weblog-archiv - October, 2005


[ schlimm: 'grüne' rufen zu jagdsabotage auf! ]

Monday, October 31st, 2005

kiel “tierschutz in schleswig-holstein heißt, die tiere
vor dieser landesregierung zu schützen
“, sagte karl-
martin hentschel, umweltpolitischer sprecher der grü-
nen landtagsfraktion schleswig-holsteins, laut einem
artikel in der welt (29. 10. 2005) und rief damit indi-
rekt zu einer sabotage der von der landesregierung
für den 17. november 2005 im staatsforst segeberg
geplanten ’staatsjagd’ auf
 

überrascht von so viel progressiver militanz auf seiten der
grünen landtagsfraktion, doch gleichermassen sicher, da-
mit den horizont politischer gemeinsamkeit erreicht zu ha-
ben, fordert peryton hiermit die massenhafte unterstüt-
zung dieses aufrufs mit der aussicht, die geplante staats-
jagd zu verhindern und somit den schutz und erhalt der
durch bejagung gefährdeten lebenwesen zu erreichen

selbstverständlich werden hierbei die vielfältigen gewaltfrei-
en methoden des protestes bevorzugt, worunter alles zu
verstehen sein kann, was nicht zur beschädigung von lebe-
wesen, aber zum erhalt der bedrohten ‘jagdbaren wildtiere’
führt – naturschutz im eigentlichen sinne


[ südfriedhof ]

Sunday, October 30th, 2005


 

wollen sie den herbst festhalten, fragt sie

lacht mich freundlich an, fast kokett, drängt
sich zwischen meine kamera und mich und
… ist es sein zauber?

wo anders ginge das besser als hier, sage
ich, augenblicks verliebt in ihre falten
 

foto: südfriedhof. kiel, 28. oktober 2005


[ stilleben. wachbleiben ]

Saturday, October 29th, 2005

hund in abendsonne pinkelt
gegen bauzaun. bauzaun
wirft lange schatten nach

fliege. fliege rettet sich ins

licht. verrichtet geschäft
auf schokoladeneis. auf
deinem schokoladensojaeis

du merkst natürlich

nichts



[ kopfschlagen. ein kommentar zur frankfurter rundschau ]

Saturday, October 29th, 2005

laut einer “topfschlagen” betitelten meldung der ‘frankfurter
rundschau’
(28.10.2005) bitten “jäger im rhein-lahn-dreieck
(…) die bevölkerung für eine grosse jagd auf wildschweine
um mithilfe
“. die “anwohner” sollen demzufolge am 05. no-
vember “in ihren gärten laute geräusche machen“, um wild-
schweine daran zu hindern, sich dort vor den jagenden zu
verstecken und unheil” anzurichten

wer wo und wie “unheil” anrichtet, liegt pisa zum trotz auch
all jenen leserInnen auf der hand, die, augenblicklich noch
verwirrt von den folgen scheindemokratischer wahlkapriolen
nicht wieder in den vollbesitz ihrer geistigen handlungsfähig-
keit zurück gelangt sein mögen

stattdessen jägerInnen klangvoll ihren rock zu zipfeln, em-
pfiehlt daher peryton. selbstverständlich nur im geflügelt-
übertragenen sinne, ganz – oder eben nicht – im stil dieser
frankfurtrundschauenden journaille, die ebenso nicht ganz
bei allem sinn sein kann, einen derartigen aufruf zur teilha-
be am gemetzel abzudrucken, rechts unten auf ihrer er-
sten seite

was die folgende mahnung nach sich ziehen muss, nicht
hühner wegzuschliessen vor einer herbeigeredeten pande-
mie, dem wild – ganz gleich, ob schwein, ob hirsch – hand-
greiflich den ihm angemessnen schutz zu bieten vor sei-
nem menschlichen henker und den nachwuchs, um den
menschlichen sei nun gerungen, den gleichermassen wie
das wild mit hintersinn gehegten, fernzuhalten vor den er-
güssen jener leidlich beredten definitoren ‘deutscher leit-
kultur’: denn selbst als klopapier verwandt, verdürbe solch
ein blatt binnen kürze kinder zu killern, zu jägern, zu solda-
ten, polizisten und … publizisten


