Archive for Januar, 2006

[ vogelgrippe et cetera ]

Dienstag, Januar 31st, 2006

weil das peryton zwar ein geflügelhirsch, doch
wider erwarten hochmodern ist, konnte er da-
ran erkranken, was momentan in aller medien
munde ist: an der vogelgrippe

vogelgrippe?!? nein, natürlich nicht. es ist
ein ganz normaler schnupfen aus ihrer apo-
theke nebenan, ein ebola und hoppsassa, ein
aids, ein darmheben, hirnbeben, erdbeben in
pakistan, chinesischer staudammbruch, ozon-
lochfluch, die kapitalistische kulturfäule, ein
russischer supergau (verschwiegen und ver-
gessen) – auch deine grosseltern waren na-
zis, oder? – das abschmelzen der polaren eis-
kappen in dreiundvierzig jahre abgelagertem
whiskey als unwiderlegbarer beweis der krea-
tivität von faulheit, der archipel gulag am air-
port frankfurt, deine blutende einsamkeit, mei-
ne sprachlose verwirrung, verirrung im kunst-
dunst, die freiheit inszeniert als mediales
gross-ereignis, eine fieberhafte ahnung: lauf
wenn du laufen kannst: im bunker spricht man
deutsch, im bunker wird geschunkelt, eine
sonderbriefmarke zur fussballweltmeister-
schaft, im bunker wird gelacht, ein alpenglühen
hinter ss-veteranen, ein lang ersehntes schwei-
gen, another brick in the wall, ein schlüssel
dreht im schloss, deine glut unter meiner asche
… irgendeine nebensächlichkeit also, die die
welt am gähnen hält. alles halb so schlimm. es
wird selten gleich heiss herausgebrochen wie
hineingeschlungen. nicht wahr?

weil das fieber am klaren gedanken knabbert
bleibe ich im bett, träume wahnhaftes und ver-
schiebe das beantworten der lange schon lie-
gengebliebenen post ein weiteres mal auf spä-
ter, jenseits der guten nachrichten et cetera


[ «ein moderner don quichote» ]

Samstag, Januar 28th, 2006

pablo ardouin über peryton:
 

«In der globalisierten und individualistischen Wettbewerbswelt, in der die Eventkultur, die Farce, die Kultur der Ellenbogen und in der das unsolidarische, egoistisch blinde Wettrennen zum schnellen und leichten Erfolg sich durchgesetzt hat, das Tote und Verwundete hinterlässt, gibt es keinen mehr, der die materiellen Dinge ablehnt und keine Eitelkeit kennt. Georg Hemprich durchbricht diese Tendenz und quert barfuß das Land.

Die einzigen Waffen, die er besitzt, sind eine Gitarre, ein Bleistift und ein Paar Federn, mit denen er wie ein moderner Don Quichote gegen die gigantische Windmühle kämpft. In seinem Schaffensdrang und in seiner Wanderlust gibt es keinen dritten Weg: Er vertraut auf seinen unzerbrechlichen und anarchistischen Willen. Er versteht sich nicht als Träger irgendeiner puristischen Reinigungsmission, nein, er will viel mehr, als sich selbst zu bestätigen, sich selbst zu erfinden und leuchtende Neonschilder fallen lassen.

Jemand wird glauben, in seinen Texten und in seiner Bühnenpräsenz einen philosophisch-romantischen Moralismus zu erkennen; aber nein. Georg Hemprich ist kein philosophischer Hamlet mit irdischen Manieren, er ist ein Peryton, ein passionierter Don Quichote in einem Flug zum Himmel. Hamlet – wie der Fuchs – wusste viele Dinge, aber Don Quichote – wie der Igel – wusste das wichtigste.»

(Pablo Ardouin, Frankfurt, am 28. Januar 2006)
 

 

«En el mundo globalizado y cada día más competitivo e impersonal de hoy, donde se impone la cultura del codazo y el empujón, de los grandes eventos y la farándula, la carrera a ciegas, insolidaria y egoísta hacia el éxito facil , plagada de muertos y náufragos, se acabaron los que desprecian las cosas materiales y no conocen la vanidad.

