January 2nd, 2010
dieses “tagebuch” war jenen freundInnen mei-
ner musik geschuldet, die länger ein mehr an
geschichten erzählungen, notizen, kurzen be-
trachtungen gefordert hatten, die den prozess
verständlich machen sollten, warum, wie und
wann meine kunst entsteht; besser: entstand
so hab ich’s erschöpfend versucht, viereinhalb
jahre lang. wer lust hat nachzulesen, kann dies
in 1030 beiträgen mit 1227 kommentaren tun
heute also das mahnende wort an mich selbst:
peryton, du hast dich ausgeschüttet bis zur
stille, du bist unendlich müde. halt dein maul
richtig; der weg ist gegangen. adieu, ihr lieben!
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December 22nd, 2009
es sind jene kargen orte, an denen
erinnerungen abgelegt sind wie kalte
steine, wie kalte steine abgelegt
und aufgetürmt zu lawinentürmen
es sind die bunten orte, an denen
wünsche abgelegt sind wie samen
und herangewachsen zu blumen-
wüsten, waldmeeren; in wellen
wuchern sie über unsere gräben hin
: mein und dein amazonien
es sind die dunklen orte, an denen
unsere schatten liegen, klein, ganz
klein, auf den ersten glanz des
morgenrubins wartend um aufzu-
glühen, um auseinanderzuwehen
wie das universum, um auseinander-
zuplatzen wie ein komet; wie der er-
ste komet in deinem leben: grösser
als deine angst und dein ‘ah’ und dein
‘oh’ und jedes ‘wünsch-dir-was’
es sind jene warmen orte, an denen
ich bleiben mag, an denen ich meine
träume hinlegen will, betten will neben
alten wünschen; wo erinnerungen aus
den gräbern wachsen neben azaleen
und – nicht zu vergessen – das immergrün
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December 11th, 2009

wie buchstabiere ich heute ‘notwendigkeiten’?
endlich ankommen, (m)ein stilleres leben leben
keine sorge; nicht so, nicht so, so, auch so nicht
foto: stilleben. kiel, 04. november 2009
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December 10th, 2009
darum werde ich dir nur meine zeit schenken, fern-
ab von konsum, fernab vom goldrausch in und auf
den märkten, fernab von falschem jubel, zwang
und plastikhalleluja und geldgutscheingeschenken
ich mag das alles nicht; es macht mir einen kal-
ten grusel. es macht mich gleichgültig gegen
die signale eines glücks, das mir fremd, das mir
unheimlich, ja, unverständlich bleibt, zum glück
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December 9th, 2009
jetzt schieben sie sich wieder durch die geschäf-
te, warenregalegassen, gitterwagen hauteng ne-
ben gitterwagen, einkaufskettenkletten, arsch an
rücken, auge an po, der blick verzweifelt suchen-
der, rastlos, hungernd und geil, pleite, am ende:
die tüten voll, die armen auch, die busse quellen
über und könnten die lichterketten weinen, wäre
dies laut die traurigste zeit: vom himmel hoch, ad-
vent, advent, ein lichtlein brennt. verdammt, das
jesulein liegt bei esulein, nackend, das elende teil
bescherung wie üblich, ausser, oma ist inzwi-
schen gestorben. küchengerüche nach gehalts-
klasse, kurzarbeiter lieben es eher fettig; vertrock-
nete tanten trinken tee, pastoren salbungsvoll
den wein, das heilige bier wird pünktlich entkront
püppi muss nachher immer bei papa oder onkel
auf dem schoss sitzen, so!, sich dankbar zeigen
sonst setzt’s was, die kinder schauen dem flack-
ern elektrischer kerzen zu, fliehen in träume vom
erwachsenwerden. wenn wir mal gross sind …
das vergessen ist mächtig wie die angst vor papa
und mama und gott und alleingelassensein; es
kommt meistens nichts anderes raus als das glei-
che alte elend: die weihnachtslüge vom glück und
dass es doch zuhause immer am schönsten sei
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December 4th, 2009
spatentief liegt der lehm, schmatzend beisst das
werkzeug ins gras, so schwer kann wasser wie-
gen, halten, bis es sich bewegt. dann – endlich -
zieht es ab, dann fällt der pegel unter flur, dann
fällt der sumpf trocken, der über jahre wie einge-
gossen stand, eine schlechte angewohntheit, da-
gelassen, trotz allem, weil eben immer schon und
unter dem gleissenden mond heulen bären. oder
es ist der wind in den drähten, die schwingen
noch vom abschied der krähen her; auch die: fort
wenn der schmerz nachgelassen hat, eine alte
weisheit ist das, ist er bald vergeben; was leicht
wie erlösung klingt birgt doch gefahr. vergessen
in den nächten kaue ich die zeiten durch wie ein
fremdes alphabet zum klopfenden rhythmus eines
taktstocks und weine die erinnerungen tonlos aus
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November 21st, 2009

es gäbe viel zu erzählen, es gäbe viel offen-
zulegen; doch viel zu halten gäbe es auch
was sagst du?
loszulassen, meinte ich, gäbe es, laut, leise
foto: hände. leipzig, 16. november 2009
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November 20th, 2009

foto: leipzig, 15. november 2009
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November 19th, 2009

foto: leipzig, 15. november 2009
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November 18th, 2009

foto: leipzig, 15. november 2009
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November 10th, 2009
freitag, 13. november 2009
“konzertlesung”
zecherei sankt nikolai
lange strasse 1, 39590 tangermünde
( google maps )
beginn: 20:00 uhr
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November 6th, 2009
das blei alter geschichten liegt noch auf
deinen lidern, doch spielen vogelstimmen in
deinem haar und der wind spricht im rohr
wie das meer zärtlich in den muscheln
lege dich nun her an meine seite, weine
noch einmal um alles verlorene, kind, bis
die ebbe einsetzt, bis die riffe aufgestiegen
sind, bis der wind kühl vom land her weht
wenn unsere feuer ins verderben lenken
rauben wir den schlaf der anderen, so
wie wir es von den eltern her kannten
doch es werden vogelstimmen spielen in
deinem haar und zärtlich werden wir zu-
einander sein, wie an jedem morgen, bis
wir ein boot bauen aus den zerschollenen
bis wir mit der flut hinaus, einem ufer ent-
gegen oder untergehn, vielleicht, endlich
dann sprengst du die knospenschuppen über
deinen blüten auf, dann streust du nektar-
düfte über deine inseln und der wind spricht
im rohr wie das meer zärtlich in den muscheln
und dann, vielleicht, werden wir frei sein
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November 5th, 2009

am morgen bringt schneidender wind erste weis-
se flocken. meine steif gefrorenen finger halten
kaum die schaufel, um wasserrinnen freizuziehen
gegen das ertrinken. weg hier; was für ein land
foto: herbstfarben. rot III
04. november 2009
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