auf der bühne zu stehen … hast du mundharmo-
nika geübt? ich geb dir zwei monate … du musst
dir u_n_b_e_d_i_n_g_t mein neues lied anhören“
das buch liest sich auf den ersten seiten so müh-
sam, dass ich beschliesse, mich nicht weiter zu
quälen. zuklappen. ein schluck kaffee, schräger
blick zum nachbartisch, an dem eine frau auf ei-
ne zweite einspricht. „ich weiss gar nicht, was ich
anziehen soll. meine lackschühchen?“ sie hat ei-
nen asiatischen gesichtsschnitt, raucht in schnel-
len zügen, stösst ihre zigarette hektisch auf den
rand des aschenbechers. „… das schwarze kleid-
chen?“ längst habe ich begriffen, dass dies leben
besser ist als ein schlechter roman mit schlech-
ten rollen und schlechten dialogen. „ich möchte
nicht zu viele gecoverte sachen singen … meine
mammi hat sich voll gefreut“. ja, so klingt das
wohl, wenn girlies grösser werden, wenn sie ihre
weissen stiefelchen gegen spitze schwarze tau-
schen, wenn sie ihren alkohol selber bestellen
dürfen – und wenn sie’s tun. „dann kommen alle
nur um m_i_c_h zu sehen“. eine mischung aus
abscheu und dankbarkeit überfällt und über-
rascht mich. bin ich etwa neidisch? drei ampel-
phasen spiegeln draussen auf nassem asphalt
wieder. hinter der schwach beleuchteten scheibe
zu „peters treff“ sitzen unbewegte schemen an
einem hingedachten tresen, schräg darüber, im
zweiten stock, die silouette einer frau, eine lich-
terkette in ihr fenster klebend, notsignale ihrer
einsamkeit über den strassenwüsten dieser stadt
auch dort, denke ich, keine heimat. und: ich bin
neidisch – auf das grosse mass an kindlicher nai-
vität, die mir abhanden kam, zwischen den büh-
nen, in den pausen, zwischen dem geträumten
applaus und den nachbarschaften, die unaufhalt-
sam erwachsen wurden, fremd und vergessen
[ online. daytime. available ]
Dezember 2nd, 2007ich weiss nicht, was du machen sollst, sage ich
eben hatte ich beschlossen, dass der tag begin-
nen muss, dass herumwälzen im bett keine pro-
bleme löst, dass die lösung nicht im träumen lie-
gen bleiben kann – und schaltete das telefon ein
online. daytime. available. ich weiss nicht, was
du machen sollst, sage ich. ihre fragen sind mei-
ne, beinah, fünfundzwanzig jahre kleiner sind sie
ohne heimat sein hat kein alter, kein land, keinen
grund und kein ufer. ich weiss es nicht, sage ich
[ blacklist ]
Dezember 1st, 2007
ich habe meinen spamfilter überarbeitet; was be-
deutet, dass weniger post bei mir ankommt. und
das tut gut. nein, tatsächlich, es erleichtert, auf
bestimmte emails nicht mehr antworten zu müs-
sen – sie kommen nicht mehr an. der druck ist weg
ob ich die betroffenen darüber informieren sollte?
früher hätte ich sowas gemacht; aus dem gefühl
schlechten gewissens heraus. auch das: vorbei
[ … ]
November 30th, 2007
auch über diese spezielle form der sprachlosigkeit
sprachen wir, das erzwungene schweigen; dass es
so viel mut nimmt. so viel … so viel … ja, das: leben
– ich überlege umzuziehen
– weshalb zögerst du?
– weil ich nicht weiss, wie es dann weitergehen kann
[ heute: augenblicke. bald: den schnee ]
November 28th, 2007
die augenblicke halten nicht länger als für diesen; im westen
fällt der himmel in blutigen streifen herab. es wird regen ge-
ben, sagen sie, und schnee. umso dicker ist das fell, das ich
umarme, in das ich mein gesicht grabe und meine zähne, er-
de ausspuckend und trockenes gras, weinend, lachend und
die erinnerung fest in der klammer meiner hände gehalten
[ stasi – ein deutsches problem. polemik ]
November 24th, 2007so oder ähnlich sehen zivilpolizisten von weitem aus. igitt
hineingezoomt in die strutzdeutschen fressen, sehen wir
abschreckende beispiele dafür, was der dienst am staat
aus jenen zu machen vermag, die zuvor menschen waren:
foto: stasi in zivil, anlässlich der „8. antispeziesisti-
schen nord-demo gegen den pelzhandel bei escada“
(hamburg, 17. 11. 2007); quelle: unbekannt
[ glück ist die nähe der kloschüssel ]
November 23rd, 2007„vielleicht kommst du ja donnerstag mal vorbei?“
liebe a.