Georg Hemprich rompe con esta tendencia y se ha tirado a quijotear descalzo -sin más armas que una guitarra y una pluma- contra unos molinos que con el paso del tiempo, se han agigantado. En su afán no hay terceras vías y, confiando ciegamente en su inquiebrantable y anárquica voluntad, no se cree portador de una misión purificadora específica, más que reafirmarse a si mismo, derribando un mundo falso de carteles luminosos anunciadores.

A pesar que más de alguno creerá descubrir en sus textos y actitud escénica cierto afán de filósofo-romántico-moralista, no hay que engaňarse. Georg no es un Hamlet filosófico con pasiones mundanas, es un Peryton, es un Quijote con pasiones volando hacia el cielo, y si bién es cierto Hamlet – como la zorra – sabía muchas cosas, Don Quijote – como el erizo – sabía una importante.»

(Pablo Ardouin, Frankfurt, 28. Januar 2006)


[ und eine frühlingsbläue ]

Freitag, Januar 27th, 2006

so schneiden wir den fragen ihre köpfe ab, wie den blumen
den hals durch, schnitt, den weg zur antwort ab
und bleiben stehn oder gehn
anders weiter

schau in meine augen, schau
was siehst du? grau
und eine frühlingsbläue, die ich erst zu lieben liebte
als sie nicht gewöhnlich war (das war sie nie)
und sie war fort

so tragen wir die tage rum in körben, wie zum markt
die herzen schlagen schwer, wir beide trügen mehr
und blieben stehn oder gehn
anders weiter

schau in meine augen, schau
was siehst du? grau
und eine frühlingsbläue, die ich erst zu lieben liebte
als sie nicht gewöhnlich war (das war sie nie)
und fort (und fort und fort und fort)

die narben haben alle einen namen nur
die wege, strassen, berge, seen, sogar den trocknen
fluss auf meiner hautlandkarte kannst du sehn
wir bleiben stehn oder wir gehn
anders weiter (weiter, weiter, weiter)

schau in meine augen, schau
was siehst du? grau
und eine frühlingsbläue, die ich erst zu lieben liebte
als sie nicht gewöhnlich war (das war sie nie)
und fort (fort, fort, fort)

so schneiden wir den fragen ihre köpfe ab, wie den blumen
den hals durch, schnitt, den weg zur antwort ab
und bleiben stehn
 

text: 23. januar 2006 (berlin)
musik: 24. januar 2006 (berlin)


[ unser dilemma ]

Sonntag, Januar 22nd, 2006

unter die mauern der stadt haben wir uns
zurückgezogen, als sie uns suchten; sie
bauten ihre verliesse über unseren köpfen
sie bauten ihre türme und ihre paläste

sie etablierten die lüge von der freiheit
sie erfanden die lüge von den feinden der
freiheit – nur weil sie es versäumten, in
ihrer eignen kloake nachzusuchen, fanden
sie uns bislang nicht

sie transponierten die alten märsche in neue
liebliche hymnen; wenn sie heute ‹guten tag›
sagen, meinen sie ‹im namen gottes› oder
’sieg heil›, was das gleiche ist: voran geht
ein gespenst der angst

wo wir verborgen sind, haben sie dich gefragt
– unter schmerzen hast du ihnen zugeschrien:
sie sind unter uns!, immer wieder hast du
schreien müssen, ich habe es gespürt in
meinen knochen

ihre elektrischen zangen und zungen, wie
sie dir an der seele frassen; zu unserem
glück haben sie dir bis heute nicht geglaubt;
vielleicht, weil du gebrüllt hast in den
sprachen des lebens, statt zu weinen

unter die mauern der stadt haben wir uns
zurückgezogen, als sie uns suchten; sie
bauten ihre verliesse über unseren köpfen
sie bauten ihre türme und ihre paläste