[ sektenscheisse. lachen und wegschmeissen ]

Friday, October 28th, 2005


 

to: info@sailer-hetzel.com
reply to: info@peryton.de
date: thu, 27 oct 2005 22:44:17
subjekt: keine unterlassungsverpflichtungserklärung
 


sailer

erstens unterschreibe ich prinzipiell keine unterlassungs-
erklärungen – vergessen? hallo?? diesen vorgang hatten
wir schon einmal. ich wiederhole mich ungern

zweitens ist mir persönlich kein flugblatt bekannt, auf
dem ich derartige äusserungen gemacht hätte. was ich
nicht gemacht habe, kann ich folglich auch nicht unter-
lassen; damit wäre eigentlich genug gesagt – aber

drittens: die bösen, bösen, bösen von mir nicht getä-
tigten äusserungen lesen sich ziemlich erschreckend;
nach all dem, was mir inzwischen über die totalitäre
sekte ‘universelles leben’ bekannt wurde (es wäre auch
zu diskutieren, ob der begriff ‘faschistoid’ zutreffend sein
könnte), klingen sie allerdings durchaus glaubwürdig. in
meinen augen fordern derartige fakten selbstverständ-
lich zu massivem widerstand gegen eine derartige orga-
nisation heraus – vorausgesetzt, sie entsprechen der
wahrheit. aber, sailer, weder lässt sich die wirklichkeit mit
billigen einschüchterungsversuchen über unterlassungs-
verpflichtungserklärungen zurechtbiegen, noch wider-
stand auf diese weise verhindern

viertens: dieser schriftverkehr wird selbstverständlich
öffentlich gemacht. derartige einschüchterungsversuche
gegen ihre kritikerInnen gehören zu den inzwischen be-
kannten mitteln der genannten sekte ‘universelles leben’
- und ebenso wie eine zunehmende anzahl ihrer gegner-
Innen zeige ich öffentlich, wie damit umzugehen ist:
lachen und wegschmeissen

in der unsicheren hoffnung, dass das alles zu verstehen
war: georg hemprich


[ am himmel der wein ]

Thursday, October 27th, 2005

am himmel der wein, über den feldern
der abend. das ist es. laub geworden
ist das jahr

schön, sagen die leute. ja?, sage
ich, bunt?; gelernt habe ich, ihnen
zu singen

aber irgendetwas ist vergessen, hin-
gefallen zwischen all das, ackerschwer
garbenbraun, ausgetrunken; wartend
in den pausen, da der treue muskel
einatmet und aus das alte blut
wie den wein

weisst du noch, georg?
mensch, peryton!, weisst du
nicht mehr?



[ louve ]

Friday, October 21st, 2005

hinter den bergen liegt, wovon ich erzählen will
das tal durchquert, die hügel hinan und wieder
hinab zum fluss. dort sind die winternächte hel-
ler, weil ein feuer brennt, weil deine suppe einen
tiefen schlaf verspricht; aber so, wie wir uns zu-
einander legten, zerschmolz das frühe licht den
reif der zweige, bis unser atem ruhig, eben-
mässig klang nach schlaf

mit dem erwachen war die welt gewandelt: ein
zweiter mond begleitete die erde auf ihrem ewi-
gen flug durch die nacht

wovon ich erzählen will, geschah weit hinter den
bergen dieses augenblicks, das tal durchquert
die hügel hinan und erneut hinab zum fluss: sein
erster schrei war der eines wolfes, sein erster
blick suchte durch uns hindurch eine verlorene
welt

und mit dem erwachen war die welt gewandelt
: ein drittes herz schlug in meiner brust. das herz
eines kindes der wölfe, voll trauer und voll kraft
voll sehnsucht nach der freiheit der wälder

wir nannten es louve

in gedanken gezeugt, aus liebe geboren war, wo-
von ich erzählen will, weit hinter den bergen un-
serer zeit, zwei hügel hinan, dann hinab an den
fluss: dort, zwischen den steinen liegt, was wir
verloren, oder im wind, im wiegen der bäume
oder im schlag der wellen – so dass ich auf die
reise gehe, euch zu finden, alle nächte lang im
geliehnen licht der monde, geführt vom blinden
stock der hoffnung, euch zu finden an den strän-
den, an den küsten, an den polen rufenden er-
innerns

