08. oktober 2006. konzert im „gesinndehaus“. live-mitschnitt
teil II: ein text
„es fühlt sich an, als ob“, live am 08. oktober 2006
(mp3; 426kb) (ogg; 490kb)
08. oktober 2006. konzert im „gesinndehaus“. live-mitschnitt
teil II: ein text
„es fühlt sich an, als ob“, live am 08. oktober 2006
(mp3; 426kb) (ogg; 490kb)
nein, kein shooting am nächtlichen drehort: laase, wend-
land, 13. november 2006, warten auf den atommülltrans-
port. mit regenschirm gegen eine gepanzerte übermacht
am ende wird es geheissen haben, die demonstrierenden
seien ‚aggressiv‘ gewesen. ich habe wohl nicht recht ver-
standen, was damit gemeint war; tatsächlich wollen sich
die leute sich nicht mehr bedanken, wenn sie geschlagen
und getreten werden. nein, nicht ‚die‘ leute. einige wenige
„Was uns Sorge bereitet, sind die Aggressionen gegen
Polizeibeamte“ (f. niehörster, polizeidirektion lüneburg)
foto: impressionen vom castortransport
laase, 13. november 2006
08. oktober 2006. konzert im „gesinndehaus“. alles, wirklich
alles geht schief: ein live-mitschnitt ist geplant, aber das
konzert wird in allerletzter minute aus technischen grün-
den von veranstalterseite abgesagt. ein teil des wild zu-
sammengewürfelt scheinenden publikums ist volltrunken
und aufgrund maroder leitungen steht die gesamte tech-
nik unter strom – sogar das gesangsmikrophon. im publi-
kum kommt es zu massiven störungen, so dass wir nach
drei liedern das programm völlig entnervt abbrechen
aber … aaaaaber … ich kam noch einmal zurück und spiel-
te solo weiter, als mein tribut an das tapfere publikum, das
wegen uns gekommen und … geblieben war. aus diesem
zweiten konzertteil hört ihr den mitschnitt des textes „und
ich ging wandern“ sowie den darauf folgenden chanson
„besse en chandesse“
„und ich ging wandern / besse en chandesse“
live am 08. oktober 2006 – (mp3; 4,2mb) (ogg; 4,7mb)
(tipp: die ogg-datei klingt wesentlich besser)
oh, damit hast du recht: ich telefoniere ungern. nix
schlimmer als das schweigen, wenn die worte aus-
bleiben, weil es nichts zu sagen gibt, oder bitterer
noch: nicht mehr. atmende stille. sehnsucht tötet
das selbstverständliche erklär’n zu müssen ist am
schlimmsten. hau ab, verschwinde, lass mir meine
ruhe. kalt ist es, da draussen, beschwerlich jeder
schlag voran. die flut ist ausgefallen, hörst du?
eingefroren wird sie sein, hat eine flaschenpost
verloren, die du suchst. endlich kannst du gehn
sie sind ausgefallen, zwischen den tagen, aus-
geschwemmt vielleicht im morgengrau, im abend-
grau, mit den schweren stiefeln steckengeblieben
im morast und eingesunken, die worte. ich suche
ich suche noch. auf meiner reise aber fällt das
suchend stehenbleiben schwer. ich kündige ein
schweigen an, somit. und meinen ständigen ver-
stoss, beredt, gegen dies versprechen
foto: kiel, mai 2006
aufnahme: mathu © 2006
plakatentwurf: n. veres & peryton © 2006
ihr sagt, es sei eine frage des warmanziehens; weiss
schon. ich aber nehme das persönlich, sage: das ist
eine frage des aushaltenmüssens oder des abhau’ns
graue scheisskälte
es wird zeit für meine einsamkeit
foto: ein kabelknotenpunkt am ende
tangermünde, 25. oktober 2006
„das auto hat hinten neue stossdämpfer gekriegt. super. es
fährt damit genauso wie vorher. und neue bremsscheiben
hat es auch – das ist wirklich zu merken, also eine verbesse-
rung. ausser dass es danach zu kreischen und knirschen
begann; aber das krieg ich auch wieder hin. rechts hinten
verabschiedete sich ein teil der plastikstossstange, als ich
rückwärts auf eine rampe fuhr. kein ding, war gleich wie-
der angetackert. schlimmer ist, dass die hintertür nur noch
von innen zu öffnen ist. das nervt richtig. kurz: ich lebe mit
neuen baustellen“
status: under construction
im abendnebel führt mein weg mich fort
der blick sinkt in die roten lichter, irgendwo
voraus, im nebel führen alle wege zu ihr hin
ein hinweisschild stellt sich mit namen vor
mein herz schlägt auf, das telefon vibriert
unter dem rechten schenkel
sie will vermutlich nicht, dass du jetzt
kommst; du könntest sehen, dass es ihr
nicht gut geht, schlecht wie nie, schreibt x
in sanftem bogen führt die spur durch eine
autobahnbaustelle, am andern ende ist
sofort kontakt. du musst das sagen, hörst
du?, genau so. das mach ich, sagt er
ich lebe in zu vielen leben, denke ich, das
eine träumt, das andre hungert sich zu tode
der blick sinkt in die roten lichter, irgendwo
voraus, im nebel führen alle wege zu ihr hin
ein hinweisschild stellt sich mit namen vor
im abendnebel
meiner eitelkeit zuliebe sollte ich reklamieren, zukünftig in
günstigerem licht fotographiert zu werden. auch lässt die
qualität des bildes wünsche offen; dennoch, das gestehe
ich ein, ist unverkennbar: da waren profis am werk. die
verschenkten ihre kunst für läppische zehn euro. an jenem