erfolgreich etablierten sie die lüge von der
freiheit. ohne schande erfanden die lüge von
den feinden der freiheit – nur wenn sie es
weiterhin vermeiden, hinabzusteigen in ihre
katakomben, finden sie uns nicht

unser dilemma ist, dass wir den krieg nicht
erklären können in einer friedlosen zeit

unser dilemma ist, dass sie eine taubheit
ausgerufen haben gegen fremde stimmen; die
wenigen, die noch hören können, haben keinen
mut mehr, ja, ohne blut sind die

unser dilemma ist, dass wir so viele verloren
haben, unser dilemma ist, dass wir nur schwei-
gend überleben, unser dilemma ist, dass wir
nicht überleben werden, wenn wir weiter
schweigen – doch höre mich, atmendes herz:

unser dilemma ist, dass wir den krieg nicht
erklären können, ohne ihn zu schüren, in einer
friedlosen zeit; einer zeit, in der die söhne
und töchter der liebe sich verkaufen müssen
aus hunger oder aus hass

unter die mauern dieser stadt haben wir uns
zurückgezogen, als sie uns suchten; und
wenn sie dir heute ‹guten tag› sagen, meinen
sie ‹grüss gott› oder ’sieg heil›, was das
gleiche ist


[ interview ]

Donnerstag, Januar 19th, 2006

der trick ist gut und altbewährt: wer nichts zu sagen hat, verweist
auf längst gesagtes. es gibt ein interview auf ‹ethik-portal›


[ neue zweifel. stärkere zweifel ]

Dienstag, Januar 17th, 2006

natürlich zweifle ich. sobald ich höre, dass es menschen
schlecht geht, die mir wichtig sind (ja, ich unterscheide)
dass sie gehen, aufhörn, langweilig werden, heiraten
– all sowas. sie werden täglich mehr. wann habe ich nichts
mehr zu sagen? es stinkt nach dem moder vergammelter
gehirne und du nimmst after shave. oder einen zweiten
big-mäc. vielleicht sollte ich nicht beleidigt sein, wenn du
mir schreibst, wie sehr dich meine texte berühren. es
könnte ein zeichen der hoffnung sein. vielleicht. ich selber
bin lange nicht mehr berührt davon. es ist eine abwehr, ein
gegenzauber, ein anschreiben gegen den bösen blick dieser
zeit: interessenlosigkeit. sie sperren hühner weg wie ganz
normales vieh und niemand hinterfragt die argumente. es
ist normal – wie durchgeknallte kinder pillen kriegen gegen
kreativität und man mit schlägen gegen schläge droht

natürlich zweifle ich. ernsthaft. ich denke daran, aufzuhören


[ gruss hinterher ]

Montag, Januar 16th, 2006

stille

das kinn auf die brust sinken lassen
den takt abgeben. nachlauschen
fragen? nicht mehr fragen. warten
entrücken. aussetzen mit einem atem-
zug, herzschlaglang, gedankenlang
bis der kreisel tot zur seite fällt: stille
(weisst du? das kind ist gestorben)

warte. lass deine lider geschlossen
bis die schnitte ausgeheilt sind unter
deiner haut. du kannst

schweigen


[ not vegan! ]

Sonntag, Januar 15th, 2006

hallo gudrun w.

wie komme ausgerechnet ich in das zweifelhafte vergnügen, von
dir post zu bekommen? ich stand bislang nicht in deinem ‹ver-
teiler› und will das auch in zukunft nicht. ich bekam also von dir
eine an mich weitergeleitete anfrage irgendeiner ‹tierherberge›:
 

……………………………………………………………………………

to: info@peryton.de
date: wed, 11 jan 2006 02:30:36 +0100
subject: (no subject)
reply to:gw@xxxxxxxxxheeling.de

Liebe Tierfreunde,
vielleicht könnten Sie Frieda zu einem liebevollen
Zuhause verhelfen. Melden Sie sich dann bitte bei
Tanja xxx. Neue Seminartermine in Deutschland
stehen fest. Bitte melden Sie sich, falls Sie sich
interessieren, bei mir.
 