deine anrufentgegennehmerin ist eine gardienne, die
sich ziemlich penetrant in den vordergrund deines le-
bens drängt. und weil mir derart aufdringliche perso-
nen ein gräuel sind, habe ich schweigend – grusslos! –
wieder aufgelegt
nein, ich konnte nicht vorbeikommen; in der heutigen
nacht werde ich mein lager in irgendeinem befreunde-
ten badezimmer aufschlagen um, in der unmittelbaren
nachbarschaft einer kloschüssel mit funktionierender
wasserspülung liegend, dem drängen meines von my-
riaden peinschaffender viren überrannten darms nach-
geben zu können, dem – den überraschenden körper-
erfahrungen der letzten stunden zufolge – nicht lange
widerstand geleistet werden kann
kurz: ich bin auch im bauch erkrankt
[ solo für zwei stimmen ]
November 21st, 2007
wen ich trotz aller lieben, trotz aller zärtlichen scharmüt-
zel suche? dich. doch du verweigerst dich, entziehst dich
mir im traum, aufs neue jede nacht; abschiede, getrennt-
sein, schweigen, schmerzvolle varianten des scheiterns
dies ist eine jener stimmen, die in meinem kopf zu sing-
en begonnen haben, berauschender chor, unhörbar für
fremde, lauter als alle wirklichkeit, schrill, schmerzend:
mein tinnitus, mein innerer wasserfall, mein taubender
schrei um antwort nach dir, nach mir. nach mir. nach mir
[ mood: naked ]
November 20th, 2007
novemberkältegrau. drei obdachlose lachen unter kah-
len bäumen, einer zeigt auf meine blanken füsse: ha-
ste die frisch beschlagen lassen? wir lachen gemein-
sam, ich eile weiter: ein peryton ist immer unterwegs
das café erstrahlt in neuer farbigkeit. gelbgrün. trotz-
dem fühl ich mich wohl, wärme meine hände am kaf-
fee, setze die brille ab und starre blöde vor mich hin
hol mich hier ab, sage ich, lass uns nochmal so tun
als wären wir uns nah, hol mich hier raus. ein schluck
kaffee drückt mir das brennen weg, im hals, ein letz-
tes schlückchen hinterher, dann ist die tasse leer. du
hörst mich nicht mehr, sag ich und spüre den vorwurf
darin wie einen stich. schorsch, rede mit mir, sagtest
du, irgendwann, und: bitte. damals, weisst du, konnte
ich dich nicht hören. tür auf, tür zu. novemberkältegrau
[ peryton versus das politische lied ]
November 19th, 2007
wurde ich gefragt, ob ich mich bewerben wolle für ein
„festival des politischen liedes“. aber parolen wie „join
the revolution“ oder „change the world“ sind in meinen
augen so grundpeinlich, dass ich ganz bestimmt nicht …
im gegenteil bringt mich das zur aussage, ich schriebe
keine politischen lieder. fertig. und keine dümmliche lie-
dermacherschlagerscheisse. „so einfach ist es manch-
mal, entscheidungen zu fällen – wenn sie nicht wirklich
welche sind … und wer sagte da letzthin, die musikbran-
che läge am boden? das wundert mich allerdings nicht“
[ schnaps? nein, anders. rum ]
November 18th, 2007
lass uns betrinken, sagt sie, holt den rum, der mit blauer
flamme brennt im glas. ein fürchterliches intro, denn bald
spiele ich klavier (ich kann das nicht), danach den einzi-
gen chanson, den ich auswendig singen kann und dann …?