louve. erwachend auf einer befreiten erde, held
heldin unserer herzen, du, unser gedächtnis, un-
endliche mahnung an die achtsamkeit des lebens
und doch: ich habe verloren in einem einzigen
moment des vergessens

hinter den bergen liegt, wovon ich erzählen will
das tal durchquert und einen hügel auf, hinab
zum fluss, an dein feuer

wir nannten es louve


[ tain l'hermitage ]

Thursday, October 20th, 2005

mein dreifach müder blick aus spiegeln gegen-
über. der café schmeckt nach abschied, stürzt
sich klebrig hinab, lässt goldene streifen am
rand der tasse – wie die abendsonne draussen
auf nassem asphalt – zurück, zwischen allein-
gelassenen bettlern auf der suche nach letzten
touristen. nein, ich bin nicht unglücklich, sage
ich traurig zu meinen händen, die jeden tag
älter zu werden scheinen


[ st. hippolyte du fort ]

Wednesday, October 19th, 2005

du bist unglücklich? fragt er

nein, sagt sie, wischt mit dem handrücken über ihre
wangen, es sind nur die augen, die weinen, das herz
ist endlich frei

wie mit einem nassen schwamm über die tafel: fort
- ausgelöscht die magischen zeichen


[ aujourd'hui: pleine lune ]

Sunday, October 16th, 2005


 

der regen ist schuld, sage ich, dass ich mit schnupfen
aufgewacht bin und folge auf irrwegen den strassen-
namen inneliegenden versprechen. cours julien, ein
ziel, erschöpfte pause. fieber lässt mich frösteln

eine szene unter kastanien fängt mich ein, traurige
zärtlichkeit liegt in den küssen. dass ich die lippen-
laute nicht verstehen kann, hineingeflüstert in die
nackenwolle, erleichtert mich; dies ist ein einseitiger
abschied. ich kenne die worte, die kosenamen, die
falte auf der andern stirn wie meine, das nein, ver-
schwiegen zwischen harten schultern, in kaffeetassen
unzählige male eingerührt, herausgestossen mit dem
rauch abgebrannter zigaretten. ich kenne die hoff-
nungslosigkeit wie meine geheimen narben auch

der regen ist schuld, sage ich. und der vollmond der
vergangnen nacht tarnte sich unvollkommen hinter
wolken, weckte mich, wies dem traumpferd seinen
weg an durch mein zelt, mein steppentipi, und als ich
dich fragen wollte, wohin es entschwunden sei, schau-
te ich in das gesicht des mondes, draussen über dem
hügel, über dem meer, ewig und ohne antwort
 

foto: pleine lune. marseille, 16. oktober 2005


[ postscriptum ]

Saturday, October 15th, 2005

und ich sollte hinzufügen, dass meine träume an exist-
tierende personen gebunden sind, an reale gegenstände
des lebens, die ihre – und meine – theorien der gemein-
samkeit in ihre wirklichkeiten zu übersetzen imstande
sind. das meinte ich, als ich sagte, unser herzgefühl sei
- neben der melancholie des erinnerns – die wichtigste
triebfeder politischer kultur. wenn wir verliebt sind in
die lebendige vision, sind wir unserer utopien gewiss
 

(für reinhard. marseille, 15. oktober 2005)


[ danger de mort ]

Friday, October 14th, 2005


 

über starkstromseilen schwebt ein schild, angeheftet
an eine schmale brücke. ‘danger de mort’. aufs gelän-
der gebeugt lese ich die mahnung ohne zu lesen. von
norden rast ein zug heran, pfeift schrillen alarm. unnö-
tigerweise erschrecke ich. die schwarzweisse katze, die
im gleisbett ruhte, ist auf und entkommen. (ein spiel?)