—–HIER BEGINNT DIE WEITERGELEITETE NACHRICHT —–
von: tanja_xxxxxx@t-online.de {name geändert}
datum: 10.01.2006, 23:25:56

Hallo Gudrun,
ich weiß, Du leitest ungern Mails weiter, aber Frieda ist wirklich
eine ganz arme Seele, die dringend eine Couch benötigt.
Würdest Du Frieda durch deinen Verteiler schicken?

……………………………………………………………………………
 

natürlich habe ich auf die homepage dieser mir bis dato nicht
bekannten «gudrun» geschaut, ein wenig recherchiert, was für
ein mensch dahinter stehen möge, was für ein mensch hier um
hilfe gebeten wird – und wer da so dreist ist, mich ungefragt
für seine höchsteigenen interessen einspannen zu wollen

ich finde also eine frau, die mit tieren ’spricht›. ach ja, gähnen
wir, das war alles schon mal da. eigentlich kein grund, sich
weiter damit zu beschäftigen – aber nein: hier kommt alles viel
dicker. diese frau verspricht jenen «heilung», die sich dort
betrügen lassen wollen, wo ich esoterischen dunst, realitäts-
flucht und das offensichtliche bewerben von wirtschaftsinte-
ressen wahrnehme

aber diese hier kann sogar die gedanken von tieren lesen, wenn
sie nur ein foto des betreffenden haustiers betrachtet. jaja. und
dann kann sie lesen, was der liebling so denkt über herrchen
und über frauchen und wo es seine wehwechen hat (und die
hat es!) und was es am liebsten fressen mag. ganz zu schwei-
gen davon, dass es seine meinung kundtut über den letzten
lover von öffne-mir-die-dose-mama. und dass unser liebling
sich wohl fühlt – nein: wahrhaft glücklich ist! -, im stall oder im
haus, sofern das bevorzugte happihappi rechtzeitig an der
richtigen stelle steht. und wenn ordentlich geschmust wird, an
den richtigen stellen. ja, diese ‹heilerin› beschönt und befestigt
das fundament der derzeit existentierenden zustände von herr-
schaft, eigentum und ausbeutung

dass die tiere es vermutlich nicht lustig finden, von menschen
derart vereinnahmt zu werden, dass ihr aussehen auf mensch-
liche bedürfnisse hingezüchtet, hingeschnitzt wird mit dem
abschneiden von ohren und schwänzen, dem verlängern oder
verkürzen von nasen, dem züchten spezieller sorten, haar-
farben, -längen oder gar besonderer nacktheit, dass sie es
nicht lustig finden eingesperrt, kastriert zu werden, totgefüt-
tert oder -gehungert, zwangsweise befruchtet, in isolations-
haltung gefoltert, angeleint, angekettet, in hallen und auf
rennbahnen kaputttrainiert, wie ein radio an- oder abgestellt
zu werden, geparkt in ställen, ständern oder der scheinfrei-
heit fettgedüngter weideflächen, gemolken, geliebt oder ge-
gessen zu werden, je nach menschlicher wahl, je nach be-
stimmung, mode und marktwert – also dass sie das ganz
normale haustierleben nicht freiwillig wählten, hätten sie die
freiheit, über ihr leben zu verfügen und über ihre gedanken …

… das alles sollen sie nicht gesagt haben?