es ging nicht lang. wir hingen auf zwei sofas und erzähl-
ten, irgendeiner kam und irgendeiner ging, irgendwann
ich mag dich, sagte ich und sie: ich mag dich auch. da
floh ich meinem planeten hinterher, bevor sich der in
unbekannte galaxiennebel stürzen konnte, ohne mich
bedauern, jetzt? ach nein. mein kopf brummt heute an-
dersrum als sonst; mir fehlen kleidungsstücke, was mich
beunruhigt, weil ich sicher war, dass … ich brauch kaffee
[ … ]
November 17th, 2007
du fehlst mir. die wellen werfen sich grimmig auf in der
förde, der schneesturm treibt mir tränen ins gesicht. du
fehlst mir immer noch. hörst du? ich muss dich verges-
sen, denke ich. vorübergehende werfen fragende blicke
[ cd „peryton“ 2008. gute aussichten ]
November 16th, 2007links oben, die silbernen punkte, das ist blindenschrift
noch fragen? gut: das master ist in arbeit (was ich bis-
her hörte, klingt schon fast ‚fertig), mit einem platten-
label verhandle ich noch und der termin zur veröffentli-
chung liegt noch nicht fest. märz, sagt ihr, wäre dafür
ein guter monat? gut. streiten wir nicht. ein wenig frü-
her, vielleicht, oder ein wenig später. aber sie kommt
foto: cover-entwurf zur cd „peryton“ (2008)
cover-idee: peryton; umsetzung: voice-design
[ wenn juli am november liegt ]
November 14th, 2007
ich kenn dich nicht; trotzdem hab ich von dir geträumt
letzte nacht. warum? der herbst fällt manchmal auf den
frühling … rein; ist das unser grund? sei’s drum: wenn
juli am november liegt, geht alle moral tiiiierisch flöten
[ ein gruss an m., ein gruss an euch ]
November 11th, 2007
du fragtest nach morgen? also nach heute. heute – nach-
her, gleich, eigentlich sofort – fahre ich gen norden. und
zwar, sobald ich meine wäsche sortiert und im auto ver-
staut hab, neben zwei gitarren, laptop, scanner und tau-
send unnötigen dingen, die ich den winter über zu brau-
chen glaube. ab ende dieses monats wohne ich in einer
klinik, um unter anderem meinem tinnitus auf den leib zu
rücken, der mir meine ganze musik aus dem kopf spült;
da ist nur noch lärm drin, keine melodien und keine träu-
me mehr. weil musik und träume mein leben (und eben
meine arbeit) sind, muss ich was dagegen tun, bevor ich
komplett durchdrehe. tja; das alles mach ich. mehr nicht
aber ich werd dann und wann in einem internetcafé sitz-
en, werde (hoffentlich) den einen oder anderen blogtext
schreiben und – ach ja: die treue, alte kamera ist natür-
lich wie immer auch dabei – neue fotos ins netz stellen
… du kannst übrigens nicht wissen, dass darmstadt eine
meiner liebsten städte ist. auch wenn ich nur ganz selten
dort bin; und wenn, dann spaziere ich über die rosenhö-
he und setze mich zum träumen unter kahlen rosenstök-
ken auf die steinernen treppenstufen, neben den modrig
duftenden lavendel vom vergangenen jahr
so. jetzt rennt die letzte zeit mir weg und reicht nur noch
für einen schnellen, aber lieben gruss an dich. versproch-
en: wir hören wieder – lesend – voneinander. peryton
[ leichen pflastern ihren weg … ]
November 9th, 2007
… denn wo sie geht, da fallen ihr die herzen zu, da wer-
den blicke dümmlich und die männer blöd. das wär gar
köstlich anzuschaun, wenn mir die freunde nicht wie flie-
gen stürben, einmal auf ihren süssen leim gelangt. ach …
und auch zu kochen weiss sie, dass man(n) gar bieder
werden kann. es laufen säfte mir, wenn ich an gestern
abend denke, nicht nur im maul zusammen, das blut
wird heiss und drängend mir. kurz: im freundeskreis, am
küchentisch, da tobt der übermut, ihr handy klingelt draus-
sen und ich flüst’re hinterher (die tür im rücken): was wird
er sagen, wenn er lesen muss, ich habe dir die hochzeit
angetragen? da lachen wir. doch hab ich nicht. nicht ernst-
haft. was vielleicht ein fehler war? nein, sag ich. und leide
dann wieder bahnhof, bahnsteig, aus der umarmung, aus
der nähe lösend. du bist mein liebster abschied, sage ich
und fahr‘ mit blicken sehnsüchtig ein stückchen hinterher
ganz heimlich. müde bin ich, himmel grau, so ist es gut
[ konzert am 09. november fällt aus ]
November 6th, 2007
aus technischen gründen muss das für den 09. no-
vember 2007 angekündigte konzert im „café ge-
gendruck“ (heidelberg) leider abgesagt werden
[ leben, suchen … und all das ]
November 4th, 2007
„du filterst ja immer sehr genau, was du wem aus
deinem leben preisgibst (na, das war doch echt noch
ganz schön nett formuliert. ich hätte ja auch sagen
können: du alter sack erzählst deinen freunden eh
immer nur, was dir passt)“
tatsächlich: genau so ist es. machen das nicht alle so??

