eiligen tag hätte das auch deutlich teurer werden können
foto: in der radarfalle
23. oktober 2006
aus dem netz gefischt: zur debatte um die „ausgren-
zung von oder intervention gegen universelles leben“
manchmal ist eine postkarte schneller als jedes gerücht
nicht wahr? und anscheinend genauso schockierend. das
war dann, stelle ich mir vor, ein wind von süd in deinem
leben, ein mächtiges rauschen, ein koffer-fallenlassen-
und-luftholen-müssen. vielleicht war das gut? da draussen
ist mehr als die persönliche einöde, das enge glück hinter
sieben siegeln, sommerdeichen, schlachtreifen schafen
und eigens fürs touristenauge aufgesetzten wellenkämmen
foto: tangermünde, 25. oktober 2006
du magst das wort ‚lügen‘ nicht? ich wohl. es beisst. es
bringt auf einen spitzen punkt, auf dem die meisten we-
der stehen, vor allem aber nicht gesehen werden wollen
nein, ’schwindeln‘ ist nicht besser. klingt nur hübscher
und du meinst, ich nehme das zurück, nur weil du be-
teuerst, dass du ’nicht wissentlich‘ an den wahrheiten
drehtest, ein klein wenig hier und da, an deinen eigenen
und gern auch an denen der anderen? und: ja – selbst-
verständlich willst du dich nicht damit herausreden
das ist, das war es schon. ich schmunzle innerlich, wenn
ich dich mir vorstelle, dabei. nein, ’schwindeln‘ ist nicht
besser. aber es klingt wesentlich eleganter, madame
wenn ich dir verrate, dass es dich nicht unattraktiver
macht, im linken meiner unerbittlichen augen, bist du
mir dann böse? (im nächsten kapitel – versprochen! –
unterhalten wir uns über eitelkeiten. auch meine eignen)
du fragst dich manchmal, wo ich bin? du fragst
zu selten, finde ich. die deiche sind ein wenig
hoch, der wind treibt wellen übers land und vö-
gel, die botschaften verlieren sich, das ohr wird
müde, hört es nichts; es phantasiert sich taub
im dunkeln sind die burgen einnehmbar, ver-
letzlich sind die türmer und fliehen können, die
im dunkeln leise sind
foto: tangermünde, 25. oktober 2006
wie hiess diese patientin noch, die sie zu mir geschickt
hatten? die habe ich im fernsehen gesehen, unten in spa-
nien, als wir im urlaub waren
ach?
ja. da haben sie einen film gebracht über berlin und die-
se leute, die bei lebensmittelketten weggeworfenes sam-
meln und verteilen …
containern, werfe ich ein, container-food
ja genau, sagt er. ich war so überrascht, dass ich aufge-
sprungen bin und auf den bildschirm gezeigt habe: das
ist meine patientin! wie hiess sie nochmal?
t., sage ich
so waren wir ins plaudern gekommen. unbeweglich lie-
ge ich rücklings auf einer weissen polsterpritsche, aku-
punkturnadeln stecken in meinem kopf, in meinen füs-
sen. später wird der brettharte nacken massiert, dass
mir beinah vor leidenschaft der speichel aus dem maul
rinnt, wie meinem kater in ausdauernden momenten
lustvollen geniessens, als er noch am leben war. doch
reden wir hier nicht über so alltägliches wie eine von
jägern erschlagene katze
eines morgens sass er verletzt im gebüsch vor unserem
haus, jammernd, blutend aus zahlreichen löchern. weil
er zu überleben und zu bleiben entschlossen schien, un-
beeindruckt vom protest der katze, bekam er seinen na-
men: robin
und wie gehts dir sonst? (im hörer schweigt die stille kalt)
nnnjaaa. ich weiss nicht. gut. nein. ich will nicht lügen, sagt
sie, zögert, ich will nicht lügen. (die stille. zum sterben still)
das wort heisst abschied, denke ich. still, mein herz
ihre augen sehen ein bisschen aus wie die von
xx und bringen mich dazu, sie anzustarren mit
dem blöden ausdruck des entrückens. zumin-
dest stelle ich mir das so vor, später, als mir
das ganze etwas unwirklich vorkommt, eine
begegnung, die nie stattgefunden hat. wir ken-
nen uns, denke ich. natürlich kennen wir uns
nicht
tief steht die sonne, grauer nebel legt sich auf
die scheiben, innen, ihre worte perlen auf wie
tau, fallen herab und treffen klingend auf mein
instrument
diese augen sind viel älter, was nicht sein kann;
dennoch glaube ich zu sehen, was ihn angehal-
ten hat, an sie zu glauben. mein eigener fehler
färbt mir manchen schlaf und manche tage
du zweifelst nicht? ich wohl. das ist gewohnheit mir, ist
mir prinzip geworden, jung – jünger? – zu bleiben, näher
dem, der schneidend schied, um in den scheidezeiten
mehr als eine lösung auszuwägen, mehr als einen sieg
übergangsweise gilt eine neue telefonnummer
0049-175-8432672
du hast geburtstag, heute, nicht wahr? fragte er u., der im
flur neben mir stand, der an seiner tür geklopft hatte, der
ihn, den nachbarn, zum frühstückskaffee einladen wollte
wirklich? natürlich hatte ich nicht daran gedacht, weil ich
nie an geburtstage denke, sie aus prinzip vergesse wie
namen oder texte, bevorzugt meine, meinen eigenen
doch ihn zu ehren stelle ich hier aus sein stilles lächeln
foto: u.
kiel, im dezember 2004