dann sage ich jetzt das überhörte und dass es unangemessen
ist, wenn sich ein solcher mensch mit solchen motiven in die
nähe ‹veganer› und an ‹tierrechten› interessierter stellt – oder
gestellt wird. es ist faktisch falsch

das zurechtlügen der haustierlichen realität als einer konstruk-
tion von tiersein, das glücklich sich erfüllt im befriedigen rein
menschlicher (besitz-) bedürfnisse, hinlauschend in steter be-
reitschaft zu dienen, quasi in tiermenschlicher symbiose, das
rechtfertigen der ausbeutungsnormalität von tieren (‹kapital
animal›
) ist genau so dreist, wie es von einer bürgerlich-kapi-
talistisch orientierten frau erwartet werden kann, die sich auf
dem esoterischen markt eine nische gefunden hat

solche leute sind potentielles angriffsziel meines direkten, ge-
waltfreien widerstands gegen tierausbeutung – und solche leute
suchen meine nähe besser nicht

georg hemprich (peryton)
 

ps: diese mail wird öffentlich gemacht. die beschriebene home-
page-adresse hingegen nicht. ich mache für derartige lebens-
ziele kein werbung (hier nachzulesen: «wen wir scheisse finden
verlinken wir nicht»
)


[ 14. januar 2006 ]

Samstag, Januar 14th, 2006

das gurren von tauben dringt in meinen traum. überrascht
wache ich auf. es ist zu früh. die morgensonne räkelt sich
noch rosa hinter zweigen, macht ihre platte frei, damit sie
nicht vertrieben werden kann, wie alle andern, die zu lange
ruhn und an den falschen orten

ich schalte ich den rechner an, setzte das kaffeewasser auf
die herdplatte. das rauschen der festplatte beruhigt mich
– das sollte mir zu denken geben. dann aber warte ich. er
kommt nicht. die mitgebrachten brötchen verlieren ihren
duft ungeschnitten in den raum, mein appetit verliert sich
hinterher; es sind die kleinigkeiten, momente des ver-
gessenseins (oder ein gefühl davon), die mich traurig
machen. unachtsamkeit: ein umgestossnes glas entleert

im traum hab ich versucht, abschied zu nehmen. es soll dir
gut gehen, hörte ich. es ist zeit zu gehen, sage ich, es ist

zeit. aber das weiss ich doch schon lange


[ mund an mund ]

Samstag, Januar 14th, 2006

ich gäb mich, in
deinen armen hin
weinen, einmal

noch, ausleeren
mund an mund
und

vergessen. ich trage
keine namen mehr
und du trägst keine

augen: wer bist du
und wer bist du? lass
tauschen, einmal

noch wund, mund
an mund ver
gessen


[ ich sollte … ]

Freitag, Januar 13th, 2006

… aufhören, denke ich, stecke den stift zwi-
schen die

seiten. nehme einen heissen schluck kaffee
darauf einen schluck kühlen wassers, bemerke
wie angenehm der klangraum dieses ortes
den tinnitus bettet, spüre das nichtverstehen
neben mir platz nehmen, wo du nicht platz ge-
nommen hast, sehe dich nicht sitzend, gegen-
über, eine nelkenzigarette zu deinen lippen
führend – und habe nichts mehr zu sagen, in
meiner gestrigkeit

mit den wurzeln im vergessen werden die
blätter grau


[ … oder über die dächer davon ]

Mittwoch, Januar 11th, 2006


 

in jedem satz ein gebirge
ein fluss, ein tal, in dem ich
wandern kann, ohne weg
– natürlich barfuss –
jeder steg eine rettung
jeder schatten ein pfad
irgendwann sprichst du
mit flechten und mit steinen
 

foto: … oder über die dächer davon
berlin, 29. märz 2005


[ schneetreiben: neue kommentare ]

Dienstag, Januar 10th, 2006


«ich werde ich mich immer wieder streitbar äussern, sobald
sich mir die (manchmal traurige) gelegenheit dazu bietet. und
dabei zielt meine kritik stets besonders auf jene, die mir am
nächsten stehen, mich – selbstverständlich – eingeschlossen»

 

die diskussion zu den geschehnissen auf dem ‹jukss›
schleppt sich voran, wird aber von den veranstalter-
Innen immerhin zur kenntnis genommen
 

nachtrag (11.04.2009)

simson hipp, der auf dem jukss auftretende sekten-
werber für «universelles leben», ist bis heute weiter
aktiv. hier der link zu einer einer dokumentation über
«Verschwörungstheoretiker & Co. in der Jugendum-
weltbewegung»

der jukss selbst ging aus den zahlreichen diskussio-
nen über beeinflussung von sekten und sektenähn-
lichen gruppierungen nicht gestärkt hervor; zum jah-
reswechsel 2008/2009 fand der sogenannte «jugend-
umweltkongress» in einer «freien waldorfschule» in
franfurt/main statt …