gassenstille von links. eine stimme, ein ruf, ein automo-
tor. von rechts rauschen die hügel, eintönig die klage
eines kanarienvogels aus einem käfig, an eine haus-
wand in die abendsonne geklebt. für einen augenblick
verstummt die zeit. dann -

bleib, sagt der warme asphalt (damals glühten die
steine und zwangen mich zur flucht); ich wende mich
zur stadt -

und bin im blick einer katze gefangen, die sich unbe-
merkt einen meter von mir entfernt im mauerschatten
niedergelassen hat. ciao bella, sage ich unsinnigerwei-
se; sie schliesst ihre augen zu schlitzen und wendet
ihren blick

ab
 

foto: danger de mort. petit ville, 14. oktober 2005


[ tsare ]

Monday, October 10th, 2005


 

der horizont kann heimat
das hier sein ein vertrieben

fern fühl ich mich wohl
sehne mich
zurück
deine wellen auf meinen
häuten, mistral im herzen

dein horizont kann freiheit
das hier sein ein verderben
 

foto: tsare. marseille, 24. august 2005


[ perimetro. das meer ]

Saturday, October 8th, 2005


perimetro: der schutz des wohlstands fordert
seine opfer. nicht die ersten, nur jene gering-
sten, über die geredet wird. dies zögern beim
zuckersüssen morgenkaffee, die augenbraue
müht sich – hochgezuckt – um eine zeitungs-
meldung. umgerührt und schon ver
 

sie finden kaum beachtung in den medien, die
toten am ‘perimetro’, dem europäischen schutz-
wall vor der armut der welt, irgendwo da unten im
süden, am rand des schengenkontinents, entfernt
genug, unsere alltagsgemütlichkeit nicht zu stören
 

‘das meer – essential harvest’ (live) (ogg; 5,2mb)

ein livemitschnitt vom 03. november 2003 in der
‘kostbar’ (marburg), damals so aktuell wie heute
 


[ schreibort kiel II ]

Friday, October 7th, 2005

ein unwillkommener besucher schreckt mich auf. traum
aus. licht an. tag. sonne. aufbruch. die füsse finden ihre
n weg gut gelaunt, während das herz noch träumt, der
kopf verwirrt, irrt zwischen farbigen gedanken, hält, verl
iert, dies, das. ein klang? ein duft? vergessen. kein wäg
en, kein ziel. einigen wir uns darauf: es ist der morgen
des sechsten oktobers im jahr 2005. schreibort kiel

zum takt der musik wird losgefahren, angehalten, losge
gangen. ein stummfilm in farbe vor den scheiben eines
cafés. klappe: coffee to go in grauem anzug, smarter m
ittfünfziger in eile. mopedtornado fegt bergauf. afrokräu
selkind wippt auf hohen schultern vorbei. handtaschen
parade. stop. los. stop. ampelwalzer. film ohne hauptd
arsteller, draussen. ein schluck

kaffee. du unterschreibst deine bildermappe in fliessen
der linie. camilla f… – halt mal, das ist falsch. wieder un
d wieder schreibst du deinen falschen namen, dann me
inen. ach. aber ja, ich erinnere mich. und wache auf. ein
schatten weckte mich. es riecht nach herbstwald. nass
es holz. nach zeit. laub glänzt. aber warum einen falsch
en namen? bitte? ich verstehe nicht. aber darauf könnt
en wir uns einigen: es ist tag. ein herbsttag. eine frühe
sonne fällt zwischen rote backsteinfassaden. eine amp
el dirigiert die prozession von leichenwagen und freudlo
sen bestattern. es ist der morgen des sechsten oktobe
rs 2005. schreibort: kiel

verloren, schrieb ich. verloren, dachte ich. sackgasse o
der zirkelschlag? eisberge am horizont, meldet der mat
rose im ausguck – das peryboot reagiert sofort. wendun
g 360 grad, volle kraft voraus; mein u-boot kann nicht u
ntergehn. nein, komm zurück: es ist tag. wir hatten uns
geeinigt. logbucheintrag: dies ist der sechste oktober 2
005, schreibort: kiel, es ist morgen, eine sonne scheint
, der trockene asphalt macht fröhliche füsse. sonne. so
nne. ein sonniger herbstmorgen. ich denke einen name
n. es ist deiner