[ harte tage ]

Montag, Januar 9th, 2006


 

hier: harte tage hinter nebelwänden
– ich rette mich in die cafés um mehr
zu sehn und bin doch weit entfernt

ob sie sich erinnern, an das gespräch
mit dem fremden?

die sonne fiel kalt über den place jean
jaures. es hatte den anschein, sie woll-
ten die herannahenden feierlichkeiten
ignorieren, alle gemeinsam, in unaus-
gesprochener einigkeit

ob sie sich erinnern, wenn sie alleine
sind, an ein gespräch mit dem fremden?
 

foto: am place jean jaures
marseille, 22. dezember 2005


[ geh zu ihr – 03. januar 2006 ]

Sonntag, Januar 8th, 2006

«lass uns jetzt nicht blöde sein. es ist ziemlich viel, was wir
verlieren und sehr viel, was wir für uns retten können. lass
uns etwas mut haben & kraft für veränderung. es regnet»

 

es taut. im gitarrenkoffer liegt eine postkarte ohne datum, le
pont metallique de tarassac, beschrieben mit grauer spur. ich
lege sie neben meine noten, trete dicht ans mikrophon heran

beginne für dich° zu singen
 

° – ogg; 5,5mb


[ pause machen ]

Samstag, Januar 7th, 2006

«wie – du willst pause machen … du kannst das?»
 

ja klar. wenn ich mir das als termin eintrage …

doch, heute abend mache ich pause. werde nicht mehr ins
studio gehen. werde den rechner ausschalten, von dem
aus die letzten dringenden korrekturen auf der peryton-
homepage gemacht wurden. (ist sie nicht schön geworden??
los. sagt, dass sie schön ist. bitte) ich werde noch einen
kaffee aufsetzen und dann zu den freunden fahren, die
hoffentlich nicht vergessen haben, dass sie mich eingeladen
hatten

pause machen. geniessen, dass die arbeit getan ist. mich
am heute freuen, mich an gestern freuen, mich einfach auf
morgen freuen, weil morgen ein nächster tag kommt. mich
erinnern an die letzten projekte mit dem rapper ‹albino›, der
gestern überpünktlich ins studio kam, als wir noch mitten-
drin im zurechtschneiden der gesangsparts waren – er kam
direkt von einer reise, obwohl er totmüde war und seine
stimme eigentlich ruhe gebraucht hätte (das klingt in der
aufnahme jetzt so schön absterbend, am ende. hach)
 

zum auffrischen eurer erinnerung – das war unser letztes
gemeinsames projekt: albino & peryton & nemo

‹relationen / genua› (ogg; 4,4mb)
 

und stop. kopf aus. pause


[ geschenke ein-, pfeile auspacken ]

Freitag, Januar 6th, 2006

«T-Shirts zusammenlegen ist wie Geschenke einbacken:
Ich kann beides nicht (…) Drei Hemden brauchten gestern
sechzig Minuten. Mir gehts zu gut für diesen Blog, zur Zeit.»

 

ach, dem herrn gehts zu gut, ja?

vielleicht sollte ich mich mal wieder beschweren über die
qualität der einträge in deinem weblog, die das niveau der
unvermeidbaren niveaulosen kommentare nur noch wenig
übersteigen. oder mich öffentlich darüber wundern, dass
die selbstbeobachtung des verspiesserns dich weder zu
ermüden, noch zu beunruhigen scheint

willst du etwa auch noch mental in marburg ankommen?
einnischen bei den versoffen-verkrachten? bei den kunst-
lemmingen? einen stammplatz einnehmen an den billig-
tresen? (und ich kann tatsächlich fotos von dir liefern, an
einem solchen ort, jawoll, die hab ich noch!) willst du ver-
grauen zwischen farbentragenden° und am ende gar täg-
lich darüber berichten? oh niels …

aber nein, all das nicht: ich nehme mein gift zurück. ich
stecke den pfeil zurück in seinen köcher, der nur mich
selbst treffen soll in meiner frustration: es geht mir wohl
nicht gut genug, hier nicht zu schreiben
 

° – burschenschaftler


[ herz schweigt betroffen. an z*** ]

Donnerstag, Januar 5th, 2006

z***, manchmal ist es richtig schwer. manchmal frage
ich mich, ob ich so wirklich weitermachen will (die
antwort ist immer ’nein›). manchmal glaube ich, dass
ich es einfach nicht mehr schaffe. und dann kommt so
eine mail, wie deine heute morgen, und ich denke: doch
es gibt menschen, für die du schreibst. dann mach ich
weiter in der nächsten illusion, weil ich weitermachen
muss. was wäre die alternative? rund ist die erde und
der weg auf dem kreis unendlich

und weil ich gerade anfing über den heutigen tag zu
schimpfen, über meinen kratzenden hals vor lauter
ärger, vor lauter herunterschlucken besser nicht
gesagter worte, über die kratzende bitterkeit, über
meine müdigkeit, die den kopf leer macht, dass ich
nicht mal mehr meine texte für morgen vorbereiten
kann, da hab ich das geschimpfe wieder weggelöscht

kopf leer, zeilen leer, herz schweigt betroffen: ende

sei ganz lieb gegrüsst vom anderen ende des kreises
von irgendwo unterwegs – wenn ich mal weiss wo, dann
werde ich es dir sagen. (oder sagst du’s mir?)


[ studiotage ]

Mittwoch, Januar 4th, 2006


 

so schnell kann selbstzufriedenheit ins gegenteil umkip-
pen: wir haben zwar die letzten aufnahmen zu ‹comme
à marseille›
erledigt, aber dann kamen die üblichen kata-
strophen, die es immer wieder so anstrengend machen:
erst brachte der tonabnehmer von gitarre ‹peryton II›, die
noch noch nie im studio eingesetzt wurde, nur ein rau-
schen zustande, das klanglich nicht wirklich befriedigen
konnte. dann übertrug der tonabnehmer von ‹peryton I›
keine bässe mehr

zum glück war eine weitere gitarre einsetzbar, die über
vierzig jahre alte ‹lewin›, die mich manchmal zu konzer-
ten begleitet
. sie ist schwer zu spielen, als ob sie beson-
ders beachtet und umsorgt sein wollte; aber wenn sie ins
klingen kommt, motiviert sie mich stets zu neuem. was
heute dazu geführt hat, dass ich änderungen am arrange-
ment vorgenommen habe und wir deshalb ein wenig ins
streiten kamen … die zeit ist knapp, der druck steigt an

morgen abend soll eine neue (die dritte) version unseres
‹chanraps› «geh zu ihr / überall» eingespielt sein – sagt der
zeitplan. mal schauen, was bis dahin noch alles passiert
 

foto: peryton & mc albino live
tangermünde, 28. dezember 2004
aufnahme: jens grubert (c)


[ an euch ]

Dienstag, Januar 3rd, 2006


 

eingerahmt von nachrichten geliebter freunde erlebte ich
den zahlenwechsel dekadent: in (s)einer badewanne, ab-
geschirmt vom explosionslärm – draussen – mit sekt, mit
schokoladenkuchen und allerlei … belebender leckerei

ich grüsse, weil’s so freundlich ankam – und doch gut tat –
all jene noch einmal zurück und herzlichst auch die andern:
euch

kommt immer wieder hierher und geniesst, denn für euch
schreib ich, für euch sing ich, für euch erfind ich worte, je-
den tag
 

foto: ganz am anfang (mit claus b., olivia m.)
silvester 1979/1980
peryton-archiv